Review

Vor etwa sieben Jahren endete die erfolgreiche „Saw“-Reihe (vorläufig) mit „Saw 3D – Vollendung“ beziehungsweise „Saw VII“. Findige Cineasten dürften jedoch schon damals vermutet haben, dass das endgültige Ende des „Saw“-Franchises damit noch nicht besiegelt war. Denn bei relativ geringen Produktionskosten von im Schnitt gerade mal 9 Millionen US-Dollar pro Film spielten die Horror-Thriller mit knapp 870.000.000 Millionen US-Dollar ein gigantisches Vielfaches ihrer Kosten wieder ein – eine wahre Goldgrube.

Nach James Wan („Saw“), Darren Lynn Bousman („Saw II“, „Saw III“ sowie „Saw IV“), David Hackl („Saw V“) und Kevin Greutert („Saw VI“ und „Saw 3D – Vollendung“) wechselt hier bereits zum fünften Mal die Besetzung auf dem Regiestuhl. Gedreht wurde diesmal unter der Regie von Michael und Peter Spierig („Daybreakers“, „Predestination“) nach einem Drehbuch von Josh Stolberg („Piranha 3D“) und Pete Goldfinger („Piranha 3D“).

Um bereits mit dem Titel zu verdeutlichen, dass hier nicht nur eine neue Storyline, sondern auch eine neue Ära des Franchises beginnen soll, hört ihr Werk nicht auf den Titel „Saw VIII“, sondern vielmehr auf Jigsaw“ (oder auch „Saw Legacy“) – benannt nach dem berühmten Antagonisten der Serie, dem „Puzzlemörder“ Jigsaw John Kramer (Tobin Bell).

Inhaltlich schließt der neue Teil der Reihe nicht direkt an „Saw 3D – Vollendung“ an, sondern wählt einen frischen Startpunkt. John Kramer alias Jigsaw ist hier seit über einem Jahrzehnt tot – glaubt die Öffentlichkeit jedenfalls. Als jedoch ein Krimineller nach einer Verfolgungsjagd mit der Polizei auf einem Dach explizit nach Detective Halloran (Callum Keith Rennie) verlangt und mitteilt, dass ein neues Spiel gerade startet, kommen Zweifel auf. Und diese Zweifel werden nicht weniger: In der Stadt tauchen grausam entstellte Leichen auf und bei allen Opfern ist ein Puzzle-Stück aus der Haut geschnitten worden – das Markenzeichen des berüchtigten Jigsaw. Die Ermittler können bald nicht mehr ausschließen, dass John Kramer womöglich seinem Grab entstiegen ist. Möglicherweise steckt jedoch auch einer seiner früheren Komplizen oder Handlanger dahinter: Etwa sein frühes Opfer Amanda Young (Shawnee Smith), Ehefrau Jill Tuck (Betsy Russell), Cop Mark Hoffman (Costas Mandylor) oder doch Dr. Lawrence Gordon (Cary Elwes)? Womöglich steckt jedoch auch ein ganz anderer Täter dahinter – gar ein Nachahmungstäter? Verdächtig ist nämlich auch die neue Assistentin Eleanor Bonneville (Hannah Emily Anderson) des Gerichtsmediziners Logan Nelson (Matt Passmore), die zu jenen Personen gehört, die John Kramer nach seinem (vermeintlichen?) Tod verehren und sich im Darknet über ihn austauschen. Während die Ermittlungen noch laufen, haben die Spiele aber schon wieder begonnen und eine Gruppe unterschiedlicher Menschen sieht sich mit den typischen tödlichen Fallen konfrontiert …

Selbst Fans der Reihe werden einräumen, dass einzig der erste „Saw“ aus dem Jahr 2004 von Horror-Regisseur-Experte James Wan („Dead Silence“, „Death Sentence – Todesurteil“, Insidious 1 & 2″, „Conjuring 1 & 2“) ein richtiges Highlight war. Schließlich erinnerte dieser – zumindest in Zügen – an den Klassiker „Sieben (Se7en)“ des Regisseurs David Fincher, verfügte über eine äußerst schmutzige und düstere Bildsprache und erfand die explizite Gewaltdarstellung im (Mainstream-)Horror neu – zumindest bis zum Erscheinen des noch expliziteren Torture Porn-Films „Hostel“ des Regisseurs Eli Roth aus dem Jahr 2005.

Während „Saw II“ durchaus noch als sehenswert, überraschend und spannend bezeichnet werden kann, war „Saw III“ schon deutlich schwächer, bis die Filme schließlich immer nur noch dieselbe Formel bedienten: Manchmal abstruse, manchmal durchaus kreative Jigsaw-Fallen, eingeführt durch Anweisungen in Form eines Tonbandes oder eines Videos und noch dazu – immer hanebüchenere – Twists bezüglich neuer oder alter Bekannter, die sich als Mittäter und Komplizen entpuppen. Kann man mögen, muss man sicherlich nicht.

Die beiden Spierig-Brüder versuchen hier mal wieder neue Wege zu beschreiten, wobei sie betonen, dass sie die Reihe vor allem aus der Torture Porn-Ecke herausbekommen und sich dem ursprünglichen Teil wieder annähern wollen. Es soll wieder in Richtung Horror-Thriller gehen. Dabei möchte man zwar durchaus das Wesen von „Saw“ aufrechterhalten und auch einige der Figuren noch übernehmen. Indes ist ihr Film gleichzeitig für ein neues, frisches Publikum konzipiert, das die Filme womöglich nicht in allen ihren Facetten kennt. Das ist freilich ein schmaler Grat, da die Beliebtheit von „Saw“ sicherlich auch auf einer relativ großen und treuen Anhängerschaft beruht.

Rein optisch wählen die Spierigs eine andere Farbpalette für ihren Film und das Bild ist durchgehend klar und scharf. Das weiß leider nicht so recht zu überzeugen, da gerade das dreckige, immer irgendwie leicht kühle, grünstichige Bild ein Stilmittel war, das gut zu der Filmreihe passte.

In „Jigsaw“ sieht sich wieder eine Gruppe unterschiedlicher Menschen mit den typischen tödlichen Fallen konfrontiert. (Copyright: Studiocanal)

Dass die Regisseure wieder etwas mehr auf ein cleveres Skript setzen wollen und weniger auf Splatter-Elemente ist grundsätzlich begrüßenswert. Leider ist der Twist, den sie hier zu bieten haben nicht viel besser und durchtriebener, als die jeweiligen Ideen aus „Saw IV“ und Konsorten. Das wirkt sich hier nur leider doppelt negativ aus, da der Film weder das Splatter-Publikum vollends abholen kann, noch in Sachen Spannung besonders abliefert. Die Folterspiele und Fallen sind weniger „kreativ“ und originell als gewohnt und die schlecht gezeichneten, unsympathischen Figuren tun ihr Übriges dafür, dass der Nervenkitzel ausbleibt. Empathie kann zu diesen holzschnittartigen Akteuren jedenfalls kaum entstehen.

Das hehre Ziel der Macher, intelligenten Horror zu bieten und inhaltlich an den ersten Teil anzuknüpfen, kann man daher wohl als Fehlschlag bezeichnen. Denn wirklichen Tiefgang für das über Jahre gewachsene Universum liefern sie nicht und auch ungesehene Überraschungseffekte bleiben aus. Als Fan hofft man immer, dass die Produzenten ein solches Projekt nur wieder ausgraben, wenn sie eine besonders gute Idee haben. Das ist leider nicht die Realität.

Doch Jigsaw ist nicht tot zu kriegen. Der achte Aufguss des Erfolgsfranchises ist zwar in jeder Hinsicht entbehrlich, aber die nächste Fortsetzung wartet schon.

Trailer

Inhalt

Er will doch nur spielen … John Kramer alias Jigsaw ist doch seit über einem Jahrzehnt tot – oder etwa nicht? Im achten Film des erfolgreichsten Horror-Franchises aller Zeiten wird der Spielstand auf null gesetzt, wenn es wieder heißt: Ich möchte ein Spiel spielen …

Die Stadt ist übersät von grausam entstellten Leichen. Die Ermittlungen führen schnell zu einem alten Bekannten: John Kramer. Doch der Mann, der auch Jigsaw genannt wird, soll seit mehr als einem Jahrzehnt tot sein. Aber wer steckt dann hinter den Morden? Ist einer seiner Schüler zum Lehrer geworden und führt Jigsaws Erbe fort? Steckt womöglich einer der Ermittler hinter den Morden? Die Spiele haben begonnen …

(Quelle: Studiocanal)

Details

Format: Widescreen
Untertitel: Deutsch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 2.40:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 18 Jahren
Studio: Studiocanal
Erscheinungstermin: 08.03.2018
Produktionsjahr: 2017
Spieldauer: 92 Minuten
Extras: Audiokommentar mit den Produzenten, Jigsaws Vermächtnis, The Choice is yours: Die Requisiten bei Jigsaw, Trailer, Wendecover

Copyright Cover: Studiocanal



Über den Autor

Fabian
Fabian
Warum denn so ernst?