Review

Am 29. Juli 1890 in Auvers-sur-Oise starb mit Vincent van Gogh, einer der Begründer der modernen Malerei. Nachdem der Maler, zu diesem Zeitpunkt gerade einmal 37 Jahre alt, zwei Tage zuvor am 27. Juli versucht hatte, sich auf einem Feld in Auvers zu erschießen.

Die Geschichte von „Loving Vincent“ spielt ein Jahr nach dem Tod von Vincent van Gogh. Die Reise beginnt 1891 in Arles. Ein Brief des Künstlers an dessen Bruder Theo taucht nach seinem Ableben auf und dessen jahrelanger Postbote und Freund Joseph Roulin (Chris O’Dowd; „St. Vincent“, „Molly’s Game – Alles auf eine Karte“) bittet seinen Sohn Armand Roulin (Douglas Booth; „Noah“, „Jupiter Ascending“), den Brief an van Goghs Bruder Theo abzuliefern. Dieser übernimmt die Aufgabe nur widerwillig und soll schon früh auf seiner Reise erfahren, dass auch der Bruder das Zeitliche gesegnet hat – wohl aus Gram und Trauer.

So geht die Reise von Armand länger als gedacht und er schickt sich an, die Todesumstände des – vermeintlichen – Selbstmords des Künstlers zu untersuchen. Dabei trifft er auf Bekannte van Goghs aus dessen letzten Lebensmonaten und führt Gespräche mit ihnen:
Darunter finden sich etwa der Farbenhändler Père Tanguy (John Sessions; „Die Eiserne Lady“, „Mr. Holmes“), van Goghs Arzt und Freund Doctor Gachet (Jerome Flynn; vor allem in der die Rolle des Söldners Bronn in Game of Thrones“ bekannt), dessen Haushälterin Louise Chevalier (Helen McCrory; „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 1 + 2“) sowie dessen Tochter Marguerite Gachet (Saoirse Ronan; „In meinem Himmel“, „Grand Budapest Hotel“, „Lady Bird“); außerdem die Hotelbesitzerin Adeline Ravoux (Eleanor Tomlinson; „Alice im Wunderland“, „Poldark“) sowie auch der berühmte Bootsmann (Aidan Turner; „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“, „Poldark“).

Nachdem der junge Armand Roulin zunächst emotional überhaupt nicht in den Tod Vincent van Goghs involviert ist, packt ihn bald die Entschlossenheit, denn er mag nicht recht an einen Suizid glauben. Und derart entwickelt sich hier der mittels Rückblenden als Filmbiografie aufgebaute Animationsfilm zu einer kleinen Kriminalgeschichte …

Doch diese Kriminalgeschichte und die restliche Handlung ist im Prinzip nur beschaulicher „Nebendarsteller“ in einem Film, der fraglos von seinen Schauwerten lebt. Denn „Loving Vincent“ ist ein äußerst ambitioniertes, ehrgeiziges und einzigartiges Filmprojekt. Es handelt sich dabei schließlich um nicht weniger als den ersten gemalten Animationsfilm in Spielfilmlänge. Die Filmemacher Dorota Kobiela und Hugh Welchman haben hier 94 Gemälden des Künstlers van Gogh durch ihren Film Leben eingehaucht. Ihr Film wurde komplett von Hand gemalt und das immerhin von mehr als 100 Künstlern, die dafür für jeden der 66.960 Frames Ölgemälde gemalt haben – ein wahnwitziger, unvorstellbarer Aufwand.

Protagonist Armand Roulin (Douglas Booth) in „Loving Vincent“ (Copyright: Weltkino Filmverleih)

Und das Ergebnis kann sich wahrlich sehen lassen, denn „Loving Vincent“ bringt einige der größten Meisterwerke des Impressionisten in bewegten Bildern auf die Kinoleinwand. Die mit den oben genannten Schauspielern komplett inszenierte Handlung wurde derart zu einem Gesamtkunstwerk ummodelliert und animiert.

Die Anerkennung erfolgte vor allem bei der 90. Verleihung der Oscars, wo der Film in der Kategorie „Bester Animationsfilm“ nominiert war und sich letztlich nur der (übermächtigen) Konkurrenz seitens Pixars „Coco – Lebendiger als das Leben!“ geschlagen geben musste.

Die Blu-ray kommt außerdem mit umfangreichem Bonusmaterial daher, in dem „Die Entstehung von Loving Vincent“, „Making of“, „Interviews“ und „Der Produktionsprozess“ enthalten sind.

Wer Lust auf einen unvergleichlichen und eigenständigen Animationsfilm hat, ist hier zweifellos an der richtigen Adresse!

Trailer

Inhalt

Ein Jahr nach dem Tod Vincent van Goghs taucht plötzlich ein Brief des Künstlers an dessen Bruder Theo auf. Der junge Armand Roulin soll den Brief aushändigen, doch er kann den Bruder nicht ausfindig machen. Er reist in den verschlafenen Ort Auvers-sur-Oise, wo der berühmte Maler die letzten Wochen seines Lebens verbracht hat. Auf der Suche nach dem Empfänger stößt Armand auf ein Netz aus Ungereimtheiten und Lügen. Fest entschlossen will er die Wahrheit über den Tod des Malers herausfinden …

(Quelle: Weltkino Filmverleih)

Details

Untertitel: Deutsch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 4:3 – 1.33:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 6 Jahren
Studio: Weltkino Filmverleih GmbH (Vertrieb: Universum Film)
Erscheinungstermin: 25.05.2018
Produktionsjahr: 2017
Spieldauer: 95 Minuten
Extras: Making Of / Interviews / Trailer / Wendecover / Hinter den Kulissen / Die Entstehung und der Produktionsprozess von „Loving Vincent“

Copyright Cover: Weltkino Filmverleih GmbH



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Oh, du glaubst, Dunkelheit ist deine Verbündete? Für dich ist Finsternis eine Waffe. Ich wurde in ihr geboren. Von ihr geformt. Ich habe das Licht erst erblickt, als ich bereits ein Mann war. Damals hat es mich nur geblendet!" (BANE, The Dark Knight Rises)