Review

Maria Magdalena (Rooney Mara) wird in einem kleinen Fischerdorf in einem patriarchalischen Gesellschaftssystem groß. Sie ist eine gläubige Frau und eine versierte Geburtshelferin. Eines Tages beschließt ihre Familie jedoch, sie solle endlich verheiratet werden und Kinder bekommen. Das entspricht allerdings nicht Marias Vorstellungen, die zunächst flieht, um allein zu beten. Dadurch zieht sie aber erst recht den Zorn der männlichen Familienmitglieder auf sich, die ihr anschließend brutal und rücksichtslos ihre Dämonen austreiben wollen.

Auch um ihrem vorherbestimmten Schicksal zu entgehen, verlässt die junge Frau ihr kleines Dorf, um sich dem Rabbi und Prediger Jesus von Nazareth (Joaquin Phoenix) anzuschließen. An der Seite des Verkündigers des göttlichen Wortes und seiner Apostel (u.a. Chiwetel Ejiofor als Simon Petrus und Tahar Rahim als Judas Iskariot) erlebt Maria eine spirituelle Reise, sieht wie der gesandte Messias und Sohn Gottes Blinde heilt, Tote zum Leben erweckt, aber auch hadert, zögert und schließlich am Kreuz stirbt 

„Maria Magdalena“ zeigt die Reise von Jesus und seinen Nachfolgern bis zu seinem Tod und seiner Auferstehung. Derartige Filme gab es sicherlich schon oft, doch zeigt Regisseur Garth Davis in seinem biblischen Biopic und seinem nach Lion – Der lange Weg nach Hause“ erst zweiten Spielfilm überhaupt die Geschehnisse durchwegs aus der Perspektive von Maria Magdalena.

Noch Papst Gregor I. setzte im Jahr 591 in einer Predigt Maria von Magdala mit einer fußwaschenden Sünderin gleich – später deutete man die Bezeichnung „Sünderin“ gar als Hure. Erst 2016 wurde die heilige Maria Magdalena, die als Erste dem Auferstandenen begegnete, den Aposteln gleichgestellt.

Diesem Bild der Begleiterin Jesu und der Zeugin der Auferstehung verpflichtet sich auch der vorliegende Film, der sichtlich um eine emanzipierte und korrigierende Darstellung bemüht ist und deswegen auch konsequent auf jede romantische Annäherung zwischen Maria und dem Heiland verzichtet. Sie widersetzt sich hier der Männerwelt, ergreift das Wort, wenn sie gehört werden muss, und erhält ein ums andere Mal den Vorzug vor den anderen Aposteln.

Gleichberechtigung und Emanzipation schafft der Film allerdings auch noch dadurch, dass Simon Petrus, einer der ersten, die Jesus in seine Nachfolge berief, hier von dem schwarzen Schauspieler Chiwetel Ejiofor verkörpert wird. Eine weitere moderne Facette ist die Darstellung von Judas. Jener wird hier weniger als Verräter denn vielmehr als übereifriger und ungeduldiger Jünger inszeniert, der Jesus dazu zwingen wollte, den Menschen tatkräftig und wehrhaft zu zeigen, dass er der Sohn Gottes ist.

Rooney Mara in der titelgebenden Hauptrolle der „Maria Magdalena“ (Copyright: Universal Pictures Germany)

So lobenswert die Anliegen des Filmes und der Macher aber auch sein mögen, so zahm und glatt gerät ihr Film am Ende. Zwar ist „Maria Magdalena“ eine geerdete Interpretation der bekannten Ereignisse, die auch ganz ohne unnötiges Pathos auskommt, allerdings ist sie auch eine leidenschaftslose und kraftlose Darbietung, die den Zuschauer zu keiner Zeit zu fesseln vermag. Dabei ist Leidenschaft in einem solchen Film doch eigentlich essenziell. Von den zwölf Jüngern hat nicht einer genug Tiefe, um auch nur ansatzweise das Interesse des Publikums zu erwecken und die größtenteils passive Protagonistin macht – abgesehen von wenigen Ausnahmen – keine spürbare oder gar tiefgreifende charakterliche Entwicklung durch, die den Film wirklich rechtfertigen könnte.

Garth Davis arbeitet sich im Schnelldurchlauf an Schlüsselmomenten aus dem Leben des Jesus von Nazareth ab, wenn es ratsamer gewesen wäre, sich auf einschneidende (fiktive) Erlebnisse aus Marias Leben zu fokussieren.

So haben wir hier – trotz eines äußerst bemerkenswerten Casts – leider nur einen blutarmen Film, bei dem nicht viel hängenbleibt. Für den einen oder anderen Christenmenschen aber womöglich trotzdem eine notwendige und innovative Darstellung, eine Art Rehabilitation, der Begleiterin Jesu, die ihr Leben und Wirken ins rechte Licht zu rücken vermag.

Trailer

Featurette Cast

Inhalt

Eine junge Frau verlässt ihr kleines Fischerdorf, um sich einer radikal neuen Bewegung anzuschließen, an deren Spitze Jesus von Nazareth steht. Als die Bekanntheit der Gruppe wächst, stellt Marias spirituelle Reise sie in den Mittelpunkt einer Geschichte, die in die Hauptstadt Jerusalem führt. Dort muss sie der Realität des Schicksals Jesu und ihrer eigenen Rolle darin entgegentreten.

(Quelle: Universal Pictures)

Details

Format: Widescreen
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Dänisch, Niederländisch, Finnisch, Norwegisch, Schwedisch, Isländisch, Arabisch, Hindi
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 2.20:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Universal Pictures Germany GmbH
Erscheinungstermin: 19.07.2018
Produktionsjahr: 2018
Spieldauer: 120 Minuten
Extras: Featurettes: Die Regie bei „Maria Magdalena“ & Die Besetzung bei „Maria Magdalena

Copyright Cover: Universal Pictures



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)