Review

„jerks. erzählt das wahre Leben von Christian Ulmen und Fahri Yardim.“

Mit diesem Anspruch wartet auch die zweite Staffel der erstmals 2017 ausgestrahlten deutschen Kultserie auf. Dass man diesen Leitspruch aber nicht allzu ernst nehmen sollte, hat bereits die erfolgreiche erste Staffel bewiesen.
Auch in „jerks. – Staffel 2“ begleiten wir somit die beiden Schauspieler-Freunde wieder in zehn Episoden bei der Bewältigung normaler und/oder nicht alltäglicher Alltagssituationen, die überzogen, manchmal auch schon satirisch dargestellt werden.

Das Konzept der Serie

Das Konzept der Serie wurde in Staffel 2 uneingeschränkt beibehalten.

Christian Ulmen und Fahri Yardim spielen sich in dieser vorgegebenen Reality-Comedy quasi selbst. Oder besser, spielen sich so, wie der Zuschauer meint, dass sich der Alltag der beiden abspielt.
Das Konzept ist nicht ganz neu, ist den Hauptdarstellern allerdings wie auf den Leib geschrieben. Dadurch wirkt ihr Auftritt ausgesprochen authentisch.

Ulmen und Yardim

Vor allem Ulmen scheint für den Seriencharakter Christian Ulmen prädestiniert zu sein. Die Rolle des liebenswerten, leichtgläubigen und im Alltag schnell überforderten „Schrats“ durfte er bereits in diversen Kino- und TV-Produktionen verkörpern. Niemals allerdings in dieser Konsequenz wie in der Serie „jerks.“. Dazu musste er bisher den jeweiligen Charakter immer der Dramaturgie unterordnen, was stets in einem filmischen Happy-End mündete. Auf all diese szenarischen Zwänge kann Ulmen – der bei allen Folgen auch wieder Regie führt – bei der Figur des Christian Ulmen in „jerks.“ komplett verzichten und sie dadurch freier, frecher und grenzwertiger agieren lassen. Am Ende muss der Seriencharakter daher meist die Situation und die Peinlichkeit – durchaus realistisch – aushalten. Das Identifikationspotenzial des Zuschauers mit dem Christian Ulmen in der Serie ist dadurch aber umso größer.

Fahri Yardim hingegen spielt den erfolgreichen Schauspieler, den besten Freund Ulmens, der sich in Konfliktsituationen oftmals nicht loyal und auf seinen eigenen Vorteil bedacht verhält. Dabei nimmt er es auch in Kauf, seinen Freund mit der Demütigung allein zu lassen.

Scham und Moral liegen eng beieinander

Natürlich bergen auch die Beziehungen und Affären der beiden wieder ausreichend Stoff für berühmt-berüchtigte Mann-Frau-Gespräche und -Missverständnisse.
An Ekelmomenten wird zudem in „jerks. – Staffel 2“ nicht gespart und die Schamgrenze des Zuschauers wird erwartungsgemäß ebenfalls mehr als einmal getestet.

Eine moralische Komponente ist all diesen Szenen und Momenten stets beigegeben. Und auch die Frage, wie unsereins in einer ähnlichen Situation reagiert, und was überhaupt eine angemessene Reaktion wäre, wird wiederholt thematisiert. Denn die Figuren Ulmen und Yardim sprechen oftmals nur das aus, was viele denken und nicht zu sagen wagen.

Gaststars

Auch bekannte Gaststars haben wieder ihren Cameoauftritt. Diesmal sind es u.a. Andreas Bourani, Fußballer Arne Friedrich, Palina und Vivienne Rojinski, Veronica Ferres und Wayne Carpendale. Mit dem Kokettieren ihres eigenen, von den sozialen Medien erzeugten Images werden sie in ihren Rollen zu Sympathieträgern in der Serie.

Kein 08/15-TV-Comedy-Format

Christian Ulmen und Fahri Yardim in „jerks. – Staffel 2“ (Copyright: Universum Film GmbH)

„jerks. – Staffel 2“ hebt sich wohltuend von den 08/15-TV-Comedy-Serien ab. Dabei ist die Serie noch nicht einmal übermäßig anspruchsvoll, sondern erreicht ihre Zuschauer durch einen oftmals derben und unmittelbaren Humor. Scham- und Ekelgrenzen werden ausgelotet oder auch überschritten. Dabei gelingt den Machern das Kunststück, niemals platt und niveaulos zu wirken.
Wer diese Art der Inszenierung der Serie bereits in der ersten Staffel mochte, wird mit „jerks. – Staffel 2“ ebenfalls wieder auf seine Kosten kommen. Es empfiehlt sich allerdings der Einstieg mit Staffel 1, um die Figurenkonstellationen der Serie besser zu verstehen.

Kleines Aber

Einziger Kritikpunkt für einige Zuschauer ist möglicherweise der Ton, der in einigen Szenen zu leise und undifferenziert daherkommt.

Schade auch, dass es auf der DVD kein Bonusmaterial – ausgenommen einer Trailershow – gibt. So muss sich der Zuschauer mit den zehn Folgen der zweiten Staffel begnügen, darf sich anschließend aber auf eine dritte Staffel freuen. Denn die Spannung auf eine Fortsetzung wird mit einem unerwarteten Cliffhanger am Ende der letzten Folge auf überaus fiese Weise erzeugt.

Trailer

Handlung

Die neuen Folgen knüpfen dort an, wo die erste Staffel geendet hat. Christian Ulmen kämpft nach einem verpatzten Heiratsantrag um die enttäuschte Emily. Immer tatkräftig an seiner Seite: Kumpel Fahri Yardim, der ihn meist in noch größere Schwierigkeiten bringt. Die zwei Freunde ecken an, reagieren unverhältnismäßig und scheitern kläglich an den Herausforderungen ihres Alltags. Bei einer Massage kommt es zur sexuellen Belästigung, ein Tauchkurs im Schwimmbecken endet schon mal lebensgefährlich und eine Motorradtour in einer Verfolgungsjagd. Viele alte Bekannte aus Staffel 1 und zahlreiche neue prominente Gesichter bereichern das tägliche Chaos der beiden „jerks.“.

(Quelle: Universum Film)

Episoden

01 Seitensprung
02 Junge Herzen
03 München
04 Fuss
05 Tibet
06 Elternhaus
07 Paul
08 Escort
09 Noah
10 Der kleine Yardim

Details

Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.78:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Universum Film GmbH
Erscheinungstermin: 02.11.2018
Produktionsjahr: 2018
Spieldauer: 225 Minuten

Copyright Cover: Universum Film GmbH



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde