Review

In dem US-amerikanischen Filmdrama „Lion – Der lange Weg nach Hause“ inszeniert der australische Werbefilmer Garth Davis in seinem Spielfilmdebüt die Heimatsuche von Saroo Brierley, die auf einer wahren Begebenheit beruht und die besagter Brierley in seinem 2014 veröffentlichten Roman „A Long Way Home“ niedergeschrieben hat.

Die Lebensgeschichte von Saroo Brierley (als kleiner Junge gespielt von Sunny Pawar) beginnt in einem kleinen Dorf in Indien, wo er mit seiner Mutter, seinem älteren Bruder und seiner kleineren Schwester in ärmlichen Verhältnissen lebt. Eines Tages darf der fünfjährige Saroo seinen großen Bruder Guddu zur Arbeit begleiten und soll am Ende des Tages eigentlich am Bahnhof auf diesen warten. Als Guddu jedoch nicht auftaucht, begibt sich der erschöpfte kleine Mann in einen Zug, um sich auszuruhen. Hiermit beginnt für Saroo eine Odyssee, denn nachdem er in dem Zug eingeschlafen ist, wacht er erst über 1600 Kilometer später in der weit entfernten Metropole Kalkutta wieder auf. Der Knirps kann sich dort nicht verständigen und zu allem Überfluss weiß er weder seinen Nachnamen, noch hat er die geringste Ahnung, wie sein Heimatdorf heißt. Nachdem er eine geraume Zeit durch die Fremde irrt und auch die Behörden ihm nicht weiterhelfen können, wird Saroo in ein Waisenhaus verfrachtet. Die Situation des kleinen Kerlchens soll sich jedoch mit einem Mal ändern, als das wohlhabende australische Ehepaar Sue (Nicole Kidman) und John Brierley (David Wenham) ihn adoptiert und ihm in Tasmanien ein neues, glückliches Zuhause schenkt. Saroo (nunmehr gespielt von Dev Patel) studiert später in Melbourne und wohnt mit seiner Freundin Lucy (Rooney Mara) zusammen. Mit einem Schlag packt ihn jedoch das Heimweh und mit Hilfe von Google Earth sucht er Indien nach dem Bahnhof ab, an dem er damals seinen Bruder verloren hat. Für Saroo soll eine mühselige Suche beginnen.

Für sein Erstlingswerk konnte Regisseur Garth Davis einen äußerst talentierten Cast zusammentrommeln. Nicole Kidman („Batman Forever“, „Eyes Wide Shut“) und David Wenham („Der Herr der Ringe: Die zwei Türme“, „300“) übernehmen die Rollen von Saroo Brierleys australischen Adoptiveltern Sue und John Brierley. Dabei spielt Wenham überzeugend den liebevollen Vater und wird hier dennoch von einer Kidman in Bestform überstrahlt, die die Mutter glaubhaft und mit großem Einfühlungsvermögen gibt.
Rooney Maras („Song to Song“, „Verblendung“) Performance ist womöglich nicht ebenso dominant wie die der Kidman, doch auch sie weiß als Saroos v
erständnis- und liebevolle Freundin in jeder Hinsicht zu überzeugen. Ferner sind viele der anderen Nebenrollen mit erfahrenen indischen Schauspielern besetzt.

Nicht zuletzt lebt der Film aber natürlich auch von den starken schauspielerischen Leistungen der Saroo-Darsteller: Dev Patel („Slumdog Millionär“) verleiht der Suche nach der Herkunft seiner Figur eine angemessene Intensität und auch Kinderdarsteller Sunny Pawar kann über die erste Stunde des Filmes hinweg die Herzen der Zuschauer erobern. Wer zart besaitet ist, sorgt dafür, dass er ein Taschentuch zur Hand hat.

Saroo (jung, Sunny Pawar) trifft seine Adoptiveltern Sue (Nicole Kidman) und John (David Wenham) | Copyright: Universum Film

Applaus verdient ohne Zweifel auch Regisseur Garth Davis selbst, dem es mit seinem Debüt gelingt, einen dramatischen Stoff zu verfilmen, ohne dabei auf die Tränendrüse zu drücken. Er vermeidet Kitsch und inszeniert Saroos Irrfahrt mit berührenden, echten Gefühlen wie Hoffnungslosigkeit, Enttäuschung und der Sehnsucht nach der Heimat bzw. den eigenen Wurzeln. Lediglich an wenigen Stellen hätte der Film noch etwas gestrafft werden können. Gebührend erscheint es daher, dass „Lion – Der lange Weg nach Hause“ bei der diesjährigen Oscarverleihung in sechs Kategorien eine Nominierung erhielt, darunter auch in der prestigeträchtigen als „Bester Film“ (wie auch der zuletzt besprochene „Hacksaw Ridge – Die Entscheidung“).

Wer Lion“ auf der großen Leinwand verpasst hat, dem bietet sich ab dem 14. Juli 2017 die Gelegenheit für einen äußerst gelungenen HeimkinoAbend. Es sei noch der Hinweis erlaubt, dass es sich hier auch lohnt, beim Abspann noch sitzen zu bleiben.

Trailer

Inhalt

Ein Tag wie jeder andere im Leben des fünfjährigen Saroo: Auf dem Bahnhof der indischen Kleinstadt, in der sein Bruder ihn für einige Stunden zurückgelassen hat, sucht er nach Münzen und Essensresten. Vor Erschöpfung schläft er schließlich in einem haltenden Zug ein und findet sich nach einer traumatischen Zugfahrt am anderen Ende des Kontinents in Kalkutta wieder. Auf sich allein gestellt irrt er wochenlang durch die gefährlichen Straßen der Stadt, bis er in einem Waisenhaus landet, wo er von Sue (Nicole Kidman) und John Brierley (David Wenham) adoptiert wird, die ihm ein liebevolles Zuhause in Australien schenken. Viele Jahre später lebt Saroo in Melbourne, ist beruflich erfolgreich und wohnt mit seiner Freundin Lucy (Rooney Mara) zusammen. Er könnte rundum glücklich sein, doch die Frage nach seiner Herkunft lässt ihn nicht los. Nacht für Nacht fährt er mit Google Earth auf seinem Laptop das Zugnetz Indiens ab, zoomt auf hunderte von Bahnhöfen und sucht nach Hinweisen auf seinen früheren Wohnort und seine leibliche Familie. Er hat die Hoffnung schon fast aufgegeben, als das Unglaubliche passiert und er im Internet auf ein Dorf stößt, das seiner Erinnerung entspricht …

(Quelle: Universum Film)

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Details

Format: Widescreen
Sprache: Deutsch (DTS-HD 5.1), Englisch (DTS-HD 5.1), Hindi (DTS-HD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 2.40:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Universum Film GmbH
Erscheinungstermin: 14.07.2017
Produktionsjahr: 2016
Spieldauer: 119 Minuten

Copyright Cover: Universum Film



Über den Autor

Fabian
Fabian

Warum denn so ernst?