Review

In dem Psychothriller „PET – Wenn du etwas liebst, lass es nicht los“ des katalanischen Regisseurs Carles Torrens ist der Konflikt, der sich zwischen den beiden Hauptfiguren Seth (Dominic Monaghan) und Holly (Ksenia Solo) entwickelt, das zentrale Thema. 

Der Tierpfleger Seth ist ein zurückhaltender Außenseiter ohne soziale Kontakte. Dies macht der Film seinem Zuschauer gleich zu Beginn auch eindringlich deutlich. So lebt der unsichere Einzelgänger in einer kläglichen Wohnung, arbeitet für einen geringen Lohn und hat keinerlei Freunde; mehr noch ist es den meisten Leuten in seiner Umgebung schon zuwider, auch nur in seiner Nähe zu sein. Umso erfreuter ist der Eigenbrötler, als er eines Tages im Bus Holly, seinen früheren Schwarm aus der Highschool, antrifft. Indessen ist diese als eine flüchtige Bekannte noch zu intim umschrieben, war sie doch in der Highschool nicht einmal in Seths Jahrgang und sich bis zu dieser (schicksalhaften) Begegnung auch seiner Existenz nicht bewusst. Während dieses Zusammentreffen für die attraktive Serviererin also zunächst nur völlig beiläufig ist, stellt es für Seth einen Wendepunkt dar, der ihn aus seiner Trägheit reißen soll. So macht er ihr von da an regelmäßig Avancen, um sie für sich zu gewinnen; trotz ihrer deutlich gezeigten Zurückweisung. Dies führt dazu, dass Hollys Ex ihm nach einer Weile eine ordentliche Abreibung verpasst. In diesem Tumult soll es Seth jedoch gelingen, Hollys Tagebuch heimlich an sich zu nehmen, wodurch es ihm möglich ist, in ihre Intimsphäre einzudringen und ihre dunkelsten Geheimnisse zu erfahren. Anschließend hat Seth nur noch eins im Sinn: Er plant akribisch und niederträchtig die Entführung der jungen Kellnerin; wie er sagt, um sie zu retten. Nur die Tat eines psychotischen und verzweifelten Verehrers oder steckt da doch mehr dahinter? Mehr kann und soll hier zum Inhalt nicht verraten werden.

Entgegen der Angabe des Studios handelt es sich meines Erachtens nach per definitionem schon nicht um einen Horrorfilm bzw. einen Horrorthriller, da es dafür an wesentlichen Merkmalen fehlt; vielmehr ist der Film sachgerecht als eine ungewöhnliche Variation des Psychothrillers einzuordnen. Dies nur als Hinweis für das Publikum, das sich einen waschechten Horrorfilm verspricht.

Zunächst verdient der Thriller für einige Aspekte durchaus Beifall. Die schauspielerische Leistung von Dominic Monaghan, der den meisten aus den „Herr der Ringe“-Filmen als Hobbit oder auch als Charlie Pace aus der Serie „Lost“ bekannt ist, mimt hier überzeugend den scheuen, psychotischen sowie obsessiven Außenseiter. Weit weniger bekannt ist die weibliche Hauptdarstellerin Ksenia Solo (obschon sie zumindest in einer kleineren Rolle in Darren Aronofskys „Black Swan“ zu sehen ist), die sich hier aber durch eine intensive und vielschichtige Darbietung durchaus für weitere und größere Aufgaben empfiehlt.

Gerade der Stempel, ein Horrorthriller zu sein, tut in der heutigen Zeit aber nichts Gutes für den Film, da eine solche Genrezugehörigkeit bei dem einen oder anderen doch schon das Gefühl hervorruft, der Film sei trivial und schematisch. Dies trifft auf „PET“ aber gerade nicht zu, da er Klischees und massenhaft verbreitete Vorurteile gekonnt umschifft und sich vielmehr durch gezielte Twists und Elemente unzuverlässigen Erzählens den Erwartungen des Publikums entgegensetzt. Hier haben wir es mit einem Film zu tun, bei dem man nicht bereits alles nach dem Durchlesen des Klappentextes schon vorhersehen kann; durch gewandte Abweichungen vom Genremuster entsteht so eine unkonventionelle Variation.

Seth (Dominic Monaghan) in „PET – Wenn du etwas liebst, lass es nicht los“ (Copyright: Pandastorm Pictures)

Erfrischend ist ferner, dass der Film mit einer Laufzeit von 90 Minuten mit der klassischen Spielfilmlänge auskommt und sich so dem Trend entgegensetzt, dass ein Film neuerdings über zwei Stunden dauern muss, um überhaupt noch eine Existenzberechtigung zu haben.
Hinzufügen kann man hier noch, dass der Film zwar blutige und mitunter exzessive Gewaltdarstellungen enthält, aber eine „FSK-ab-18“-Kennzeichnung durchaus streng erscheint, hat man doch schon verstörendere Filme gesehen, die als Filme ab 16 Jahren durchgingen.

Da „PET“ maßgeblich von seinen gezielten Twists lebt, kann man bei der negativen Kritik hier nicht allzu weit ausholen. Es sei jedoch der Hinweis erlaubt, dass sich leider einige Ungereimtheiten in die Handlung einschleichen, die die Qualität des Filmes und seine originelle Herangehensweise schmälern, da einige Aspekte schlechterdings nicht plausibel sind.

Dennoch verdient der Film eine Empfehlung als Geheimtipp und wer jetzt so richtig Lust bekommen hat: „PET – Wenn du etwas liebst, lass es nicht los“ erscheint am 23.06.2017.

Trailer

Inhalt

Seth (Dominic Monaghan) ist ein scheuer Außenseiter, ohne soziale Kontakte und arbeitet für den Mindestlohn im örtlichen Tierheim.

Die zufällige Begegnung mit seiner alten Highschool-Flamme Holly (Ksenia Solo) reißt ihn plötzlich aus seiner Trägheit. Hoffnungsvoll beginnt er ihr den Hof zu machen, bekommt aber wie immer eine Abfuhr. Doch dank Hollys Tagebuch, das er heimlich an sich bringen konnte, keimt in dem Verschmähten bald eine hinterhältige Idee: Er entführt die hübsche Kellnerin und sperrt sie in einen Käfig im Keller des Tierheims. Um zu überleben, muss Holly einen Weg finden, ihrem Verehrer die Stirn zu bieten …

(Quelle: Pandastorm Pictures)

Details

Format: Widescreen
Sprache: Deutsch (DTS-HD 5.1), Englisch (DTS-HD 5.1)
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 2.39:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 18 Jahren
Studio: Pandastorm Pictures
Erscheinungstermin: 23.06.2017
Produktionsjahr: 2016
Spieldauer: 94 Minuten

Copyright Cover: Pandastorm Pictures



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Fabian
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Warum denn so ernst?