Review

Am Ende von Guillermo del Toros Pacific Rim“ haben die Menschen in einer aufreibenden Schlacht die sogenannten Kaijūs besiegt. Diese kamen durch den Breach, ein interdimensionales Portal im pazifischen Ozean, in unsere Welt und brachten allerhand Zerstörungswut mit sich. Um sich diesen gigantischen Monstern zu erwehren, entwickelte die Menschheit die sogenannte Jaeger-Einheit. Die „Jaeger“ sind riesengroße Kampfroboter, die von zwei Piloten mittels einer Gedankenkopplung, des sogenannten Drifts, gesteuert werden. Bei dem finalen Schlagabtausch im Meer ließ insbesondere der Marshall Stacker Pentecost (Idris Elba) sein Leben.

Hier setzt „Pacific Rim: Uprising“ von Regisseur Steven S. DeKnight („Marvel’s Daredevil“) an.

Seit dem Unterwasser-Showdown wurden die furchterregenden Kaijus nicht mehr gesichtet und die Welt befindet sich wieder im Aufbau. Viele Städte sind allerdings noch immer ein Bild der Verwüstung und Gesetzlosigkeit herrscht.

John Boyega in der Rolle des Jake Pentecost und Scott Eastwood als Nate Lambert in „Pacific Rim: Uprising“ (Copyright: Universal Pictures)

In einer solchen Umgebung lebt auch der junge, einst rebellische, aber hoffnungsvolle Jaeger-Pilot Jake Pentecost (John Boyega; „The Circle“, „Detroit“). Im Gegensatz zu seiner Halbschwester Mako Mori (Rinko Kikuchi) hat Jake das Militärwesen und die Regeln mittlerweile satt und will nicht mehr das ruhmreiche Erbe seines Vaters antreten. Er verdient sich seinen Lebensunterhalt lieber mit Plündern und Schmuggeln. Als er jedoch eines Tages mehr Mist baut als sonst, lässt ihm Mako keine Wahl: entweder Knast oder zurück zur Jaeger-Einheit. Gemeinsam mit der jungen Amara Namani (Cailee Spaeny), die eigenständig aus Schrott einen Jaeger entwickelt hat, kehrt er zu alter Wirkungsstätte zurück, wo er auch auf seinen alten Partner und Kontrahent Nate Lambert (Scott Eastwood; „Snowden“) trifft. Gemeinsam sollen sie die Ausbildung der neuen pubertären Kadetten für das Jaeger-Programm übernehmen. Die mächtigste Abwehrtruppe der Welt soll aber schon bald gefordert sein, denn ein chinesischer Konzern bedroht mit seinen Prototypen die Menschheit und natürlich kehren auch die Kaijūs zurück – und sind stärker als je zuvor …

Zu Beginn möchte ich betonen, dass ich ein Freund von Guillermo del Toros Pacific Rim“ und ein Bewunderer seiner Kunst im Allgemeinen bin. Der mexikanische Regisseur und feinsinnige Filmkünstler hat erst kürzlich für seinen bezaubernden und kunstvollen Film „Shape of Water – Das Flüstern des Wassers“ den Oscar als „Bester Regisseur“ erhalten und der Film wurde darüber hinaus noch in der prestigeträchtigen Kategorie „Bester Film“ ausgezeichnet.
Dass del Toro eine Vorliebe für schräge Filme unter monströser Beteiligung hat, kann man seiner gesamten Filmografie entnehmen: „Blade II“, „Hellboy“, „Pans Labyrinth“, „Shape of Water – Das Flüstern des Wassers“ oder eben „Pacific Rim“. Freilich unterschiedlich im Genre und im Stil und Ton, doch im stets liebevollen und künstlerischen Monsterfilm wieder vereint. So zeichnet sich auch Pacific Rim durch den typischen Stil del Toros aus: sowohl eine Hommage als auch eine Neuinterpretation gerade des asiatischen Monsterfilms mit einem treffsicheren Gespür für Gags und einem charmanten Trash-Appeal.

Bereits nach Ansicht der frühen Trailer zu Pacific Rim: Uprising“ von Steven S. DeKnight, bei dem Guillermo del Toro nur noch als einer von fünf Drehbuchautoren und als Produzent beteiligt ist, durfte man Zweifel haben, ob diese Fortsetzung ihrem Vorgänger nacheifern könnte.
Sie konnte es nicht. Das Sequel des – gerade im Vergleich zum virtuosen del Toro – recht unerfahrenen Filmemachers schafft es nicht, den eigenwilligen Stil des Vorgängers nachzubilden, geschweige denn zu übertrumpfen. Die hier inszenierte Materialschlacht ist ohne Ecken und Kanten und ist geradezu typisches Blockbusterkino à laTransformers (vor allem die Fortsetzungen) oder der neue „Power Rangers“-Streifen.

Die schematische Handlung passt auf einen Bierdeckel und muss hart kämpfen, um die annähernd zwei Stunden zu füllen. Der Zuschauer bekommt daher allerhand schlimme One-Liner, flache Gags, bemüht coole Sprüche am Fließband und reichlich dümmliche Dialoge. Es ist auch nicht nachvollziehbar, warum die neuen Piloten des Jaeger-Programms auf einmal alle im Teenager-Alter sein müssen. Alles hier ist irgendwie zu albern, zu platt.

Auch die Inszenierung der riesigen Kampfroboter hat nichts von dem Gespür des Vorgängers, wo sie sich im Kampf passend recht realistisch, besonders schwerfällig, ungraziös und behäbig bewegten. Davon ist hier nichts übrig geblieben. Gleich den schon genannten Transformers bewegen sich hier die Kolosse völlig unbeschwert, gazellenhaft und dynamisch. Das beraubt den Film seiner wunderbaren Eigenart.

„Pacific Rim: Uprising“ wartet mit gelungen inszenierten Actionszenen und Spezialeffekten auf. (Copyright: Universal Pictures)

Den einen oder anderen Zuschauer mögen die durchaus gelungen inszenierten Actionszenen oder Spezialeffekte am Ende für einen ansonsten sehr bemüht wirkenden Film vertrösten oder gar entschädigen. Selbst jene dürften sich aber wohl daran stören, dass wir in der Fortsetzung eines Monsterfilms erst nach über einer Stunde das erste Kaijū zu Gesicht bekommen.

Im Zeitalter eines Blockbusterkinos, das sich durch immer neue Remakes, Reboots und Spin-offs auszeichnet, ist „Pacific Rim: Uprising“ nicht eben eine positive Erscheinung. Trotz wiederkehrender Schauspieler mit Charlie Day in der Rolle des Dr. Newton Geiszler, Burn Gorman in der Rolle des Dr. Hermann Gottlieb oder auch Schauspielerin Rinko Kikuchi als Jaegerpilotin Mako Mori sowie Neuzugang und Star Wars-Shootingstar John Boyega als Jake Pentecost kann der Film zu keiner Zeit sein Potenzial (voll) ausschöpfen – schade.

Trailer

Inhalt

Als plötzlich die furchterregenden Alien-Monster zurückkehren, um die Erde gnadenlos zu vernichten, stellt sich Jake der Herausforderung, das ruhmreiche Erbe seines Vaters anzutreten. Gemeinsam mit seinem früheren Co-Piloten Lambert und der 15-jährigen Hackerin Amara werden sie zur mächtigsten Abwehrtruppe der Welt und stürzen sich in ein heldenhaftes Abenteuer von ungeahntem Ausmaß.

(Quelle: Universal Pictures)

Details

Format: Widescreen
Sprache: Italian (DD 7.1 Plus), Turkish (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Italienisch, Türkisch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 2.40:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Universal Pictures Germany GmbH
Erscheinungstermin: 26.07.2018
Produktionsjahr: 2018
Spieldauer: 111 Minuten
Extras: Unveröffentlichte Szenen / Halle der Helden / Die Brücke zu „Uprising“ / Die Unterwelt von „Uprising“ / Neue Kadetten / Ein unerwarteter Bösewicht / Jaeger der nächsten Stufe / Ich bin ein Scrapper / Auf großer Tour / Shoas Geheimnis / Mako kehrt zurück / Filmkommentar mit Regisseur Steven DeKnight

Copyright Cover: Universal Pictures



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)