Review

Nicht selten erfreuen sich Krimi-Bestseller nur in literarischer Form großer Beliebtheit, oftmals bieten sie sich aufgrund ihres Erfolgs zudem als Verfilmung an. Dies trifft auch auf „Ostfriesenkiller“ nach dem Roman von Klaus-Peter Wolf zu, der nach seiner Erstausstrahlung am 01. April im ZDF ab 22. September 2017 als Blu-ray, DVD und DVD-„Killer-Edition“ veröffentlicht wird.

Der regionale Bezug, die damit einhergehende kühle Kulisse Ostfrieslands, welche sich auch in der Farbgebung der Produktion widerspiegelt, ein namhafter Cast (allen voran Christiane Paul und Peter Heinrich Brix), reißerische Pressezitate sowie der spannend zusammengefasste Inhalt auf dem DVD-Rücken versprechen eine interessante Krimiunterhaltung. Die Erwartungen sind entsprechend groß, können letztlich aber nicht erfüllt werden.

Zunächst einmal wirkt das Spielfilmformat sehr stark komprimiert; daraus resultieren und darunter leiden sowohl eine nicht zu sehende aktive Ermittlungsarbeit als auch detaillierte Nebensächlichkeiten wie die Benachrichtigung und der Umgang mit den Angehörigen der Opfer, die hier meist gänzlich fehlen.

Ebenso bleiben die Figuren stets hinter ihrem Potenzial zurück. Aus dem Ermittlerteam wird nur die Protagonistin in den Fokus gerückt; ihre beiden Kollegen deklariert man in „Ostfriesenkiller“ eher zu Nebenrollen. Als wäre dies nicht schon schmälernd genug, präsentiert man, wenn denn ihre Charakterzüge zum Vorschein kommen, die typischen Stereotypen wie beispielsweise den unsensiblen, unfreundlichen, dafür aber entschuldigend als „direkt“ charakterisierten „bösen Cop“ Rupert (gespielt von Barnaby Metschurat).

Während die Handlung darüber hinaus mit unnötigen Nebenhandlungssträngen rund um die Protagonistin gefüllt respektive effektlos aufgebläht wird (u.a. mit einem betrügenden Ehemann, daraus resultierenden Eheproblemen und einem unter den Streitigkeiten der Eltern leidenden Kind), sodass die gezeigten Ermittlungen immer wieder dadurch unterbrochen werden, weiß der Zuschauer hingegen schon früh, wer hinter den Morden zu stecken scheint; nur das Motiv bleibt über einen längeren Zeitraum unklar und hält die Spannung zumindest ein wenig aufrecht.

Hauptkommissarin Ann Kathrin Klaasen (Christiane Paul) macht mit ihrem Team Jagd auf den „Ostfriesenkiller“ | Copyright: Pandastorm Pictures / Christine Schroeder

Unklar erscheint auch der Sinn der integrierten „Halluzinationen“ der Protagonistin. Sie sollen eindeutig Tiefe (der Figur und auch Handlung) suggerieren, verfehlen diese Funktion allerdings permanent.

Insgesamt manifestiert sich der Eindruck, als hätte man in „Ostfriesenkiller“ zu viel gewollt. Bewährte Krimi-Zutaten treffen auf bekannte „privatisierte“ Nebenhandlungen – und alles wurde auch angeschnitten, aber nicht konsequent und mit der nötigen Intensität präsentiert. Hier steht der geplanten tiefgängigen Umsetzung die Spielfilmlänge von 89 Minuten Laufzeit deutlich im Weg und lässt die wenn schon nicht innovativen, dafür aber doch guten Ideen genau so auf der Strecke bleiben, wie das (abgesehen vom Originaltrailer) nicht anzutreffende Bonusmaterial auf der herkömmlichen DVD-Version. Schade.

Trailer

Handlung

Eine Serie von Mordfällen erschüttert Ostfriesland. Die mit äußerster Brutalität getöteten Opfer führen Hauptkommissarin Ann Kathrin Klaasen und ihre Kollegen Weller und Rupert zum Regenbogenverein, der sich um behinderte Menschen kümmert. Die Nerven der Mitarbeiter liegen blank, als ein weiterer Mord geschieht. Für Ann Kathrin Klaasen wird dieser Fall zu einer großen beruflichen wie menschlichen Bewährungsprobe.

(Quelle: Pandastorm Pictures)

Details

Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0)
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Pandastorm Pictures
Erscheinungstermin: 22.09.2017
Produktionsjahr: 2017
Spieldauer: 89 Minuten
Extras: Originaltrailer

Copyright Cover: Pandastorm Pictures



Über den Autor

Conny
Conny

„Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert.“ – Oscar Wilde