Review

Bei der Krimiserie „Die Spezialisten“ ist der Name Programm, denn hier steht der Titel stellvertretend für die Protagonisten, ein Team aus „ausgeprägten Individualisten“, ausgewiesene Spezialisten verschiedener Fachgebiete eben; darunter Kriminaltechniker, forensische Rechtsmediziner und Kriminalkommissare. Diese bilden das IEK, eine interdisziplinäre Ermittlungskommission des LKA Berlin, und agieren – wie der Untertitel des Formats bereits verdeutlicht – ganz „im Namen der Opfer“ und ihrer Hinterbliebenen.

Anders als herkömmliche Krimiserien widmen sich „Die Spezialisten“ allerdings keinen aktuellen Fällen in „Echtzeit“, sondern rollen ungelöste Kriminalfälle wieder auf – oder stoßen auf bisher unentdeckte Verbrechen. Damit verbindet die Produktion Kriminalistik, Rechtsmedizin und deutsche Geschichte.
Jene führt die Zuschauer mal in die 70er, mal in die 80er, mal in die 90er Jahre oder auch in die jüngeren 2000er, während man sich geografisch in Berlin verortet. Es ist somit von Vorteil (aber nicht zwingend notwendig), wenn sich auch der Zuschauer in dieser Region ein wenig auskennt und mit der Historie der Stadt vertraut ist.

Unabhängig von diesem individuellen Kenntnisstand startet „Die Spezialisten“ vielversprechend in die erste Staffel. Bereits die erste Folge ist so konzipiert, dass sie definitiv Lust auf mehr macht. Die Charaktere werden schon zu diesem frühen Zeitpunkt mit all ihren Ecken und Kanten hervorragend eingeführt, erste Spannungen, aber auch die fortan anhaltende Dynamik im Team machen sich bemerkbar und nicht zuletzt weiß der grandiose Soundtrack zu überzeugen.

Ähnlich wie „Medical Detectives“, „Anwälte der Toten“ und Co. besitzt auch die als Fernsehserie konzipierte „Die Spezialisten – Staffel 1“ einen sehr unterschwelligen, aber nicht ganz abzustreitenden Doku-Charme. Vor allem liegt dies an einem hohen Grad Authentizität, der sich sowohl in der Schauspielkunst als auch in den gezeigten Fällen manifestiert.

Das „Spezialisten“-Team in Staffel 1 der deutschen Fernsehserie. (Copyright: Pandastorm Pictures)

Die hier gebotene Schauspielerei diesbezüglich als „laienhaft“ zu bezeichnen, trifft daher vielleicht zu, ist aber nicht misszuverstehen, denn dass die prominente Besetzung (allen voran Valerie Niehaus, David Rott oder Katy Karrenbauer in den Hauptrollen, aber ebenso viele bekannte Gesichter in Gastauftritten und Nebenrollen) ihr Handwerk versteht, dürfte klar sein. Nichtsdestotrotz (oder gerade deswegen) wirkt das Agieren aber stets sehr glaubwürdig und zu keinem Zeitpunkt tatsächlich gespielt. Es wird weder overacted noch erscheinen die Rollen allzu einstudiert. Das erzeugt Sympathien und lässt „Die Spezialisten“ eine Gratwanderung zwischen den Aspekten Krimi und Doku auf stilvolle und stets spielfilmtaugliche Weise vornehmen, womit ein gewisses Alleinstellungsmerkmal geschaffen wird. Weitaus größere Parallelen als zu erwähnten reinen Doku-Formaten weist „Die Spezialisten – Staffel 1“ allerdings zu Erfolgsserien wie „Bones“ auf – nur weniger amerikanisch.

Modern, temporeich, authentisch und durch das Einflechten geschichtlicher Hintergründe zusätzlich fern der Trivialität bahnt sich hier also eine ernstzunehmende Konkurrenz oder zumindest eine gelungene Alternative zu diversen Importschlagern an. Staffel 2 fürs Heimkino kann kommen!

Trailer

Handlung

„Sie haben ein Recht auf die Wahrheit!“

Nach diesem Motto rollt das interdisziplinäre Spezial-Team des LKA Berlin um Rechtsmedizinerin Dr. Katrin Stoll (Valerie Niehaus) und Kriminalhauptkommissar Mirko Kiefer (David Rott) ungelöste Kriminalfälle wieder auf.
Ihre Herausforderung: nicht nur den Täter zu ermitteln, sondern auch den Hinterbliebenen zu helfen. Denn erst wenn der Täter gefunden und das Motiv geklärt ist, werden die Angehörigen von ihrer quälenden Ungewissheit erlöst.

(Quelle: Pandastorm Pictures)

Episoden

DVD 01
01 Der verlorene Sohn
02 Party
03 Der heilige Krieger
04 Miss Mai 1988

DVD 02
05 Die Mädchen aus Ost-Berlin
06 Kleiner Engel
07 Flowerpower

DVD 03
08 Tod eines Untoten
09 Totenkopf
10 Zersetzt

Details

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0)
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 3
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Pandastorm Pictures
Erscheinungstermin: 29.09.2017
Produktionsjahr: 2016
Spieldauer: 430 Minuten
Extras: Kurz-Interviews mit den Hauptdarstellern / Rollenprofile / Trailer

Copyright Cover: Pandastorm



Über den Autor

Conny
Conny

„Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert.“ – Oscar Wilde