Review

Sie schrieben Musikgeschichte, sorgten für Skandale und gelten als bekannteste Vertreter des Britpop: Oasis.
Ihnen setzt Regisseur Mat Whitecross nun mit seiner Dokumentation „Oasis: Supersonic“ auch ein filmisches Denkmal.

Das Hauptaugenmerk seiner Produktion legt Whitecross auf die Anfänge der Band und verfolgt ihren Werdegang vor allem bis ins Jahr 1996. Dabei setzt er auf bisher unveröffentlichte Archivaufnahmen, Interviews und Konzertmitschnitte, die zusammengenommen für einen hohen Grad an Authentizität sprechen.

Durch jene zum Teil sehr alten und amateurhaft aufgenommenen Originalaufnahmen ist die Bildqualität logischerweise schwankend, dies macht jedoch insbesondere die Stimmung der Dokumentation aus und liefert gleichsam für Fans der britischen Erfolgsband Einblicke, die es zuvor noch nicht zu sehen gab.

Begleitet von einem hohen Informationsgehalt dringt der Zuschauer tief in die Geschichte um die Brüder Liam und Noel Gallagher und ihre Hassliebe ein und erfährt durch O-Töne und Zeitzeugenaussagen „die unglaubliche, wahre Geschichte der Band, die eine ganze Generation prägte“. Whitecross‘ Ziel ist es dabei nicht, diese Supertruppe aus England vorbildlich und vorzeigbar darzustellen, sondern sie dem Zuschauer mit allen Ecken und Kanten näherzubringen. So sind es nicht nur die Sonnenseiten, die in „Oasis: Supersonic“ thematisiert werden, sondern ebenfalls Skandale und Skandälchen der Band, die beispielsweise eine ebenso große Leidenschaft für Drogen wie für ihre Musik zu haben schienen. Indem Whitecross zudem in das Privatleben der Frontmänner vordringt, dabei Mutter und Kindheit zur Sprache kommen, rundet er die Dokumentation mit detailreichen biografischen Zügen ab.

Insgesamt wirft „Oasis: Supersonic“ nicht nur einen Blick auf die Band, sondern berichtet über die Geschehnisse direkt aus Sicht der Band. Dadurch handelt es sich bei der Veröffentlichung nicht um eine trockene Abhandlung oder Zusammenfassung von Fakten.

Somit sind es nicht nur Fans der Band selbst, die mit „Oasis: Supersonic“ auf ihre Kosten kommen werden. Auch jene, die sich nicht explizit für die Briten interessieren, aber einer gut gemachten Berichterstattung über die damalige Musikindustrie und Musikdokumentationen im Allgemeinen aufgeschlossen gegenüberstehen, finden hier ihren Platz.

"Oasis: Supersonic" wirft auch einen Blick auf Liam und Noel Gallagher in jungen Jahren. (Copyright: Ascot Elite Home Entertainment)

„Oasis: Supersonic“ wirft auch einen Blick auf Liam und Noel Gallagher in jungen Jahren. (Copyright: Ascot Elite Home Entertainment)

Dem deutschsprachigen Zuschauer steht es frei, sich das Ganze – um der zusätzlichen Authentizität Willen – im englischen Original oder mit synchronisierter deutscher Übersetzung anzusehen. Beides weiß zu überzeugen und kann uneingeschränkt empfohlen werden.
Dass die deutsche Übersetzung dem Zuschauer nichts vorenthält oder verfälscht wiedergibt, zeigt sich u.a. in den zu Beginn zahlreich auf Repeat stehenden Floskeln der Gallagher-Brüder in ihren Interviews. Die Fragen „Weißt du?“, „Weißt du, was ich meine?“ oder „Verstehst du?“ fallen derart häufig, dass sie zunächst einfach auffallen müssen, nehmen im Laufe der Dokumentation aber glücklicherweise ab.

Etwas unvollständig wirkt „Oasis: Supersonic“ durch die starke Fokussierung auf die Anfänge der Band, während auf die Zeit nach 1996 nur recht kurz bis gar nicht eingegangen wird. Diesbezüglich gibt es sicherlich noch das Potenzial einer Fortsetzung. Wer nach den knapp 113 Minuten noch nicht genug hat, der kann sich jedoch die Zeit mit einer großen Auswahl an Extras vertreiben.

Alles in allem hat Mat Whitecross in Zusammenarbeit mit den Gallagher-Brüdern großartige Arbeit geleistet und eine Dokumentation kreiert, die schlüssellochartig einen unterhaltsamen, informativen, gut strukturierten und privaten Blick auf die Band Oasis wirft, gleichzeitig jedoch kein reines Fandom-Material darstellt, sondern sich öffnet für ein Publikum, das sich für glaubwürdige Musikdokumentationen begeistern kann.

Trailer

Handlung

Der langerwartete offizielle Film über die Superband Oasis – ein filmisches und musikalisches Denkmal der Superlative!

Mit brandneuem Filmmaterial sowie nie zuvor gesehenen Archivaufnahmen und Interviews der Band.

Mit über 80 Millionen verkauften Tonträgern gehört Oasis zu den erfolgreichsten Bands aller Zeiten.

Von Mat Whitecross, dem Regisseur von „The Road To Guantanamo“ und der Gewinner des Silbernen Bären bei der Berlinale für die Beste Regie.

(Quelle: Ascot Elite Home Entertainment)

Details

Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Ascot Elite Home Entertainment (Vertrieb: Universum Film)
Erscheinungstermin: 11.11.2016
Produktionsjahr: 2016
Spieldauer: 117 Minuten
Extras: Originaltrailer / Trailershow / Audiointerviews / Interviews mit Regisseur Mat Whitecross

Copyright Cover: Ascot Elite Home Entertainment



Über den Autor

Conny
Conny

„Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert.“ – Oscar Wilde