Review

Leben und Sterben in L.A.

Der mit dem Oscar prämierte „French Connection – Brennpunkt Brooklyn“/“Der Exorzist“/“Die 12 Geschworenen“-Regisseur William Friedkin legte mit „Leben und Sterben in L.A.“ im Jahr 1985 einen ungewöhnlich düsteren und modernen Cop-Film vor, in dem die Grenze zwischen Gut und Böse verwässert.

Den Actionthriller beschert capelight pictures nun allen begeisterten Cineasten – wie gewohnt – in einer prächtigen 2-Disc Limited Collector’s Edition im Mediabook inklusive einem informativen Booklet.

Inhalt

Die Secret-Service-Agenten, der junge Draufgänger Richard Chance (William L. Petersen) und der abgeklärte alte Hase Jimmy Hart (Michael Greene), sind trotz eines erheblichen Altersunterschieds nicht nur Partner, sondern Freunde. Eines Tages ermittelt Jim jedoch auf eigene Faust und verfolgt den skrupellosen Geldfälscher Rick Masters (Willem Dafoe). Jim soll keine Gelegenheit mehr haben, seinen wohlverdienten Ruhestand zu genießen, denn er wird während der Untersuchung kaltblütig erschossen und anschließend rücksichtslos im Müll verscharrt.

Über diesen Anblick verliert Heißsporn Chance jegliche Beherrschung und schwört sich, seinen langjährigen Freund und Partner zu rächen. Er will den niederträchtigen Geldfälscher Masters – zur Not mit allen Mitteln – der Gerechtigkeit zuführen. Sein neuer Partner wird der zurückhaltende und weinerliche John Vukovich (John Pankow), den Chance jederzeit spüren lässt, dass dieser für ihn weder ein neuer Partner, noch ein richtiger Mann ist.

Beide Agenten rutschen mehr und mehr in korrupte Methoden ab und schon bald klebt auch an ihren Händen reichlich Blut …

Der erste Eindruck täuscht

Zu Beginn wirkt „Leben und Sterben in L.A.“ wie der ganz typische 80er-Jahre-Film.
Der nur allzu bekannte typische 80er Synthesizer-Sound dröhnt durch jede Szene und auch die Handlung scheint zunächst nach bekanntem Muster abzulaufen. Außerdem sehen wir zwei komplett unterschiedliche Cops, die nicht nur Partner, sondern auch noch beste Freunde sind. Alles schreit hier nach einem Buddy-Movie à la Lethal Weapon“ oder auch Bad Boys“.

Doch der erste Eindruck täuscht und zügig merkt der Zuschauer, dass er mitnichten einen witzigen, kurzweiligen Film über die Geschichte von zwei ungleichen Polizisten anschaut.

Die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen

Mit dem Tod des älteren, besonnenen Cop Jimmy Hart, verliert der Film auch alle Stilelemente, die auf einen typischen Buddy-Film hindeuten. Es verbleiben nur der – absichtlich unsympathisch geschriebene – junge, draufgängerische Cop Richard Chance und sein späterer ungleicher, zögerlicher Partner. Zwischen diesen beiden herrscht keinerlei Harmonie, es gibt keine Chemie und es setzt auch keine coolen Sprüche mehr.

Dadurch fehlt es dann auch an einem typischen strahlenden Helden. William Friedkin beraubt sein Publikum um eine klare Sympathiefigur und lässt dadurch nach und nach gekonnt die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen. Dadurch fällt es auch zunehmend schwerer, für eine Seite in dieser Geschichte Partei zu ergreifen. Genrepionier Friedkin erschafft damit quasi einen Gegenentwurf zum schlichten, rein unterhaltsamen Action-Kino und legt den Fokus auf die Hoffnungslosigkeit und Brutalität der amerikanischen Großstadt.

Charakterdarsteller in the making

Die Cops Vukovich und Chance in „Leben und Sterben in L.A.“ (Copyright: capelight pictures)

Filmliebhaber dürfen sich außerdem über das Schauspiel zweier Charakterdarsteller am Anfang ihrer großen Karrieren erfreuen: Willem Dafoe („What Happened To Monday?“, „Dog Eat Dog“) glänzt schon hier als exzentrischer, psychopathischer und aalglatter Gangster und skrupelloser Geldfälscher und auch der junge John Turturro („O Brother, Where Art Thou? – Eine Mississippi-Odyssee“) ist schon in einer größeren Nebenrolle zu sehen, wenngleich diese nicht ganz so verrückt ist, wie sonst oft üblich.

Fazit

William Friedkins „Leben und Sterben in L.A.“ ist ein zuweilen virtuos und furios inszenierter Actionthriller, der vor allem mit einer waghalsigen Verfolgungsjagd aufwarten kann. Der Anti-Buddy-Film verwehrt dem Publikum einen strahlenden Helden und zeigt, wie schmal der Grat zwischen Recht und Unrecht sein kann. Dabei bietet der Film – gerade für seine Zeit – einige harte Gewaltspitzen.

Trailer

Inhalt

Secret-Service-Agent Jim Hart hat keine Gelegenheit mehr, seinen wohlverdienten Ruhestand zu genießen: Zwei Tage vor seiner Pensionierung wird er kaltblütig erschossen. Als sein langjähriger Freund und Partner Richard Chance (William L. Petersen) ihn tot in einem Müllbehälter auffindet, schwört er Rache. Wie besessen macht er sich auf die Jagd nach dem niederträchtigen Geldfälscher Eric Masters (Willem Dafoe), den er für den Mord an seinem Kollegen verantwortlich macht. Sein erbitterter Feldzug führt Chance schnell an die Grenzen der Legalität – und so greifen er und sein neuer Partner John Vukovich (John Pankow) mehr und mehr zu den blutigen und korrupten Methoden, die sie eigentlich tagtäglich bekämpfen.

(Quelle: capelight pictures)

Bonusmaterial

2-Disc Limited Collector’s Edition im Mediabook mit Blu-ray und DVD sowie 24-seitigem Booklet // Bonus: Audiokommentar von William Friedkin; „Taking a Chance“: Interview mit William L. Petersen; „Doctor for a Day“: Interview mit Dwier Brown; „Wrong Way“: Interview mit Stunt-Koordinator Buddy Joe Hooker; „Counterfeit World“: Making-of (inkl. Interviews mit William Friedkin; William L. Petersen und Willem Dafoe); „Renaissance Woman in L.A.“: Interview mit Debra Feuer; „So in Phase“: Interview mit der Band Wang Chung (Jack Hues und Nick Feldman); Alternatives Ende; Entfallene Szene; Originalkinotrailer; Deutscher Kinotrailer

Details

Format: Letterboxed
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Deutsch (DTS 2.0), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.85:1
Anzahl Disks: 2
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: capelight pictures
Erscheinungstermin: 23.11.2018
Produktionsjahr: 1985
Spieldauer: 116 Minuten

Copyright Cover: capelight pictures



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)