Review

„Kadaverficker – The Movie“ – dieser Film stellt wohl einen Meilenstein in der Bandgeschichte der Kadaverficker dar.
Hier kommt alles zusammen: Ekel, laute Musik, Bier und jede Menge bizarrer Humor. Eine detaillierte Einleitung zum Ursprung der Band kann man sich an dieser Stelle wohl sparen, da alles Relevante auf dieser DVD abgehandelt wird. Das und jede Menge Stoff zum Kopfschütteln.

Tatsächlich gestaltet sich der erste Teil der DVD sogar recht interessant. Das wäre wohl das Letzte gewesen, was man hier erwartet hätte, erinnert man sich an die durchgeknallte Mentalität der Jungs.
Die ersten Schritte der Band werden sehr nüchtern abgehandelt und man bekommt ein Gefühl für die Ideen dieser jungen Menschen. Wenn auch zu Beginn sehr klischeehaft und undergroundig unterwegs, zeugen die ersten Minuten von Individuen, die einfach Bock haben, Musik zu machen. Dies kommt alles sehr seriös rüber, obwohl „seriös“ im Sinne von Kadaverficker wohl ein sehr dehnbarer Begriff ist.

Allerdings können die Jungs es natürlich nicht lassen, ihren eigenen Actionfilm zu fahren, inklusive abgrundtief schlechter Spezialeffekte und eines sinnlosen Plots.

Es gibt viele Begriffe, die den Humor auf dieser DVD passend beschreiben, u.a. stumpf, peinlich, unangebracht und unnötig obszön. Aber im Grunde ist es die Art Humor, bei der man denkt: Warum in Gottes Namen habe ich da jetzt wieder drüber gelacht? Wahrscheinlich, weil Gott nicht allzu viel mit dem Ganzen zu tun hat.

Und an dieser Stelle direkt etwas Nörgelei. Der erste Teil war wirklich sehr gut. Man hat das Gefühl, der Band ein wenig näher gekommen zu sein und versteht auch allgemein den Hintergrund ihrer Musik inklusive der Erkenntnis, dass Kadaverficker wirklich ziemlich abartig und hemmungslos abseits des Proberaums und der Bühne agieren. Ein paar nette Ausschweifungen werden diesbezüglich ebenfalls glorifiziert – leider auch durch Bildmaterial.
Der zweite Teil der DVD geht hingegen mehr in Richtung Unterhaltung. Wirklich ein starker Umbruch, da es ab einem bestimmten Zeitpunkt oft nur noch albern wird. Fans werden dies wohl bevorzugen und durchgehend mit den Jungs auf einer Wellenlänge liegen. Unter diesem Aspekt erscheint es dann doch ganz unterhaltsam, dass sie hier ihre eigenen Ideen eingebracht haben. Immerhin gibt es Interviews, Livematerial (unter anderem vom Obscene Extreme Festival, was sowieso immer ein Highlight ist, egal in welcher Form) und natürlich auch den obligatorischen Dünnpfiff, den die Band von sich gibt.

So manche kreative Eingebungen finden aber nicht ganz ihren Auftritt in den verschiedenen Passagen. Dass der Goreminister beispielsweise mit Terminator-Vision einen Rundgang durch den Proberaum macht, ist eine wirkliche störende Umsetzung. Anders hingegen sind die Szenen, in denen sich die einzelnen Bandmitglieder zum ersten Mal treffen und direkt eine Band gründen wollen. Das ist so unverschämt stumpf, dass es schon wieder witzig ist.

Kadaverficker (Copyright: Metalshots)

Die Kadaverficker können nichtsdestotrotz beeindrucken – und das sogar mit prominenter Unterstützung, die ihren kleinen, aber passenden Teil zu dieser Dokumentation beiträgt. Da wäre auf der einen Seite Uwe Boll, seines Zeichens Produzent diverser trashiger Filme, und auf der anderen Seite Lloyd Kaufmann, Produzent von Klassikern wie „The Toxic Avenger“ oder „The Final Countdown“. Wow!

Vier Sterne mögen für den einen oder anderen Fan vielleicht zu wenig sein, aber es ist schwer, „Kadaverficker – The Movie“ an seiner Qualität zu bemessen. Es ist vielmehr ein Werk, das dem Fan das gesamte Spektrum an Kadaverficker gibt, so wie es auch sein sollte. Statt die Zuschauer nur mit ein paar Minuten herkömmlichen Bonusmaterials abzuspeisen, gibt es obendrauf noch private Aufnahmen, Musikvideos und Live-Auftritte.
Wenn ihr also alle möglichen Trash- und Gore-Filme in eurem Regal stehen habt und einen abstrusen Musikgeschmack besitzt, dann stellt euch „Kadaverficker – The Movie“ am besten dazwischen.

Trailer

Handlung

Sie waren die Boten des Endes der Musik und sie läuteten die Glocke des letzten menschlichen Anstandes. Sie sind eine echte Gefahr für euer Gespür, die Ästethik zu bewerten. Sie sind Kadaverficker!

Seht die Anfänge der Band, das, was zum Abstieg der Musik der 90er führte. Bisher unveröffentlichte Interviews mit den Bandmitgliedern, Fans und anderen Krawallmachern und erlebt die Brutalität und Rohheit der Kadaverficker auf den Bühnen Europas live in der ersten Nekrokore Action Dokumentation.

(Quelle: Black Lava Entertainment)

Details

Format: Dolby
Sprache: Deutsch
Untertitel: Englisch
Bildseitenformat: 1,78:1
Ton: DD 2.0 Deutsch
Anzahl Disks: 1
FSK: Kein Angabe
Label: Black Lava EntertainmentSplatter Zombie Record
Erscheinungstermin: 24.06.2016
Produktionsjahr: 2016
Spieldauer: ca. 70 Minuten
Extras: Outakes, Night of the living Ralle, Live Show, Music Videos uvm.
Limitierungen: 500 Stück

Copyright Cover: Black Lava Entertainment



Über den Autor

Christopher