Review

Es gibt diese Filme, die werden von einem namhaften Regisseur gedreht, verfügen über einen brillanten Cast, eine kreative Grundidee und deren erster Trailer lädt direkt zu einem Besuch im nächstgelegenen Lichtspielhaus ein. So ist das auch mit „Downsizing“.

Der neue Film von Regisseur Alexander Payne („About Schmidt“, „Sideways“, „The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten“), der wieder einmal auf einem Originaldrehbuch von Payne und Jim Taylor basiert, ist besetzt mit einem ausgewiesenen Starensemble:
Als Protagonist sehen wir Matt Damon und daneben den zweifachen Oscar-Preisträger Christoph Waltz, den deutschen SchauspielVeteran Udo Kier, in größeren Rollen Kristen Wiig und Hong Chau und in kleineren Nebenrollen noch Jason Sudeikis, Laura Dern oder auch Neil Patrick Harris.

Die Handlung weckt ebenfalls Interesse und kann mit einer skurrilen Idee à la „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft“, verknüpft mit einer gesellschaftskritischen Zukunftsvision aufwarten. Hier kann eigentlich nichts schiefgehen, oder?

Die Ausgangslage des Films ist abermals eine die Menschheit und den Planeten bedrohende Überbevölkerung (zuletzt: What Happened To Monday?“ oder auch „Titan – Evolve or die“). Passenderweise gelingt es norwegischen Wissenschaftlern, Menschen auf eine Größe von knapp 13 cm zu schrumpfen. Das ist freilich ungemein umweltschonend, wenn der Müll eines gesamten Dorfes in eine einzelne Mülltüte passt. Ein weiterer nicht zu verkennender Vorteil ist, dass nur die Körpergröße durch das Verfahren des „Downsizing“ zusammenschrumpft, das Vermögen dagegen wird größer und die Lebenshaltung scheint deutlich günstiger. Eine sehr reizvolle Überlegung, das alte Leben hinter sich zu lassen und zukünftig als Däumling den weiteren Lebensweg zu bestreiten. Das denkt sich auch das Ehepaar Paul und Audrey Safranek (Matt Damon und Kristen Wiig) und möchte sich in die schöne neue Welt namens Leisureland aufmachen. Gerade der frustrierte Durchschnittsamerikaner Paul Safranek verspricht sich von dem Abenteuer in der luxuriösen Miniaturgemeinde einen frischen Neustart. In Leisureland angekommen, wartet jedoch eine unangenehme Überraschung auf den Ergotherapeuten und er muss feststellen, dass es hier die gleichen Probleme wie in der Welt der Großen gibt.

Die Idee, die Körpergröße der Menschen zu schrumpfen, um die Erde zu schonen, ist gerade zu Beginn äußerst ansprechend inszeniert. Dabei gibt es auch einige gelungene Ideen: Das Verfahren des „Downsizing“ funktioniert witzigerweise in einer Art Mikrowelle, die sogar klingelt, wenn die frischgebackenen Wichtel fertig sind. Anschließend werden diese mit einer Art Pfannenwender auf eine Liege gehievt und beim Aufwachen mit einem riesigen – eigentlich normal großen – Keks begrüßt. Das ist alles recht ulkig und weiß gut zu unterhalten. Angedeutet werden außerdem auch potenzielle Konflikte zwischen den Geschrumpften und den Normalgroßen, etwa in Bezug auf eine Anpassung der Steuern oder des Wahlrechts. Indes bleibt es in dieser Hinsicht bei Andeutungen und Zwischentönen.

Alexander Payne geht diesen Weg leider aber nicht konsequent zu Ende. So nehmen die humorvollen Momente spätestens nach einer halben Stunde mehr und mehr ab. Für den Zuschauer macht es zuweilen gar keinen Unterschied, ob er gerade die Bewohner von Leisureland begleitet oder nicht, da keine oder kaum mehr kreative Ideen auf die gewechselten Lebensumstände hindeuten. Dadurch ergibt sich aus der liebenswürdigen Prämisse kaum ein spürbarer Mehrwert für den weiteren Film.

Die gesellschaftskritischen Töne der Geschichte vermögen ebenfalls nicht zu überzeugen. Zwar hat sich auch in Leisureland in eine Art Parallelgesellschaft gebildet, da das Vermögen der Einwohner nun mal (nur) im Verhältnis zum vorherigen Vermögen anwächst. Dies ist aber alles viel zu oberflächlich und belanglos.

Nicht nachzuvollziehen ist meines Erachtens auch das Lob, das Hong Chau für ihre Darstellung der zwangsgeschrumpften vietnamesischen Aktivistin Ngoc Lan erfahren hat. Das liegt zwar nicht an ihrer schauspielerischen Leistung, aber ihr Charakter ist nicht kohärent gezeichnet. Soll sie bewundernswerter rettender Engel für die Armen oder lächerliche Witzfigur sein? Symptomatisch ist ein Handlungsabschnitt, in dem sie sich zunächst liebevoll um eine im Sterben liegende Spanierin kümmert, nur um Augenblicke später völlig gleichgültig ihren Tod festzustellen – nur um einen billigen Lacher abzustauben, der noch nicht einmal einsetzen will. Ferner ist ihre Rolle mit einem unerträglich nachempfundenen Dialekt versehen, der dem Zuschauer bis zum Ende einiges an Nerven rauben soll.

Das Ehepaar Audrey und Paul Safranek (dargestellt von Kristen Wiig und Matt Damon) in „Downsizing“ (Copyright: Universal Pictures)

Außerdem bietet Payne dem Zuschauer über einen Großteil der Handlung eine schnöde Liebesgeschichte als Fokus des Films an, in der sich überhaupt keine Chemie ergibt und bei der der Zuschauer nicht mitfühlen kann.

Der Film ist deutlich spürbar langatmig, Matt Damon haben wir als den typischen Otto Normalverbraucher schon besser gesehen und zuweilen ist seine Rolle sogar ein äußerst enervierender Mitläufer, und auch die oben genannten anderen Größen machen die Science-Fiction-Tragikomödie kaum erträglicher.

„Downsizing“ ist völlig anders als erwartet und leider nicht zum Guten. Sehr enttäuschend.

Trailer

Inhalt

Als es Wissenschaftlern gelingt, Menschen auf eine Größe von 13 cm zu schrumpfen, beschließen Paul und seine Frau Audrey, ihrem stressigen Alltag Lebewohl zu sagen und in der luxuriösen Miniaturgemeinde Leisureland das große Glück im Kleinen zu finden. Doch trotz der abenteuerlichen Fülle an Möglichkeiten, die es seinen Einwohnern bietet, steht Leisureland für weitaus mehr als ein Leben im Wohlstand. Für Paul tut sich eine völlig neue Welt auf, als er realisiert, dass wir zu Größerem bestimmt sind.

(Quelle: Universal Pictures)

Details

Sprache: Russian (DD 5.1 Surround), Italian (DD 5.1 Surround), German (DD 5.1 Surround), Polish (DD 5.1 Surround), Czech (DD 5.1 Surround), French (DD 5.1 Surround), Spanish (DD 5.1 Surround)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Dänisch, Niederländisch, Finnisch, Norwegisch, Schwedisch, Portugiesisch, Arabisch, Kantonesisch, Mandarin, Tschechisch, Griechisch, Hebräisch, Hindi, Ungarisch, Isländisch, Koreanisch, Polnisch, Rumänisch, Russisch, Slowakisch, Spanisch, Thailändisch, Türkisch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ohne Altersbeschränkung
Studio: Universal Pictures Germany GmbH
Erscheinungstermin: 31.05.2018
Produktionsjahr: 2017
Spieldauer: 136 Minuten
Extras: Die Arbeit mit Alexander / Die Besetzung / Eine visuelle Reise / Eine Frage des Blickwinkels / Dieses Lächeln / Eine globale Angelegenheit

Copyright Cover: Universal Pictures Germany



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)