Review

Regisseur Brian De Palma dürfte den meisten Filmfreunden ein Begriff sein. Schließlich hat dieser ihnen in seiner Karriere bereits Filme wie die Neuverfilmung von „Scarface“ mit Al Pacino, „The Untouchables – Die Unbestechlichen“ sowie den ersten „Mission: Impossible“ beschert. Allesamt filmische Highlights unterschiedlicher Façon.

Die Liebe zu Hitchcock

Markenzeichen von De Palma – über das Gesamtwerk betrachtet – ist jedoch unstrittig die Liebe zu Alfred Hitchcock, seinem selbsterklärten Vorbild. So orientiert sich De Palma in seinen Thrillern oft an Themen und Motiven von Hitchcock-Filmen, zitiert Szenen und nutzt ebenfalls eine explizit visuelle Erzählweise, um derart möglichst hitchcockisch zu sein.

Paradebeispiel für einen De Palma-Hitchcock-Thriller ist der hiesige „Dressed To Kill“ aus dem Jahr 1980, den FilmConfect Home Entertainment Filmliebhabern hierzulande als ungeschnittene Blu-ray-Neuauflage mit allerhand Bonusmaterial vorlegt.

Ein Hitchcockfilm durch und durch

Die sexuell frustrierte Hausfrau und Mutter Kate Miller (Angie Dickinson) flüchtet sich im Badezimmer in Tagträume voller Erotik und Gewalt. Ihrem Psychiater Dr. Robert Elliott (Michael Caine) erzählt sie von ihrem enttäuschenden Liebesleben mit dem selbstsüchtigen Gatten. Elliott rät ihr zu mehr Offenheit und Kommunikation in der Ehe, bevor die Patientin ihm sexuelle Avancen macht, auf die er jedoch nicht eingeht.

Kurz darauftrifft Kate Miller in einem Museum auf einen Unbekannten. Es kommt zu dem von ihr erwünschten sexuellen Abenteuer. Nach diesem herbeigesehnten, prickelnden Höhepunkt nimmt Kates Glück jedoch ein jähes Ende. Noch im Fahrstuhl des Hauses des wildfremden Liebhabers wird Kate mit einem Rasiermesser ermordet.
Einzige Zeugin der Tat ist das Escortgirl Liz Blake (Nancy Allen). Nachdem diese zunächst selbst von der Polizei der Tat verdächtigt wird, macht sie sich gemeinsam mit Kates Sohn Peter Miller (Keith Gordon) auf die Suche nach dem wahren Mörder. Gesucht wird eine blonde Frau, die Liz vom Tatort hat flüchten sehen.

Mehr als eine kleine Hommage

Mit „Dressed To Kill“ erweist De Palma seinem Vorbild Alfred Hitchcock nicht nur seine Reverenz und sein Thriller ist auch nicht lediglich eine dezente Hommage an „Psycho“, sondern vielmehr ein Hitchcockfilm durch und durch. So beginnt und endet sein Psychothriller mit einer Duschszene.
Die Duschszene“ aus Psycho“ gehört immerhin zu den legendären und meistzitierten Szenen der Filmgeschichte.

Auch sonst strotzt der Film von Stilmitteln, Motiven und Symbolen, die man aus Hitchcocks Werk kennt. Ganz besonders ins Auge stechen Voyeurismus, Sex und explizite Erotik sowie doppelte bzw. gespaltene Persönlichkeiten. Insbesondere Letztere inszeniert der Könner De Palma mit den typischen Stilmitteln, also dem üppigen Einsatz von Spiegeln und dem Split Screen. Bei der Inszenierung beweist De Palma derart viel Liebe zum Detail, dass man sich als Filmfan unmittelbar nach der Sichtung vorstellen kann, den Film noch ein weiteres Mal zu schauen. Meines Erachtens könnte der Film auch an der Universität zwecks Filmanalyse eingesetzt werden.

Michael Caine als Dr. Robert Elliott (Copyright: FilmConfect Home Entertainment)

Besondere Erwähnung soll hier auch noch Oscar- und Golden-Globe-Preisträger Michael Caine finden. Diesen kennen viele Zuschauer aus der 80er- oder 90er-Generation sicherlich nur als den angegrauten Gentleman aus Rollen etwa in Nolans „Batman“-Trilogie, „Inception“, „Interstellar“ oder auch „Dunkirk“.
Hier kann man ihn noch als jüngeren Mann in der Rolle des Psychiaters Dr. Robert Elliott brillieren sehen. Das lohnt sich in jedem Fall.

Kritikpunkte

Wenn man dem Film etwas ankreiden will, dann womöglich, dass er gerade für Filmliebhaber und -kenner relativ schnell durchschaubar ist und derart leider die Spannung nicht sehr wirksam aufbaut. Noch dazu kommt, dass gerade die expliziten Gewaltdarstellungen etwas angestaubt wirken und leider rein visuell schlecht gealtert sind.

Bonusmaterial

Für alle Freunde des Films und solche, die es nunmehr gerne werden wollen, gibt es noch die frohe Kunde, dass diese Version mit reichlich Bonusmaterial ausgestattet ist.

Also viel Spaß beim klassischen Filmabend oder auch bei der Filmanalyse!

Trailer

Inhalt

Eine Duschszene wie aus Hitchcocks „Psycho“: Vor der Leere ihrer Ehe flüchtet sich Kate (Angie Dickinson) im Badezimmer in Tagträume voller Erotik und Gewalt. Ihr Psychiater Dr. Robert Elliott (Michael Caine) rät ihr diese Phantasien auszuleben. Doch die prickelnde Begegnung mit einem Unbekannten nimmt ein schreckliches Ende: Kate wird mit einem Rasiermesser ermordet. Einzige Zeugin der Tat ist die Edelprostituierte Liz (Nancy Allen), die sich gemeinsam mit Kates halbwüchsigem Sohn auf die Suche nach dem Mörder macht. Wieso stammt das Messer ausgerechnet aus Dr. Elliotts Praxis?

(Quelle: FilmConfect Home Entertainment)

Details

Format: Widescreen
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 2.35:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: FilmConfect Home Entertainment GmbH
Erscheinungstermin: 14.09.2018
Produktionsjahr: 1980
Spieldauer: 105 Minuten
Extras: Dressed to Kill – Eine Wertschätzung von Keith Gordon / Versionenvergleich – geschnitten vs. ungeschnitten vs. TV-Version / Dressed to Kill – Making Of / Verstümmelung von Dressed to Kill

Copyright Cover: FilmConfect Home Entertainment GmbH



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)