Review

Kommissar Beck is back – oder doch nicht so richtig.

Bahnte sich bereits in „Kommissar Beck – Staffel 5, Episoden 5-8“ mit dem Ausstieg von Mikael Persbrandt (in seiner Rolle als Gunvald Larsson) ein Personalwechsel an, rückt nun auch der titelgebende Ermittler (besetzt durch Peter Haber) in der aktuellen Veröffentlichung „Kommissar Beck – Staffel 6, Episoden 1-4“ zunehmend in den Hintergrund. Denn obwohl es den eigentlich pensionierten Leiter der Ermittlungsgruppe der Stockholmer Kriminalpolizei getreu dem Motto „einmal Polizist, immer Polizist“ schon bald wieder in den Dienst zurückzieht, bleibt seine Bildschirmzeit weitaus begrenzter als beispielsweise von seinem neuen Kollegen Steinar Hovland (gespielt von Kristofer Hivju). Damit behält die schwedisch-deutsche Koproduktion das Gesicht und den Titelhelden der Serie zwar bei, räumt gleichzeitig allerdings ehemaligen Nebenrollen mehr Platz ein.

Jene sehen sich hier vier neuen Fällen gegenüber, die, verteilt auf zwei DVDs und in Spielfilmlänge pro Episode, abermals abwechslungsreich – und thematisch teils unter Bezugnahme auf aktuelles Zeitgeschehen (wie u.a. terroristische Anschläge, Episode 1 „Dein eigen Blut“) – inszeniert werden.
Zu verdanken ist dies erstrangig dem Autorenpaar Maj Sjöwall und Per Wahlöö, auf deren Romanreihe „Kommissar Beck“ motivisch basiert. Davon abgesehen sorgen jedoch sowohl die passende Besetzung als auch die stimmungsvolle, oftmals düstere und stark skandinavisch geprägte filmische Umsetzung der Serie für wiederholte spannende Krimiunterhaltung.
Somit festigt auch „Kommissar Beck – Staffel 6, Episoden 1-4“ den bisherigen Status und Erfolg der Produktion inmitten einer starken Konkurrenz.

Wie auch immer der Fan der Serie den Neuzugang Kristofer Hivju als Ersatz für Mikael Persbrandt bewerten möchte, feststeht, dass mit ihm als Schauspieler und mit seiner Rolle „Kommissar Beck“ durchaus an Charme und Reiz gewinnt. Hivju, der bereits auf einige Erfolge in seiner Filmografie zurückblicken kann, darunter u.a. die Auszeichnung als „bester Nebendarsteller“ in dem Drama „Höhere Gewalt“, erlangte hierzulande größere Bekanntheit durch die Rolle des Tormund Riesentod in „Game of Thrones“. Die Optik dieser Figur nahezu unverändert beibehaltend, mimt er auch den Ermittler zur Zufriedenheit der Zuschauer. Mit ein paar Ecken und Kanten, die dem verschrobenen Äußeren des Charakters gut entsprechen, hebt sich die Figur – nicht nur durch die neue Funktion als kommissarischer Leiter von Becks früherer Einheit – von seinem restlichen Team ab. Ein Hingucker auf ganzer Linie.
Im direkten Vergleich hat es daher der weitere Neuzugang Alexandra Beijer (Jennie Silfverhjelm) schwer, sich ebenso beim Zuschauer beliebt zu machen.

Steinar Hovland (Kristofer Hivju) und Martin Beck (Peter Haber) in „Kommissar Beck – Staffel 6, Episoden 1-4“ | Copyright: Edel:Motion / Baldur Bodhi Bragason

Etwas schade ist – neben den zuletzt vermehrt wechselnden Schauspielern – außerdem, dass beispielsweise in der vierten Episode („Teufels Anwalt“) auf bewährte Zutaten gesetzt wird, um zusätzliche Brisanz in einen Mordfall zu bringen. Auf die familiäre Verbindung zwischen Hauptverdächtigen und dem Bruder der leitenden Ermittlerin hätte somit verzichtet werden können. Dies hat man so oder in ähnlicher Form bereits zu häufig anderswo gesehen.

Dennoch verfolgt der Krimi-Fan nur zu gerne die Folgen der sechsten Staffel, deren Fälle sich komplex gestalten und das Hobbyermitteln dadurch und aufgrund einiger überraschender Wendungen erschweren.
Da zudem das Tempo der Handlungen stets angemessen bleibt, entstehen weder Längen noch Langatmigkeiten.

Auf Längen verzichtet man allerdings auch in Bezug auf das Bonusmaterial, denn unter diesem Menüpunkt hält die DVD-Veröffentlichung ausschließlich die gewohnten Heimkino-Highlights als Werbung in eigener Sache parat.
Beck-Fans wird dies nicht besonders stören und so darf hier der geneigte Krimi-Liebhaber durchaus zugreifen.

Trailer

Episoden

DVD 01:
Episode 1 – Dein eigen Blut
Episode 2 – Auf dünnem Eis

DVD 02:
Episode 03 – Die ausgestreckte Hand
Episode 04 – Teufels Anwalt

Details

Format: Dolby, PAL
Sprache: Schwedisch (Dolby Digital 2.0), Deutsch (Dolby Digital 2.0)
Region: Alle Regionen
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 2
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Edel Germany GmbH
Erscheinungstermin: 25.05.2018
Produktionsjahr: 2017
Spieldauer: 360 Minuten
Extras: Heimkino-Highlights

Copyright Cover: Edel:Motion



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde