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Es war einmal vor etwa 50 Jahren, da flimmerte eine TV-Show zum ersten Mal über die Fernsehbildschirme von US-Amerika – und veränderte das Land sofort und für immer. Die Charaktere – so anders und doch bekannt -, die Geschichte – so neuartig und speziell -, dazu ein Cast, der so wohl noch nie da gewesen war. Es klingt wie ein schlechter Witz: Ein Russe, ein Schotte, ein Asiat, ein Amerikaner und ein Vulkanier – doch es ist eine der größten popkulturellen Phänomene unserer Zeit. Die Rede ist von Star Trek. Und zwischen all den Abenteuern im Weltraum und Begegnungen mit fremden Kulturen stach wohl eine Figur aus diesem Sci-Fi-Universum heraus wie keine andere: Spock. Er wurde fast zu einer übergreifenden Ikone des Genres. Unzählige Filme und Bücher gibt es schon über ihn – aber der wohl berührendste ist gerade erst erschienen, anlässlich des 50. Jubiläums der Originalserie: „For The Love of Spock“, produziert und gedreht von Leonard Nimoys Sohn Adam.

Warum aber ausgerechnet eine Dokumentation über Spock? Oder ist es ein Film über den Schauspieler Leonard Nimoy? Diese Frage steht am Anfang im Raum, denn die 111 Minuten beginnen sachte mit einer kurzen Familiengeschichte des jungen Nimoys. Sohn rechtschaffener Leute, die jedoch Schauspielerei für keine vielversprechende Karriere hielten, weswegen Leonard früh auf eigene Faust nach Kalifornien zog und sich dort mit allen Jobs über Wasser hielt, die er finden konnte. Neben einigen Rollen für verschiedene Produktionen pflegte er beispielsweise Aquarien oder war Hausmeister. Er tat alles, um sich und bald auch seine kleine Familie über Wasser halten zu können. Als sein Agent ihn eines Tages anrief und von einer Rolle in einer neuen Science-Fiction Serie sprach, wusste er noch nicht, was er davon halten sollte – aber er übernahm sie. Und machte damit den ersten Schritt auf einem Pfad, der die ganze Welt irgendwann begeistern würde.

Die Dokumentation ist eine klassische Kombination aus authentischen Film- und Fotoaufnahmen, zum Teil privater Natur, die zusammen mit verschiedenen Interviews die Geschichte erzählen, wie aus einer Rolle eine Kult-Figur wurde. Sie zeigt aber auch, dass dahinter so viel mehr steht, als nur ein glamouröses Starleben. Es wird nichts ausgelassen – die stressigen Arbeitswochen, wie sie sich auf ihn als Menschen, auf seine Familie, aber eben auch auf die Zuschauer und Fans auswirkten. Co-Schauspieler aus dem Star Trek Universum wie William Shatner, George Takei oder Walter Koenig, aber auch aus den neuen Filmen (z.B. Zachery Quinto) berichten von ihren Erlebnissen mit Leonard am Set. Seine Familie bringt den persönlichen Dreh in den Film. Es war nicht einfach für Tochter und Sohn, auch die Ehe zerbrach irgendwann.

Doch Adam Nimoy legt Wert darauf auch zu zeigen, was aus dem großen Verzicht hervorging, den sie als Familie und natürlich auch Leonard Nimoy selbst als Mensch leisteten. Stimmen von Wissenschaftlern, Astronauten und Fans berichten von ihren Lebenswegen und welchen Einfluss Spock auf sie hatte. Sogar der Schauspieler selbst darf zu Wort kommen, denn vor seinem Tod hat er auf Anfrage seines Sohnes ebenfalls an den Arbeiten zu diesem Film mitgewirkt.

Trotz aller Höhen und Tiefen, sowohl in seiner Karriere als auch in seinem Privatleben, ist der Zauber, der von ihm ausging, noch heute ungebrochen. Der wohl berührendste Punkt der Dokumentation ist der, in dem Adam aus einem Brief seines Vaters an ihn vorliest, unterbrochen von verschiedenen Erinnerungen seiner Kollegen an ihn. Sie zeigen, dass Leonard Nimoy nicht nur eine Figur gespielt, sondern diese eigentlich erst erschaffen hat. Er legte sehr viel Leonard in Spock hinein – und brachte in Austausch dazu den Vulkanier wirklich auf die Erde des 20. Jahrhunderts.

For The Love of Spock (© Gravitas Ventures)

For The Love of Spock (Copyright: Gravitas Ventures)

Hier lebte er die Ideale einer fernen Zukunft, sorgte für Gleichberechtigung am Set, kämpfte für die, die er liebte und übernahm Verantwortung – sogar für seine Fehler. Zu Beginn der Serie stand im Raum, dass eine Figur, die mit ihren spitzen Ohren und den diabolischen Augenbrauen Satan so ähnelte, nie Erfolg haben könne. 50 Jahre später zeigt sich, dass das komplette Gegenteil der Fall ist. Denn noch immer lebt der Geist von Spock – und Leonard – in uns weiter.

Am Ende werden die Interviewpartner von Adam Nimoy gefragt, was für sie Leonard in einem Wort ausmachen würde. Künstler, Humanität, nobel, Mensch, Logik, Hoffnung, Liebe. Mein persönliches Wort wäre wohl: Inspiration. Denn damals wie heute zeigte uns ein Schauspieler, was es heißt, ein Außenseiter zu sein – und machte uns alle in diesem Moment zu Insidern. „For The Love of Spock“ ist darum sicherlich ein besonderes Schmankerl für langjährige Trekkies. Aber auch neue Fans dieses Kosmos können hier wertvolle Erfahrungen sammeln, die ihnen sicher helfen werden, sich restlos in Star Trek zu verlieben.

Trailer

Inhalt

„Letztes Jahr kurz vor Thanksgiving sprach ich mit meinen Dad, Leonard Nimoy, darüber, einen gemeinsamen Film über Mr. Spock zu machen. Ich blätterte durch einige Star Trek-Bücher und mir fiel auf, dass es noch so viel mehr über die Entstehung und Entwicklung von Mr. Spock zu entdecken gab.“ Adam Nimoy, 2015.

Und so entstand passend zum 50-jährigen Jubiläum der Kultserie eine Dokumentation, die ein besseres Andenken an Leonard Nimoy nicht hätte sein können. Der Film erzählt von Privatem und der Karriere des Schauspielers sowie der Rolle seines Lebens: Mr. Spock. Sein Sohn Adam Nimoy hat durch die vielen Interviews u. a. mit William Shatner, George Takei, Zachary Quinto, Chris Pine, Jim Parsons, J. J. Abrams und vielen anderen Weggefährten eine ganz besondere Verbundenheit zu Spock geschaffen.

(Quelle: Studio Hamburg Enterprises)

Details

Format: Dolby
Untertitel: Deutsch
Region: Alle Regionen
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
FSK: Freigegeben ohne Altersbeschränkung
Studio: Studio Hamburg Enterprises
Erscheinungstermin: 21.07.2017
Produktionsjahr: 2016
Spieldauer: 111 Minuten

Copyright Cover: Studio Hamburg Enterprises



Über den Autor

Silvana
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A Cat is Purrfect.