Review

Eine Dekade hat es seit „Apocalypto“ gedauert bis zur fünften Regiearbeit von Mel Gibson, die auf den Titel „Hacksaw Ridge – Die Entscheidung“ hört. Das Kriegsdrama ist dabei mit reichlich Vorschusslorbeeren bedacht worden und kommt mit der Empfehlung von 6 Nominierungen für die Oscars 2017 zu uns nach Deutschland herüber geschwappt.

Gibsons Kriegsfilm basiert auf der wahren Geschichte des US-Soldaten Desmond Doss, einem streng gläubigen jungen Mann. Kernsatz des Filmes ist dabei der folgende vor dem Militärgericht:

Hiermit, Soldat Doss, wird Ihnen das Recht zugesprochen, in den Kampf zu ziehen, ohne eine Waffe zu tragen.

Bis Desmond Doss diesen ersehnten Satz zu hören bekommt, war es allerdings ein langer und steiniger Weg. Traumatisierende Erlebnisse in seiner Kindheit, vor allem Erfahrungen mit seinem Vater, der ein Trinker und Kriegsveteran ist, lösen aus, dass Desmond nicht dazu bereit ist, eine Waffe zu tragen, geschweige denn jemanden damit zu töten. Zunächst ist der junge Mann daher als Verweigerer aus Gewissensgründen anerkannt. Als jedoch alle jungen Männer aus der Umgebung aufbrechen, um in den Zweiten Weltkrieg zu ziehen, entschließt sich auch Desmond, freiwillig Militärdienst zu leisten, indes nur unter der obigen Bedingung.

Aufgrund seiner religiösen Einstellung sieht er sich in der Kompanie zunächst Feindseligkeiten, Verachtung und Herablassung ausgesetzt; auch seine Vorgesetzten sträuben sich, einen Soldaten in den Krieg ziehen zu lassen, der sich weigert, eine Waffe zu tragen. Sie begünstigen sogar das Verhalten seiner Kameraden, um Desmond endgültig hinfort zu ekeln. Der Heimaturlaub wird ihm dann auch noch versagt, in dem er eigentlich seine Freundin Dorothy heiraten wollte. All das nur, da er nicht an der Waffe ausgebildet wurde. Als Doss auch den dann folgenden Befehl verweigert, auf den Schießplatz zu gehen, kommt es zu seiner Inhaftierung und der genannten Verhandlung vor dem Militärgericht.

Desmond Doss ist seinen Prinzipien treu geblieben und zieht 1945 als Sanitäter mit seiner Kompanie in den Zweiten Weltkrieg auf der japanischen Insel Okinawa. Dort soll er, auch ohne Waffeneinsatz, zu einem Helden werden.

In der Hauptrolle des Desmond Doss überzeugt Andrew Garfield („The Amazing Spider-Man“, „The Social Network“), der für seine Darbietung auch mit seiner ersten Oscar-Nominierung bedacht wurde und sich jüngst offenbar anschickt, ein begehrter neuer Charakterdarsteller zu werden. Ob die Darstellung aber tatsächlich eine Nominierung als Bester Hauptdarsteller rechtfertigt, scheint jedenfalls strittig; kurz kommentiert lässt sich natürlich sagen: Niemanden preisen und lieben die US-Amerikaner so sehr wie ihre Kriegshelden; so gesehen also eine prädestinierte Rolle.

Überrascht dürfte der eine oder andere Zuschauer zur Kenntnis nehmen, dass Vince Vaughn hier den knallharten Drill Instructor Sergeant Howell gibt, kennt ihn ein Großteil des Publikums doch eher als amüsanten Spaßvogel („Anchorman – Die Legende von Ron Burgundy“ oder etwa “ All Inclusive“). Dass er auch anders kann, hat er allerdings unlängst schon eindrucksvoll in der zweiten Staffel von „True Detective“ bewiesen; er überzeugt auch hier als bissiger und intensiver Drill Sergeant.

Applaus verdient auch noch Hugo Weaving als der abgehalfterte Vater Tom Doss; während Sam Worthington in der Rolle des Captain Jack Glover recht blass bleibt.

Besonders hervorzuheben ist, dass Mel Gibson es in seinen Regiearbeiten einfach versteht, wie man eine Geschichte dynamisch, intensiv und wuchtig erzählt. Ebenso sind seine Filme – wie hier auch – technisch-handwerklich immer toll anzusehen. Auch „Hacksaw Ridge – Die Entscheidung“ zeugt von Gibsons technischer Brillanz, denn der Film ist immer auf ästhetisch hohem Niveau und beeindruckend inszeniert. Zeugnis dafür ist, dass der Film bei den Oscars in den Kategorien Bester Schnitt und Bester Ton ausgezeichnet wurde.

Desmond Doss (Andrew Garfield) auf dem Schlachtfeld. (Copyright: Mark Rogers Photographer / Universum Film GmbH)

Klarer Minuspunkt ist jedoch, dass das Drama auch von der Story her ein typischer Mel Gibson-Film ist. Oft gehen die Darstellungen seiner Helden ins Befremdliche und so ist auch „Hacksaw Ridge – Die Entscheidung“ des Öfteren unnötig pathetisch. Ähnlich wie schon bei seinen kontroversen Inszenierungen von „Die Passion Christi“ oder auch „Apocalypto“, ist es auch hier schwierig, die Motivation des Regisseurs nachzuvollziehen. Sein Thema schreit vorliegend an sich laut: Antikriegsfilm! Doch nur teilweise ist das hiesige Drama ein ungewöhnlicher Kriegsfilm, nämlich ob seines pazifistischen Helden, aber nicht ob seiner Inszenierung. In dieser Hinsicht ist es eben ein arg patriotischer Film, der den Krieg womöglich nicht glorifiziert, aber dennoch ein (unnötig) gnadenloses und exzessives Bild des Kampfgeschehens liefert. Ob das für die Botschaft von einem wahren Helden, der beweisen soll, dass Mut nichts mit Waffenkraft zu tun haben muss, erforderlich ist, muss jeder Zuschauer für sich entscheiden.

„Hacksaw Ridge – Die Entscheidung“ ist ein harter Kriegsfilm, der vor allem Fans des Genres gefallen wird. Das Kriegsdrama in einem Atemzug mit den außergewöhnlichen Filmen „Moonlight“ und „La La Land“ zu nennen, wie bei der Oscarverleihung 2017 geschehen, ist jedenfalls meines Erachtens nach nicht gerechtfertigt. Gleichwohl ein sehenswerter Film.

Trailer

Inhalt

Zweiter Weltkrieg im Frühling 1945: Während des Kampfes um die japanische Insel Okinawa sticht ein einziger Mann aus der Masse der US-Soldaten heraus. Der Kriegsdienstverweigerer Desmond Doss (Andrew Garfield) riskiert alles und kämpft unbewaffnet bis zur völligen Erschöpfung für das Leben seiner verwundeten Kameraden. Was später als Heldentat belohnt werden soll, beschert Desmond Doss zunächst großes Misstrauen und Verachtung in den eigenen Reihen. Dennoch setzt er sich unerschrocken für seine Prinzipien ein und rettet in der entscheidenden Schlacht unzähligen Männern das Leben.

(Quelle: Universum Film GmbH)

Hacksaw Ridge – Homepage
Hacksaw Ridge – Facebook

Details

Format: Widescreen
Sprache: Deutsch (DTS-HD 5.1), Englisch (DTS-HD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 2.40:1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Universum Film GmbH
Erscheinungstermin: 09.06.2017
Produktionsjahr: 2016
Spieldauer: 139 Minuten

Copyright Cover: Universum Film



Über den Autor

Fabian
Fabian
Warum denn so ernst?