Review

Genre-Crossover sind eine spannende, gleichsam auch recht gefährliche Sache. Die Gefahr ist einfach groß, dass es dann keiner Fangemeinde so richtig gefällt, weil es weder Fleisch noch Fisch ist. Dennoch wagt sich der französische Regisseur Olivier Assayas mit seinem „Personal Shopper“ an die Kombination von Horror, Thriller und Krimi.

Angesichts des Filmtitels (und auch nach dem Genuss des Trailers) ein zunächst überraschender Mix. Der Personal Shopper ist Maureen, eine unscheinbare Person Ende 20. Sie tingelt für ihre Auftraggeberin Kyra, anscheinend ein bekanntes Modell, durch halb Europa, um Lederhosen oder Schmuck von Cartier zu besorgen. Dabei gibt es nur eine Regel: Sie darf die Kleidung ihrer Chefin niemals anprobieren. Die ganze Glitzer-Glamour-Welt passt allerdings weder zum Auftreten noch zum wahren Interesse des grauen Mäuschens.

Schon vor dem plötzlichen Tod ihres Zwillingsbruders Lewis interessierten sich beide für die Geisterwelt. Sie versprachen sich, dass derjenige, der zuerst stirbt, dem anderen ein Zeichen schickt. Also verbringt Maureen die Nächte im Haus ihres toten Bruders, auf der Suche nach Erscheinungen. Diese folgen dann prompt. Zunächst in Form von spontan laufenden Wasserhähnen und schließlich auch durch eine geisterhafte Erscheinung. Der weibliche Geist ist aber offensichtlich nicht ihr Bruder ‑ und verschwindet zudem.

Nun könnte man meinen, nach dieser Begegnung der dritten Art sei Maureen entweder total verängstigt oder gewissermaßen erleichtert … aber es bleibt bei der Emotionslosigkeit. Nur die plötzlichen anonymen Textnachrichten reißen sie etwas aus ihrer Lethargie. Steckt dahinter vielleicht ihr Zwillingsbruder?

Während die Protagonistin zu ergründen versucht, wer da Spielchen mit ihr treibt, versucht der Zuschauer sich einen Reim auf die konfuse Stilmischung von „Personal Shopper“ zu machen. Es scheint ‑ angesichts der eigentlichen Thematik des Films ‑ der modische Anteil überbetont zu sein. Auch das an Satire grenzende Auftreten von Kyra geht der Message etwas gegen den Strich. Aber selbst wenn man diese kleinen Komponenten als schmückendes Beiwerk sieht, changiert der Film unangenehm zwischen Geisterkitsch und Krimielementen. Resultat dieses Mischmaschs: Man weiß man Ende einfach nicht, wohin die Reise nun ging.

Da wäre zum einen der echte Kriminalfall, der für sich genommen ganz gelungen ist. Auf der anderen Seite die Geisterelemente, die, abgesehen vom eher peinlichen Auftritt der kotzenden Geisterdame, auch gelungen wären. Durch die explizite Aufnahme dieser Geisterfigur verpuffen die sonstigen Effekte allerdings ins Nichts. Die eine Seite ist also zu explizit und die Gegenseite nicht explizit genug. Genau das Problem bei solchen Genremixen. Dazu gesellen sich endlose Aufnahmen von Chatverläufen zwischen Maureen und dem Unbekannten, die an Langeweile nicht zu übertrumpfen sind.

Kristen Stewart in „Personal Shopper“ (Copyright: Weltkino Filmverleih)

Abgesehen von besagter Geisteranimation, die so sicherlich auch 30 Jahre alt sein könnte, stimmt aber immerhin die Optik des Films. Sogar die Kameraruckler verleihen den meisten Szenen Authentizität und Atmosphäre. Besonders hervorzuheben ist insgesamt vor allem die Leistung von Kristen Stewart als Maureen. Man kann sich keine Schauspielerin vorstellen, die Depression, Lustlosigkeit und Unsicherheit aus jeder Pore atmet. Diese Kombination passt wie die Faust aufs Auge. Fans der Schauspielerin erleben übrigens auch einige pikante Momente (die Kristen allerdings mit einer derart stoischen Miene absolviert, dass jegliche erotischen Anflüge der eigenen Fantasie sofort unterbunden werden).

Auch wenn Kristen Stewart hier ihr Bestes gab, konnte sie „Personal Shopper“ nicht retten. Zu viel Kuddelmuddel, platte Geister und zwischendurch jede Menge Langeweile. Ein Film nur für Fans von Kristen Stewart.

Trailer

Handlung

Die Amerikanerin Maureen arbeitet in Paris als persönliche Einkäuferin für Stars und Sternchen. Doch eigentlich begreift sie sich als Medium, das mit Toten in Kontakt treten kann. Seit Wochen wartet sie auf ein Zeichen ihres verstorbenen Zwillingsbruders Lewis. Plötzlich bekommt sie geheimnisvolle Nachrichten von einer unbekannten Nummer. Ist es ihr Bruder, der aus dem Jenseits Kontakt zu ihr aufnimmt? Oder nur der sehr lebendige Geliebte ihrer Chefin, der es auf sie abgesehen hat?

Kristen Stewart stellt ihr Können erneut unter Beweis, wenn sie als Maureen inmitten der oberflächlichen Flüchtigkeiten einer modernen Welt voller Glamour auf der Suche nach Spiritualität und Wahrheit ist. In den Nebenrollen glänzen Lars Eidinger, Nora von Waldstätten und Sigrid Bouaziz. „Personal Shopper“ ist ein Genre-Hybrid, der Aspekte von Geisterfilm und Psychothriller verbindet.

(Quelle: Weltkino Filmverleih)

Personal Shopper – Homepage
Personal Shopper – Facebook

Details

Format: Dolby, PAL, Widescreen
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Deutsch (DD Stereo), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 – 2.40:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Weltkino Filmverleih GmbH / Universum Film
Erscheinungstermin: 23.06.2017
Produktionsjahr: 2016
Spieldauer: 106 Minuten
Extras: Interview mit Kristen Stewart, Expertengespräch, Zusätzliche Szene: Spiritismussitzung in Jersey, Audiodeskription für Sehbehinderte, Trailershow und Wendecover.

Copyright Cover: Weltkino Filmverleih



Über den Autor

Ivonne
Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer