Review

Die Medici – Herrscher von Florenz“ ist eine in Italien und im Vereinigten Königreich produzierte Serie über die gleichnamige Familie Medici aus Florenz, welche vom 15. bis zum 18. Jahrhundert eine einflussreiche italienische Dynastie bildete, obgleich sie nicht zur Aristokratie gehörte. Denn die Medici erlangten ihren Wohlstand durch Handel und mehrten diesen später dadurch, dass sie ein modernes Bankwesen installierten; dabei unterhielten sie wirtschaftlich wertvolle Beziehungen zum Papst. Die Familie der Medici sollte die Stadt Florenz prägen. Diesen Aufstieg und die politischen Weichenstellungen, die zum Triumph der Medici geführt haben, zeichnet die erste Staffel der Serie nach.

Dabei arbeitet die Serie vor allem mit zahlreichen Rückblenden, um die Geschichte der Bankiersfamilie aus Florenz nachzuvollziehen. Der Patriarch der Familie, Giovanni de Medici, ist mit den Finanzen des Papstes betraut, was zum wirtschaftlichen Aufstieg seiner Familie führt. Giovanni möchte seine Familie in dieser Machtstellung etablieren und ordnet dem Erfolg alles andere – insbesondere auch das persönliche Glück seiner Söhne – unter. Daher führt er auch seine beiden Söhne Cosimo und Lorenzo in das Bankgeschäft ein. Vor allem Cosimo wäre allerdings statt Bankier lieber Künstler und muss erst nach und nach in die für ihn vorgesehene Rolle hineinwachsen; denn der Vater setzt in diesen sein Vertrauen, die Geschäfte der Medici-Bank in Zukunft zu führen und die Rolle des Familienoberhauptes zu übernehmen.

Im Vordergrund der Serie stehen neben den historisch-politischen Fehden und Rivalitäten, insbesondere mit der adeligen Familie Albizzi und dessen Vertreter Rinaldo degli Albizzi, vor allem auch ein Bruder-Konflikt zwischen Cosimo und Lorenzo, Konflikte zwischen Mann und Frau, die sich insbesondere daraus ergeben, dass für Cosimo de‘ Medici eine Ehe mit Contessina de‘ Bardi arrangiert wird, obwohl dieser bereits in eine andere Frau verliebt ist. Beide Brüder teilen außerdem ein angespanntes Verhältnis zu ihrem Vater Giovanni, welches aus einer Mischung aus großem Respekt und tiefer Abneigung besteht. Der Kampf um die Vorherrschaft und Macht in Florenz zwischen der Familie Medici und der Familie Albizzi nimmt dabei einen Großteil der Handlung der ersten Staffel von „Die Medici – Herrscher von Florenz“ in Anspruch.

Jene ist hochwertig produziert und allein deshalb schon schön anzuschauen. Hier gibt es umwerfende Landschaftsaufnahmen und grandios inszenierte Städte, die den Zuschauer in die Renaissance im damaligen Florenz katapultieren. Dabei wird oft aus großer Distanz gefilmt, was Atmosphäre schafft und überwältigend wirkt.
Die musikalische Untermalung ist ebenfalls pompös, durchgehend stimmungsvoll und passt wunderbar zu den Bildern.

Die Handlung ist gerade zu Beginn sehr gemächlich und der Funke will zunächst nicht so recht überspringen; spätestens ab der vierten Folge nimmt die Serie aber an Fahrt auf und baut rasanter Konflikte auf, die sich zuspitzen. Gerade zum Ende dieser ersten Staffel kann „Die Medici – Herrscher von Florenz“ auch noch einmal mit umwälzenden Ereignissen glänzen.

Die Auswahl der SchauspielerInnen ist wunderbar gelungen und so präsentiert die Serie einen guten Mix aus bekannten Gesichtern bzw. Superstars, wie Dustin Hoffman als Patriarch Giovanni di Bicci de‘ Medici oder Brian Cox als Vorsitzenden der Signoria und unbekannteren Darstellern. Viele Anleihen haben die Macher dabei beim Cast der HBO-Erfolgsserie „Game of Thrones“ gemacht. So wird der Protagonist Cosimo von Richard Madden gespielt, der weltweite Bekanntheit vor allem durch seine dortige Rolle des Robb Stark erlangte. Wir sehen aber auch kurze Zeit David Bradley (der auch Hausmeister Filch in den Verfilmungen der „Harry-Potter“-Reihe ist) in der Rolle von Cosimos Schwiegervater; auch dieser ist in der Rolle des Walder Frey in „Game of Thrones“ zu sehen. Ebenso war Stuart Martin, der den Part des Lorenzo di Giovanni de‘ Medici spielt, bereits in einer Folge zu sehen. Es sei aber der Hinweis erlaubt, dass die beiden Serien, trotz dieses in Teilen übereinstimmenden Casts, nicht besonders viel gemeinsam haben; geht es hier doch wesentlich ruhiger zu. Besonders hervorzuheben ist noch die bildschöne britische Schauspielerin Annabel Scholey, die noch weitgehend unbekannt sein dürfte und hier als starke Frauenfigur in der Rolle der Ehefrau Contessina de‘ Medici glänzt und die Serie bereichert.

Cosimo de‘ Medici (Richard Madden) und seine Ehefrau Contessina de‘ Medici (Annabel Scholey) | Copyright: Universum Film

Übrigens fühlt sich der Zuschauer hier zunächst von den Machern der Serie betrogen; so stirbt doch die Rolle von Dustin Hoffman gleich zu Beginn der Serie, obwohl mit ihm auf dem Cover geworben wird (das ist kein großartiger Spoiler: Es passiert wirklich unmittelbar zu Beginn der Serie!). Dieses Gefühl der Bitterkeit ebbt allerdings schnell ab, wenn man im Laufe der ersten Staffel sieht, dass der Patriarch Giovanni noch Bestandteil zahlreicher Rückblenden ist.

Insgesamt handelt es sich bei „Die Medici – Herrscher von Florenz“ um eine sehenswerte neue Serie, die zwar einige Schwächen hat, aber dennoch gut unterhält; ob sie sich jedoch auf dem umkämpften Serienmarkt dauerhaft behaupten kann, bleibt bei all der Konkurrenz abzuwarten. Die Produzenten haben jedenfalls eine zweite Staffel angekündigt und bisher lohnt es sich, da am Ball zu bleiben.

Trailer

Inhalt

Florenz, 1429: Giovanni de‘ Medici (Dustin Hoffman), der einflussreiche Patriarch der Familie, ist gestorben und nun muss sein Sohn Cosimo de‘ Medici (Richard Madden) die Rolle des Familienoberhauptes übernehmen. Neben dieser Herausforderung gibt es jedoch noch eine weitere: Außerhalb der Familie weiß niemand, dass Giovanni ermordet wurde und Cosimo setzt alles daran, den Mörder seines Vaters zu finden. Bald geht es somit nicht mehr nur um die Vormachtstellung der Medicis, sondern auch um Cosimos Leben.
Nur sein Bruder Lorenzo de‘ Medici (Stuart Martin) und sein loyaler Diener Marco Bello (Guido Caprino), stehen ihm dabei treu zur Seite. Könnte der unerbittliche Erzfeind der Familie, Rinaldo Albizzi (Lex Shrapnel), für den Tod seines Vaters verantwortlich sein oder gibt es noch weitere Intrigen?

(Quelle: Universum Film)

Episoden

01 Erbsünde
02 Kathedrale
03 Pest
04 Todesurteil
05 Versuchung
06 Vorherrschaft
07 Fegefeuer
08 Offenbarung

Details

Sprache: Deutsch (DTS-HD 5.1), Englisch (DTS-HD 5.1)
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 2
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Universum Film GmbH
Erscheinungstermin: 07.04.2017
Produktionsjahr: 2016
Spieldauer: 435 Minuten

Copyright Cover: Universum Film



Über den Autor

Fabian
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Warum denn so ernst?