Review

Das letzte Kapitel der schonungslosen Yakuza-Trilogie

Mit Outrage Coda“ legt der japanische Regisseur Beat Takeshi Kitano das abschließende Kapitel seiner  schonungslosen Yakuza-Trilogie vor. Wie schon die vorherigen Teile der Saga, Outrage“ sowie Outrage Beyond“, erscheint der Film bei uns bei capelight pictures.

Beat Takeshi ist hierzulande den meisten Zuschauern wohl am ehesten aus dem Film Battle Royale“ von Filmemacher Kinji Fukasaku oder auch aus der Gameshow Takeshi’s Castle bekannt. Mit seiner „Outrage“-Reihe stellt er wieder unter Beweis, dass er ein künstlerischer Tausendsassa ist. Nach einigen Ausflügen in andere Genres hat Kitano mal wieder die Lust auf Gewalt- und Gangsterfilme gepackt.

Erneut führte Takeshi Kitano hier nicht nur Regie und schrieb das Drehbuch, sondern übernahm auch wieder die Rolle des gealterten Yakuzas Ōtomo.

Wie Sodom und Gomorra

Beat Takeshi bei der Arbeit (Copyright: capelight pictures)

Da dies mittlerweile der dritte Teil einer nicht nur lose verknüpften, sondern einer inhaltlich zusammenhängenden Yakuza-Trilogie ist, sollen die potenziellen Zuschauer gewarnt sein: Hier einfach mal einzusteigen, ist sicher nicht zweckmäßig; selbst wenn es möglich ist, Outrage Coda“ ohne Vorkenntnisse zu schauen.

In den Filmen von und mit Takeshi Kitano verhält es sich wie bei Sodom und Gomorra. Es bekämpfen sich derart viele Mafia-Familien und metzeln sich nieder, dass das Publikum schon mal den Überblick verlieren kann. Schließlich hat Kitano für sein gesamtes Projekt auch einen üppigen und namhaften Ensemble-Cast zusammengetrommelt.

Outrage

Im ersten Teil Outrage“ beginnt alles mit einem vermeintlich unspektakulären Geschäftsessen des Yakuza-Kaichos, dem Oberhaupt des Sanno-kai-Clans, der führenden Verbrecherorganisation im Großraum Tokio.
Nach dem Bankett stellt Kato (Tomokazu Miura), ein Unterboss des Clans, Ikemoto (Jun Kunimura; „The Wailing – Die Besessenen“, „Kill Bill Volume 1“), den Anführer eines verbündeten Clans, zur Rede. Dieser pflegt Geschäftsbeziehungen mit dem verfeindeten, altgedienten Clan-Anführer Murase (Renji Ishibashi). Ikemoto überträgt die Aufgabe, einen empfindlichen Schlag gegen Murase auszuführen, seinem Untergebenen, Yakuza-Boss Otomo (Takeshi Kitano).

Dass der Kaicho die Clans gegeneinander ausspielt und ein Geflecht aus Intrigen schafft, merken die Gangsterbosse zunächst nicht. Am Ende landet Otomo im Knast und der Kampf um Macht hat unzähligen Bandenmitgliedern das Leben gekostet. Im Gefängnis wird er mit Kimura (Hideo Nakano) inhaftiert, der ihm mit einem provisorischen Messer in den Bauch sticht. Zuvor hatte Otomo seinem Feind in Freiheit rücksichtslos das Gesicht zerschlitzt.

Outrage Beyond

In der Fortsetzung von „Outrage“ hat sich in der Unterwelt durch den korrupten Polizisten Kataoka (Fumiyo Kohinata) das Gerücht verbreitet, Yakuza-Boss Otomo sei in der Haftanstalt gestorben.

Nach diversen abgekarteten Spielen im Vorgänger ist Kato inzwischen der größte Gangsterboss. Durch ihn machen die Yakuza mehr legale Geschäfte und mischen nun auch in der Politik mit. Der Polizei wird der Einfluss der Familie daher nach und nach zu groß.

Polizist Kataoka versucht, einen Krieg anzuzetteln, wofür abermals Otomo als Katalysator dienen soll. Kataoka sorgt dafür, dass Otomos Haftstrafe verkürzt wird, und beschwört eine unwahrscheinliche und unheilvolle Allianz herbei: Mittlerweile milder schließen sich Otomo und sein vermeintlicher Mörder Kimura für einen blutigen Rachefeldzug zusammen.

Outrage Coda

Zu Beginn des letzten Teils sehen wir einen ehemaligen Yakuza-Boss Otomo, der scheinbar seinen Frieden abseits der großen Geschäfte der Yakuza gefunden hat.

Der Kaicho Mr. Chang (Tokio Kaneda) hat dem altersmilden Killer eine Flucht nach Korea ermöglicht, wo Otomo in der südkoreanischen Sexindustrie arbeitet. Vor Ort ist er für die Aufsicht über die Bordelle und die Prostituierten zuständig. Außerdem scheint er echte Freunde gefunden zu haben.

Als einer seiner Mitarbeiter und eben auch Freunde von Hanada, der dem sogenannten Hanabishi-kai-Clan angehört, ermordet wird, schwört Otomo Rache. Er begibt sich mit einigen wenigen koreanischen Gangstern nach Japan zurück. Dies wird in der Folge der erste Film der Reihe, in dem Otomo als wortkarge Ein-Mann-Armee die einflussreichsten Gangsterbosse nach und nach niedermetzelt.

Für Takeshi Kitano-Fans

Wer die bisherigen Teile der Reihe von und mit Takeshi Kitano mochte, der macht auch mit dem aktuellen Outrage Coda“ nichts falsch.

Takeshi Kitano schlüpft zum dritten Mal in die Rolle des Otomo (Copyright: capelight pictures)

Stil und Ton des Films fügen sich nahtlos in die bisherige blutgetränkte Rachegeschichte über die Abgründe der japanischen Unterwelt ein. Auch im letzten Kapitel der Trilogie stehen die eigenen Gesetzmäßigkeiten, die Logik der Yakuza und das selbstsüchtige Streben nach Macht im Vordergrund. Keiner kann keinem trauen – diese Botschaft steht über allem.

Die Handlung bleibt über alle Teile hinweg recht dünn. Die mitunter extremen Gewaltdarstellungen sind in der Regel nur als Selbstzweck einzustufen. Sympathiefiguren sucht man weit und breit vergebens. Hier hat jeder Dreck am Stecken und ist – mit Verlaub – ein fieser, geisteskranker Arsch.

Meisterregisseur Takeshi Kitano präsentiert eine Reihe fernab des Mainstreams und üblicher Sehgewohnheiten . Womöglich spielt er gar mit seinen Fans. Nachdem er auch in anderen Genres keinen durchschlagenden Blockbuster feiern durfte, heißt es für ihn „back to the roots“: Wieder hartgesottene Gangsterfilme, wieder die Welt der Yakuza, aber diesmal gänzlich ohne moralischen Anker. Ihr wollt wieder Takeshi Kitano, ihr sollt ihn kriegen. Eine konsequente Reihe, die nicht jedem gefallen muss, aber die einen ganz eigenen Stil verfolgt: brachial, düster und frei von jedweder Glorifizierung.

Und für Filmsammler

Capelight-typisch kommt „Outrage Coda“ auch wieder als „3-Disc Limited Collector’s Edition im Mediabook“ daher.

Neben einem reichhaltigen Booklet unter der Überschrift Wertlose einer Gesellschaft – Die Geschichte des Yakuza-Films und ihres Meisters“ bekommt der Filmbegeisterte hier vor allem den Film als DVD und als Blu-ray sowie als Bonbon die Blu-ray mit Takeshi Kitanos Filmkomödie „Getting Any“ aus dem Jahr 1994, bei der Kitano auch Regie führte und das Drehbuch schrieb.

Wer die Yakuza-Trilogie liebt, der darf dieser Aufmachung im Mediabook ohne Zögern die volle Punktzahl geben.

Trailer OUTRAGE CODA

Trailer OUTRAGE BEYOND

Trailer Outrage

Inhalt

Fünf Jahre nach dem Krieg zwischen dem Sanno-kai-Syndikat und dem Hanabishi-kai-Clan arbeitet der ehemalige Yakuza-Boss Otomo für Mr. Chang, einen der einflussreichsten Gangsterbosse der südkoreanischen Sexindustrie. Als einer seiner Mitarbeiter von Hanada ermordet wird, der dem Hanabishi-kai-Clan angehört, schwört Chang Rache. Zwischen dem mächtigen Yakuza-Clan und den koreanischen Gangstern bricht ein erbitterter Machtkampf aus. Als schließlich auch Changs Leben bedroht ist, kehrt Otomo nach Japan zurück, um die Dinge ein für alle Mal zu erledigen.

(Quelle: capelight pictures)

Details

Format: Widescreen
Untertitel: Deutsch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 2.35:1
Anzahl Disks: 2
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: capelight pictures
Erscheinungstermin: 14.09.2018
Produktionsjahr: 2017
Spieldauer: 100 Minuten

Copyright Cover: capelight pictures



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)