Review

„In der nahen Zukunft: Ein massiver, anhaltender Stromausfall bringt die Welt an den Rand des Zusammenbruchs und zwingt die ungleichen Schwestern Nell und Eva, sich in die kanadischen Wälder zurückzuziehen.“ 

Der Titel „Into The Forest“ steht demnach passend für den eingangs in aller Kürze zitierten Inhalt des dystopischen Coming-of-Age-Films der kanadischen Regisseurin Patricia Rozema, bei der Schauspielerin Ellen Page nicht nur die Rolle der Nell übernimmt, sondern ebenfalls als Co-Produzentin debütiert.

Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Jean Hegland (in deutscher Übersetzung 1998 unter dem Namen „Die Lichtung“ erschienen) konzentriert sich die Handlung auf nur zwei wesentliche Themenschwerpunkte: auf das Überleben, während die Weltordnung durch eine globale Katastrophe radikal verändert wurde, und – maßgeblich! – auf die Beziehung und Charakterentwicklung der beiden Figuren Nell und Eva.
Anders als zunächst vielleicht angenommen erwartet den Zuschauer jedoch kein klassischer Survival-Actioner und auch die Dystopie rutscht zugunsten des Endzeitfilms eher in den Hintergrund. Stattdessen fokussiert man das Geschwisterpaar und baut um diese beiden Rollen eine sich zuspitzende Handlung auf, die vor allem in einer Form dargeboten wird: ruhig und entschleunigt.

Dabei versäumt man es allerdings, den Zuschauer mit genügend Informationen zu versorgen, die Logikfehler ausschließen und Glaubwürdigkeit in ausreichendem Maße vermitteln würden.

Indem der Film stets einen großen interpretatorischen Spielraum (z.B. über Ursache und Ausmaß des Stromausfalls) lässt, den der Zuschauer selbst zu füllen oder zumindest hinzunehmen hat, erreicht die Tragik und Dramatik der Handlung zudem selten einen Höhepunkt. Insgesamt verpasst man die Chance, die emotionalen Momente, an denen es keineswegs mangelt, entsprechend berührend und packend an das Publikum zu transportieren. Dadurch wirkt „Into The Forest“ – trotz diesbezüglich vorhandenen Potenzials – nur selten ergreifend, sodass die Mehrheit der Szenen eher wie aneinandergereihte und aufeinander aufbauende Schicksalsschläge erscheinen.

Als Folge dessen gerät der „Überlebenskampf“ als solcher schon binnen weniger Spielminuten zur Nebensache. Stark will hingegen das emanzipatorische Frauenbild der beiden Protagonistinnen wirken. Dies gelingt auch zeitweise sehr gut, allerdings bleiben die Charaktere insgesamt zu blass.

Im Fokus des Endzeitfilms „Into The Forest“: Nell (Ellen Page) und Eva (Evan Rachel Wood) | Copyright: Capelight Pictures

Gemäß der entschleunigten Darstellungsart erscheinen die Figuren außerdem sehr ruhig und werden dadurch kaum als charakterstarke Hauptakteure wahrgenommen; es sei denn, der Zuschauer lässt sich auf die Ausführung des Films „Into The Forest“ ein. Denn die Art und Weise, in der sich der Endzeitfilm präsentiert, birgt dann definitiv auch positive Eigenschaften. So wirken kunstvolle Detailaufnahmen, ruhige Szenerien sowie die von aller Hektik befreite Kameraführung durchaus passabel und könnten all jenen Zuschauern gefallen, die fern der actionreichen Unterhaltungskost neues Filmmaterial suchen.

Jenen sei „Into The Forest“ daher auch empfohlen, denn diese Zuschauergruppe wird erkennen, inwiefern der Film von seiner Machart profitieren kann. Bei der nach Action und logischen Erklärungen dürstenden Zielgruppe ist eine Kritik hingegen vorprogrammiert; diese lässt daher besser die Finger von dieser Veröffentlichung.

Trailer

Handlung

In der nahen Zukunft: Ein massiver, anhaltender Stromausfall bringt die Welt an den Rand des Zusammenbruchs und zwingt die ungleichen Schwestern Nell und Eva, sich in ihr entlegenes Zuhause inmitten der kanadischen Wälder zurückzuziehen. Dort müssen sie sich nicht nur an ihr vollkommen neues Leben ohne Technik und andere moderne Errungenschaften gewöhnen, sondern gleichzeitig auch gegen ungebetene Gäste, Krankheiten, Hunger und Einsamkeit kämpfen – ohne zu wissen, ob sie ihr früheres Leben jemals wieder zurückbekommen werden.

(Quelle: Capelight Pictures)

Details

Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Capelight Pictures / Al!ve
Erscheinungstermin: 17.02.2017
Produktionsjahr: 2015
Spieldauer: 97 Minuten
Extras: Making-of / Audiokommentare

Copyright Cover: Capelight Pictures



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde