Review

Ende des Monats erscheint nicht nur der Comic „I Kill Giants“ von Autor Joe Kelly („Spider-Man/Deadpool 2: Bis aufs Blut“, „Spider-Man/Deadpool 3: Ziemlich nicht so beste Freunde“) in einem mangaartigen Stil, inszeniert von Ken Niimura, beim Splitter Verlag, sondern auch die filmische Adaption als Coming-of-Age-Fantasy-Drama von Regisseur Anders Walter bei Koch Media.

Für den Oscar-Preisträger Walter (2014 für „Helium“ in der Kategorie Bester Kurzfilm) handelt es sich um sein Spielfilmdebüt. Das Drehbuch stammt indes auch von Joe Kelly, während als Produzent unter anderem der Regisseur und Filmproduzent Chris Columbus („Kevin – Allein zu Haus“, „Harry Potter und der Stein der Weisen“, „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“) fungiert. Bei seinem Übergang vom Kurzfilm zum Langfilm kann sich der Filmemacher also tatkräftiger und erfahrener Unterstützung erfreuen.

Die 15-jährige Außenseiterin Barbara Thorson (Madison Wolfe) ist sicher: Riesen gibt es wirklich! Und sie muss sie finden, jagen und töten, um ihre Heimatstadt im Verborgenen zu beschützen. Um ihrem Job gerecht zu werden, trägt Barbara allerhand ausgefallene Requisiten mit sich herum. Nicht zu vergessen, dass sie auch plüschige Hasenohren auf dem Kopf trägt. In der Schule stempelt man sie daher schnell als komischen Kauz und Versagerin ab, die den Schuss nicht gehört hat. Insbesondere die Mobberin Taylor (Rory Jackson) verspottet und verprügelt Barbara so oft es eben geht. Erst als die junge Sophia (Sydney Wade) aus England in die Nachbarschaft zieht, findet die Eigenbrötlerin in ihr nach und nach eine echte Freundin, die sich auch für ihre Abenteuer mit den Riesen begeistern lässt. Allerdings wird auch die neue Schulpsychologin Mrs. Mollé (Zoe Saldana) auf Barbaras Fantastereien und Wunschträume aufmerksam und versucht herauszufinden, ob bei dem fantasievollen Mädchen alles in Ordnung ist. Sie vermutet, dass hinter der Jagd nach imaginären Riesen womöglich familiäre Probleme stecken könnten …

Die Verfilmung von „I Kill Giants“ ist ein gefühlvolles Coming-of-Age-Drama mit einigen komödiantischen Elementen geworden.

Die große Entdeckung ist dabei allerdings die wunderbare Hauptdarstellerin Madison Wolfe („Conjuring 2“), die während eines Castings aus 500 Jungschauspielerinnen ausgewählt wurde. Die Nachwuchsdarstellerin ist in fast jeder Szene des Films zu sehen, immer präsent und transportiert als authentische Außenseiterin und Eigenbrötlerin glaubhaft vielfältige Emotionen. Ob tough, schlagfertig und souverän oder aber verletzlich, zerbrechlich und dünnhäutig – Wolfe nimmt man jeden Aspekt ihrer Performance ab.

Gut gespielt ist auch die einfühlsame Schulpsychologin Mrs. Mollé von Zoe Saldana („Avengers: Infinity War“), die hier – abseits ihrer Rolle als Superheldin Gamora in den Marvel-Blockbustern – auch in einer ruhigeren Rolle glänzen kann.
Imogen Poots („Green Room“) gibt ebenfalls überzeugend die überforderte Schwester, wenn ihr auch nicht allzu viel Screen-Time zur Verfügung steht.

Sophia (Sydney Wade) & Barbara (Madison Wolfe) in „I Kill Giants“ (Copyright: Koch Media)

Trotz des verhältnismäßig geringen Budgets von gerade einmal 15 Millionen US-Dollar können sich auch die – sparsam gesäten – CGI-Effekte durchaus sehen lassen; die Riesen wurden gekonnt zum Leben erweckt.

Der Trailer könnte dem einen oder anderen Zuschauer aber womöglich atemberaubende Fantasy nahelegen und die sollte man hier nicht erwarten. Gegenüber den großen Vorbildern des Genres (man denke etwa an „Sieben Minuten nach Mitternacht“ oder BFG – Big Friendly Giant“) dürfte „I Kill Giants“ wohl den Kürzeren ziehen. Leider verpasst der Regisseur aber auch die Gelegenheit, aus der Inszenierung der Vorlage im Manga-Stil eine irgendwie geartete visuelle Eigenständigkeit zu generieren. Positiv hervorgehoben werden soll aber eine Sequenz, in der die verschiedenen Arten von Riesen in kreativen Animationen vorgestellt werden. Derlei mehr wäre dem Film sicherlich gut bekommen.

Dessen ungeachtet haben wir hier einen Film, der mit kraftvoller Emotionalität aufwarten kann. So ist er zwar weniger ein atemberaubender Bilderrausch, denn vielmehr ein gefühlvolles Coming-of-Age-Drama, aber wer das Genre gerne mag, der wird auch glücklich mit „I Kill Giants“ werden.

Trailer

Inhalt

Riesen gibt es wirklich! Sie lauern in den Wäldern und warten nur auf die passende Gelegenheit, um die Heimatstadt der 15-jährigen Barbara anzugreifen. Kein Wunder, dass die neue Schulpsychologin Mrs. Mollé diese Geschichte wenig überzeugend findet. Stattdessen setzt sie alles daran, der cleveren jungen Eigenbrötlerin zu helfen. Doch die fantasievolle Barbara hält weiter an ihrer Mission fest: Gemeinsam mit ihrer einzigen Freundin Sophia will sie die gigantische Bedrohung aufspüren und sich einem finalen Kampf stellen.

(Quelle: Koch Media)

Details

Format: Widescreen
Untertitel: Deutsch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 2.39:1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Koch Media GmbH
Erscheinungstermin: 26.07.2018
Produktionsjahr: 2016
Spieldauer: 106 Minuten
Extras: Kinotrailer, Making of

Copyright Cover: Koch Media



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Oh, du glaubst, Dunkelheit ist deine Verbündete? Für dich ist Finsternis eine Waffe. Ich wurde in ihr geboren. Von ihr geformt. Ich habe das Licht erst erblickt, als ich bereits ein Mann war. Damals hat es mich nur geblendet!" (BANE, The Dark Knight Rises)