Review

Im Jahr 2008 hat mit „Iron Man“ alles angefangen – das Marvel Cinematic Universe (MCU) war geboren und Comic-Fans kommen seitdem in größter Regelmäßigkeit in den Genuss, alle ihre geliebten Marvel-Ikonen wie Hulk, Thor, Captain America, die Guardians, (den Rückkehrer) Spider-Man oder auch Ant-Man (Review: „Ant-Man“) als Leinwandhelden zu bestaunen. Unzählige Blockbuster später ist das MCU im Laufe der Zeit zu einem Mammutprojekt herangereift, das über die erfolgreichen Filme hinaus seine Kreise gezogen hat.

Mittlerweile umfasst das MCU nämlich schon diverse TV-Serien, darunter etwa „Marvel’s Agents of S.H.I.E.L.D.“ (Review: „Marvel’s Agents Of SHIELD: Die komplette erste Staffel“) mit dem aus den Filmen bekannten Agent Phil Coulson oder auch „Marvel’s Agent Carter“ (Review: „Marvel’s Agent Carter – Die komplette Serie“) mit Agent Peggy Carter, gespielt von Hayley Atwell, im Fokus.

Besonderer Beliebtheit und Popularität erfreuen sich indes die Netflix-Serien, die in Marvels fiktivem Universum spielen und zu denen auch die hiesige Soloserie von „Luke Cage“ zählt. Daneben gibt es bereits viele weitere: zuvor schon die fantastische Serie „Marvel’s Daredevil“ und die tolle und eigenwillige „Marvel’s Jessica Jones“, in der Luke bereits seine ersten Auftritte hatte. Es folgten noch „Marvel’s Iron Fist“ sowie „Marvel’s The Punisher“. Nicht zu vergessen, dass Cage, Jones, Iron Fist und Daredevil in der Crossover-Serie „Marvel’s The Defenders“ ganz im Stile von „Marvel’s The Avengers“ auch schon ein eigenes Netflix-Superhelden-Team bilden. Das funktioniert ähnlich wie im Kino mit zig Überschneidungen und Gastauftritten zwischen den Serien und insbesondere der Krankenschwester Claire Temple (Rosario Dawson) als Bindeglied, die in jeder einzelnen Serie auftaucht.

Doch nun genug der Vorrede. Kommen wir zu „Marvel’s Luke Cage: Die komplette 1. Staffel“.

Hauptperson ist – und wie könnte es auch anders sein – Luke Cage (Mike Colter), gebürtig Carl Lucas, alias der Power Man. Für ein Verbrechen im Knast, das er nicht begangen hatte, gerät der ehemalige Polizist dort in ein sabotiertes Experiment. Das (vermeintlich) missglückte Gefängnisprojekt verleiht dem Kraftpaket Luke allerdings eine stahlharte und undurchdringliche Haut und übermenschliche Kraft, die er freilich auch umgehend zur Flucht nutzt. Endlich wieder in Freiheit legt er sich die Identität des Luke Cage zu und versucht, sich möglichst unauffällig zu verhalten und sein Leben in Harlem als Friseur- und Küchenhilfe zu führen. Doch in Harlem treiben diverse kriminelle Gestalten ihr Unwesen, darunter etwa Gangsterboss Cornell „Cottonmouth“ Stokes (Mahershala Ali; zuletzt gnadenlos gut in Moonlight“, wofür er auch den Oscar als bester Nebendarsteller einheimste) gemeinsam mit seiner Cousine, der lokalen Politikerin Mariah Dillard (Alfre Woodard), beide (bisweilen) unterstützt von dem Gangster Hernan „Shades“ Alvarez, den Luke schon aus der Haft kennt. Im Hintergrund zieht jedoch ein noch skrupelloserer Bösewicht namens Willis Stryker alias Diamondback (Erik LaRay Harvey) die Fäden. In einer solchen Gemengelage kann sich ein Kraftprotz wie Luke Cage nicht allzu lange im Verborgenen verstecken und muss seiner Berufung als Held folgen. Dabei muss er jedoch aufpassen, dass er in dem Kampf um das Herz von Harlem nicht die Menschen verliert, die ihm wichtig sind; allen voran die Polizistin Mercedes „Misty“ Knight (Simone Missick) und die oben bereits erwähnte Claire Temple (Rosario Dawson). Brisant: Beide sollen sich für Luke auch als amouröse Abenteuer erweisen. Ein echter Windhund dieser Cage, hat er zuvor schließlich schon mit Jessica Jones angebändelt …

Wer die von Netflix vorgesehene Reihenfolge eingehalten hat, dürfte Luke Cage bzw. Mike Colter bereits aus „Marvel’s Jessica Jones“ kennen. Wie schon so oft in Marvel-Produktionen haben die Macher mit der Besetzung ein glückliches Händchen bewiesen, das Comic-Fans zufriedenstellen dürfte. Colter gibt einen absolut überzeugenden „Power Man“, wobei selbstredend auch seine Statur ihr Übriges tut. Doch auch schauspielerisch weiß der Hüne durchaus zu überzeugen, gelingen ihm schließlich auch die emotionaleren und ruhigeren Momente der Serie mit Bravour. Dass man sich in der Serie dafür entschieden hat, auf das klassische auffällige Outfit von Luke Cage zu verzichten und dieses stattdessen nur in einem amüsanten „Easter Egg“ zu verpacken, ist eine gelungene Entscheidung. Im Übrigen lässt der Cast auch nicht viel zu wünschen übrig und kann mit überzeugenden Darstellern und Leistungen punkten.

Luke Cage in seinem Metier, der Action: „Marvel’s Luke Cage: Die komplette 1. Staffel“ | Copyright: Myles Aronowitz/Netflix / 2017 Marvel & ABC Studios

Insgesamt stimmen auch die dargestellte Atmosphäre und die musikalische Untermalung der Serie. Lediglich der eine oder andere schwarze Ghetto-„Bruder“ und insbesondere auch die Gangster „Cottonmouth“ und „Shades“ kommen gelegentlich arg klischeebeladen herüber.
Hier und da driftet die Serie auch schon mal zu sehr ins Pathetische ab. Das möchte man aber am Ende des Tages gerne wohlwollend verzeihen, da „Luke Cage“ in seinem eigentlichen Metier, der Action, wunderbar funktioniert. Die Staffel erreicht vielleicht kein „Daredevil“-Niveau, aber das ist auch Klagen auf hohem Niveau.

Fans des Marvel Cinematic Universe, die die Netflix-Serien bisher entweder gemieden oder einfach noch keine Zeit gefunden haben, sich diese anzusehen, sollten darüber womöglich noch einmal nachdenken. Hier entwickelt sich quasi noch ein weiterer Marvel-Kosmos, abseits der großen Leinwand, der ob seiner Qualität aber ebenso seine Daseinsberechtigung hat und aufgrund des Serienformats natürlich noch mehr Zeit für seine umfangreiche Charakterzeichnung hat.

Also setzt euch „Marvel’s Luke Cage: Die komplette 1. Staffel“ getrost mal auf die Watchlist – es ist die Zeit wert!

Trailer

Inhalt

Verurteilt für ein Verbrechen, das er nicht begangen hat, versucht der entflohene Sträfling Luke Cage, möglichst unauffällig zu leben. Gesegnet – oder doch verflucht? – mit übermenschlichen Superkräften und einer unverwundbaren Haut, meidet er Konflikte, um nicht seine mysteriösen Fähigkeiten einsetzen zu müssen. Doch als der gnadenlose Verbrecher Cornell „Cottonmouth“ Stokes in Luke Cages geliebtem Harlem ein Blutbad voller Chaos und Schrecken anrichtet, sieht er sich gezwungen, seine Deckung aufzugeben und sich seiner wahren Bestimmung zu stellen.

Die Netflix-Serie erscheint in einem 4-Disc-Set und zeigt in 13 Episoden und insgesamt 665 Minuten, wie der schweigsame Held seinem Schicksal entgegentritt. Ein tolles Highlight für alle, die sich Harlem ins Wohnzimmer holen wollen, ist das hochwertige und streng limitierte Steelbook in minimalistischem Comic-Design, das nur bei ausgewählten Online-Händlern erhältlich sein wird.

(Quelle: S&L Medianetworx)

Episoden

01 Moment Of Truth
02 Code Of The Streets
03 Who’s Gonna Take The Weight?
04 Step In The Arena
05 Just To Get A Rep
06 Suckas Need Bodyguards
07 Manifest
08 Blowin‘ UP The Spot
09 DWYCK
10 Take It Personal
11 Now You’re Mine
12 Soliloquy Of Chaos
13 You Know My Steez

Details

Format: Dolby, PAL
Region: Region B/2
Anzahl Disks: 2
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: ABC Studios / Walt Disney Studios Home Entertainment
Erscheinungstermin: 07.12.2017
Produktionsjahr: 2016
Spieldauer: 693 Minuten

Copyright Cover: 2017 Marvel & ABC Studios



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)