Review

Richard „Rocky“ Ockers (Jan Henrik Stahlberg) war in seiner Jugend ein blonder Schönling und Frauenheld und als der „Stecher vom Wuppertal“ bekannt. Inzwischen hat Rocky seine glorreichen Tage jedoch hinter sich. Zumeist sitzt er alleine in seiner Wohnung, ein angegrauter Bart ziert sein Gesicht, das schüttere Haar auf dem Kopf ist ebenso gekennzeichnet von seinem Alter und er schleppt ein Wohlstandsbäuchlein mit sich herum. Das hält den einstigen Charmeur jedoch nicht davon ab, sich weiterhin für die jungen Rehe anstelle der alten Hirschkühe zu interessieren.

Eines Tages steht jedoch völlig unvermittelt Rockys erwachsener Sohn Thorben (Franz Rogowski) vor der Tür. Dessen Existenz war dem früheren Don Juan bis dahin verborgen geblieben. Thorben, den Rocky den gesamten Film über irrigerweise Thorsten nennen soll, bringt indes ganz eigene Probleme mit. Der junge Mann ist erst kürzlich aus der Psychiatrie geflüchtet, nachdem er zuvor eine Frau belästigt (vergewaltigt?) hat. Thorben hat sich allein deshalb auf den Weg nach Berlin zu seinem Erzeuger gemacht, da dessen Mutter immerzu von dem Vater, dem begnadeten Liebhaber und Frauenflüsterer, geschwärmt hat. Von jenem Relikt vergangener Tage möchte der – vermeintliche – Sohn nichts anderes, als die Kunst erlernen, wie man Frauen flachlegt. Schon bald soll Thorben jedoch merken, dass der abgehalfterte Rocky seine besten Tage bereits hinter sich hat und mitunter mehr über das Leben philosophiert als dem Selfie-süchtigen jungen Macho lieb ist.

Mit seiner schwarzen Komödie „Fikkefuchs“ präsentiert Hauptdarsteller, (Mit-)Drehbuchautor und Regisseur Jan Henrik Stahlberg („Muxmäuschenstill“, „Short Cut to Hollywood“) einen – gerade für die hiesige Filmlandschaft – extrem unangepassten und erfrischenden Film. Hier sieht man reichlich nackte Haut, Schnipsel aus Pornos samt dazugehörigen „Cumshots“ und man hört auch allerlei misogyne Gedanken, gerade wenn es um die Figur des Thorben geht. Für den scheinen Frauen im Allgemeinen nur Objekte zu sein.

Der Film provoziert sicherlich durchgehend nicht allzu knapp. Indes wirkt das nie oder zumindest selten wie ein reiner Selbstzweck, sondern vielmehr konsequent zur Ausgestaltung der Figuren. Gerade aus der ungewöhnlichen Vater-Sohn-Beziehung ergibt sich der eine oder andere herzhafte Lacher für den Zuschauer. Dass der Film sich derart viele Freiheiten nehmen konnte, liegt nicht zuletzt daran, dass er nicht gefördert, sondern lediglich durch Crowdfunding-Einnahmen verwirklicht wurde.

Thorben (Franz Rogowski) und sein Vater Rocky (Jan Henrik Stahlberg) in „Fikkefuchs“ (Copyright: Alamode Film)

Neben seinem Humor kann der Film aber weniger durch seine unterschwelligen Kommentare zu modernen Medien oder auch zur Rolle des Mannes in der Gesellschaft an sich überzeugen. Dafür bleibt die schwarze Komödie in dieser Hinsicht zu oberflächlich und nicht ausgereift.

So gibt es aber auch noch einige Szenen, die „Fikkefuchs“ mit dramatischen Elementen anreichern, etwa damit, dass Rocky an Prostatakrebs leidet oder dass zwischen Vater und Sohn tatsächlich so eine Art fürsorgliche und vertrauensvolle Beziehung entsteht. Mitunter rutschen aber selbst derlei Szenen wieder in Fäkalhumor ab und der eine oder andere Zuschauer wird vor Scham im Boden versinken wollen.

Alles in allem bleibt der Film bis zum Ende tiefschwarz, bitterböse, bissig, provokant und gleichzeitig immer wieder hochnotpeinlich, traurig und armselig. Das wird ganz, ganz sicher nicht für das gesamte Comedy-Publikum taugen, ist aber gerade im Vergleich zu dem immer gleichen „Fack ju Göhte/Schweiger/SchweighöferOverkill“ hierzulande (deren Fans mögen es mir nachsehen), eine äußerst willkommene und kühne Abwechslung, die (nicht allein deshalb, das würde ihr nicht gerecht, aber auch deshalb) eine Empfehlung verdient.

Trailer

Inhalt

Es gab mal eine Zeit, da konnte Rocky sie alle haben. Er spielte französische Chansons und die Frauen schmolzen dahin. Das ist zwar längst vorbei, aber als Thorben vor seiner Tür steht, wird er noch einmal herausgefordert. Der junge Mann, der behauptet sein Sohn zu sein, weiß nicht, wie man Frauen flachlegt und Rocky soll es ihm beibringen. So gehen sie auf die Jagd: Junge, schöne Frauen sollen es sein … die nur auf sie gewartet haben.

FIKKEFUCHS ist eine vielschichtige Vater-Sohn-Geschichte, die mit ihrem pointiert-provokanten Humor Männerbilder auf allen Ebenen demontiert.

(Quelle: Alamode Film)

Fikkefuchs – Homepage
Fikkefuchs – Facebook

Details

Format: Widescreen
Sprache: Deutsch (DTS-HD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 2.35:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Alamode Film
Erscheinungstermin: 20.04.2018
Produktionsjahr: 2017
Spieldauer: 104 Minuten
Extras: Making-of / Deleted Scenes / Podiumsdiskussion (VICE FILM CLUB) / Audiodeskription / Trailer / Wendecover

Copyright Cover: Alamode Film



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Fabian
Fabian
Warum denn so ernst?