Review

Denkt man an französische Filme, kommen einem vermutlich als erstes kunstvoll inszenierte ARTE-Formate, dialoglastige Dramen oder anspruchsvolle, eigen wirkende Produktionen in den Sinn. Weitaus weniger und damit zugleich ungewöhnlich „französisch“ fällt die Komödie „Pattaya“ unter Regie von Franck Gastambide aus.

Bereits zu Beginn sorgen die als Rückblicke und Einführung der Figuren dienenden kurzen Episoden für humorvolle Momente und lassen den Zuschauer sowohl Charaktere kennenlernen als auch erahnen, welche komödiantische Richtung „Pattaya“ auf seiner 93-minütigen Laufzeit einschlagen wird.

Der für wilde Partys berüchtigte und titelgebende Badeort, eine ungewöhnliche Figurenkonstellation, bestehend aus den beiden „Buddys“ Franky und Krimo sowie dem nur „Der Zwerg“ genannten Kleinwüchsigen aus ihrer Nachbarschaft, und die simple, wenngleich lustige Plotidee, die überhaupt erst einmal dazu führt, dass sich dieses außergewöhnliche Dreiergespann gemeinsam auf den Weg zum vermeintlichen Traumurlaub macht (Stichwort thailändische Meisterschaften im Zwergboxen), verheißen bereits eine interessante Unterhaltung, die keine Rücksicht auf „Political Correctness“ nimmt.

Empfindlich darf das Publikum von „Pattaya“ daher nicht sein, denn nicht ohne dabei auch auf Klischees zu verzichten, mangelt es dem Film weder an sexistischen Sprüchen noch an Fäkalhumor und grundsätzlicher Primitivität. Dies alles zu mögen, ist eine Voraussetzung, um Gefallen am Film zu finden. Anders als viele andere Veröffentlichungen dieser Art beweist „Pattaya“ jedoch auch, dass primitiver Humor nicht immer gleichbedeutend sein muss mit stupider Albernheit.

Die Vorteile seiner Machart werden schon in den ersten Minuten ersichtlich: „Pattaya“ besticht mit einer hohen Gagdichte und temporeichen Dialogen.

Traumurlaub mal anders: „Pattaya“ (Copyright: Universum Film)

Leider wird dies nicht bis zum Schluss konsequent beibehalten. Vielmehr schleicht sich gegen Ende eine „moralische Ebene“ in den Inhalt ein, die fehl am Platz wirkt und der Komödie unvermittelt ihren Schwung nimmt. Humor und Elan verpuffen somit zunehmend, während einige Szenen zudem plötzlich sehr lang gezogen und sogar entbehrlich erscheinen.
Auch durch die auf der Bildfläche erscheinende Orang-Utan-Dame (Tiere ziehen doch einfach immer!) gewinnt der Film nicht an zusätzlicher Spritzigkeit. Da zudem das Potenzial dieser „Zutat“ nicht ausgereizt wurde, besitzt der Primat nicht einmal eine nennenswerte Relevanz für „Pattaya“.

Die Rollen aller weiteren Haupt- und Nebenfiguren wurden hingegen sehr gut und passend besetzt. Vor allem die figurenbezogenen Eigenheiten (wie etwa der Vin Diesel-Tick von Rolle Franky, gespielt von Franck Gastambide selbst) inszeniert und unterstreicht der Cast perfekt.

Alles in allem ist „Pattaya“ eine Buddy-Komödie, die auch Frauen einige Lacher entlockt. Wer somit knapp 93 Minuten lang derbe Sprüche, fehlende politische Korrektheit und (fäkal)humorige Szenen auszuhalten vermag, greift zu.

Trailer

Handlung

Franky und Krimo träumen davon, ihrem tristen Alltag in ihrem Viertel zu entkommen. Ihr Ziel ist Pattaya, der für die wilden Partys bekannte und berüchtigte Badeort in Thailand. Um möglichst billig dorthin zu kommen, haben die beiden Freunde die verrückte Idee, einen Kleinwüchsigen aus der Nachbarschaft für die thailändischen Meisterschaften im Zwergen-Boxen anzumelden. Doch was als Traumurlaub geplant war, verwandelt sich rasch in das verrückteste und gefährlichste Abenteuer ihres Lebens.

(Quelle: Universum Film)

Details

Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch, Französisch
Bildseitenformat: 16:9 – 1.78:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Universum Film GmbH
Erscheinungstermin: 24.02.2017
Produktionsjahr: 2016
Spieldauer: 93 Minuten
Extras: Trailer / Trailershow

Copyright Cover: Universum Film



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde