Review

Dieses Hoffen und Bangen, wenn man in eine neue Wohnung zieht. Alles ist neu und voller Möglichkeiten! So viel Raum für frische Träume! Und dann wird es spät, alle Helfer sind schon längst gegangen und endlich ist Zeit, dass man einmal durchatmet und sich umguckt – in seinem neuen Heim. Man muss sich natürlich noch an alles gewöhnen – vielleicht tropft irgendwo ein Wasserhahn… vielleicht dreht sich aber auch ein Bild an der Wand, aus der ein gruseliges Ächzen und Stöhnen dringt. Genau das passiert der schüchternen Madame – und sie nimmt panisch Reißaus! So beginnt der neue Film von Clovis Cornillac „Mit dem Herz durch die Wand“.

Fakt ist: Hinter dieser Wand sitzt kein Geist, sondern Monsieur, der Nachbar. Er wohnt schon lang in seiner Wohnung und weiß um die speziellen Gegebenheiten: Einer Wand, die so dünn und hellhörig ist wie Papier. Als eigenbrötlerischer, kauziger Spieleerfinder steht ihm also wenig der Sinn nach einem Mitbewohner – selbst, wenn er diesen nicht sehen muss. Und Madame – eine junge Pianistin und Klavierlehrerin – entspricht so gar nicht seinen Vorlieben. Während sie versucht, sich mit ihm zu arrangieren, bleibt er dabei, sie zu vergraulen. Doch das lässt sie sich nicht bieten und so entbricht eine lautstarke Hölle.

Eines Tages jedoch bemerken die beiden, dass sie auch Gemeinsamkeiten haben. Und wenn eine papierdünne Wand auch nur einen Vorteil hat, dann wohl den, dass man einander viel besser zuhört. Mit jedem Wort entspinnt sich also immer mehr ein Faden zwischen den beiden Nachbarn, der scheinbar durch nichts getrennt werden kann. Doch wie viel hält eine Beziehung zwischen zwei Menschen aus, die sich noch nie in die Augen geblickt haben?

Laute Nachbarn hatte wohl jeder schon einmal – aber wir haben wohl kaum so rabiat (und herrlich amüsant) darauf reagiert, wie Madame (Mélanie Bernier) und Monsieur (Clovis Cornillac). Mit immer abstruseren Mitteln machen die beiden sich einander das Leben schwer. Es ist einfach herzerfrischend und urkomisch, ihr Miteinander zu verfolgen, zu sehen, mit welchen immer perfideren Mitteln sie sich gegenseitig nerven. Dabei verfallen die beiden Darsteller aber nie in eine unsinnige Slapstick-Komik, die nur um des Gags willen schräger und schräger auf Kosten der Menschen agiert.

Im Gegenteil: Das Timing ist fein, der Humor intelligent. Ohne dass sich die beiden Charaktere sehen, entwickelt sich eine wirklich wunderbare Dynamik voller Emotionen. Auch die Nebencharaktere sind glaubhaft und charmant ausgearbeitet: Da ist zum einen Charlotte (Lilou Fogli), die lebenslustige, aber in ihrer Ehe unzufriedene Schwester von Madame, und zum anderen Artus (Philippe Duquesne), Monsieurs bester Freund, ein bisschen heruntergekommen, aber herzensgut. Und allein der Fakt, dass sich beide auf dieses unkonventionelle Konstrukt einer Beziehung einlassen, zeigt, dass sie ihren Lieben einfach vertrauen.

Während also die Ausgangssituation typisch französisch ist – ein bisschen schrullig, aber wunderschön detailverliebt – und die Charaktere einfach furchtbar sympathisch sind, ist die Handlung dem Genre entsprechend. Denn sicherlich: Neu erfinden kann „Mit dem Herz durch die Wand“ die romantische Komödie auf keinen Fall. Aber dafür weiß sie die Erwartungen zu erfüllen, sodass es spannend bleibt und der Zuschauer am Ende nicht enttäuscht ist. Zudem gibt es auch einige geschickte Kniffe, ganz unscheinbar eingestreut, sodass man sie fast übersehen hätte, die den Figuren aber eine unerwartete Wendung und Tiefe schenken.

Mit dem Herz durch die Wand - Szenenbild.

Szenebild aus „Mit dem Herz durch die Wand“ (Copyright: Pandastorm Pictures)

Visuell und akustisch kann der Film im Übrigen auch überzeugen. Die Farben sind bunt und fröhlich, passend zum Genre und zur lebensbejahenden Grundstimmung. Musikalisch gibt es gerade für Fans von Pianoklängen außerdem viel Schönes auf die Ohren.

Und so ist „Mit dem Herz durch die Wand“ ein feiner Streifen aus fähigen Händen. Eine charmante Unterhaltung, bei dem Plot, Akteure und Umsetzung geistreich miteinander harmonieren, ohne in den Kitsch abzudriften. Der Film begeistert durch das punktuierte, wohldosierte Spiel aller Beteiligten und ist definitiv ein Leckerbissen für Fans des französischen Kinos oder dieses Genres.

Trailer

Inhalt

Sie: eine junge schüchterne Pianistin, die sich auf einen Wettbewerb vorbereitet.
Er: ein verschrobener ruheliebender Erfinder, der seit Jahren versucht, seine Ideen zu verwirklichen.
Das Problem: zwei hellhörige Wohnungen.

Während sie kräftig in die Tasten haut, arbeitet er zu Unzeiten an seinen Kreationen – Nachbarschaftsstreit vorprogrammiert. Sie sehen sich nie, hören sich dafür ständig und entwickeln schließlich eine einzigartige Liebesbeziehung.

(Quelle: Pandastorm)

Details

Format: Widescreen
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Deutsch (DTS 5.1), Französisch (Dolby Digital 5.1)
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 – 2.35:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 6 Jahren
Studio: Pandastorm Pictures
Erscheinungstermin: 10.02.2017
Produktionsjahr: 2015
Spieldauer: 87 Minuten

Copyright Cover: Pandastorm Pictures



Über den Autor

Silvana
Silvana
A Cat is Purrfect.