Review

In dem Thriller „Der unsichtbare Gast“ vom spanischen Drehbuchautor und Regisseur Oriol Paulo sehen wir in der Hauptrolle den hierzulande noch weitgehend unbekannten spanischen Schauspieler Mario Casas. Außerdem gehört vor allem auch Ana Wagener zum Cast. Diese spielte etwa schon in dem Drama „Biutiful“ aus dem Jahr 2010 des Star-Regisseurs Alejandro González Iñárritu mit, welcher seinerseits in den letzten Jahren für seine Filme „Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“ und „The Revenant – Der Rückkehrer“ zahlreiche Auszeichnungen erhielt.

In dem vorliegenden Thriller geht es vor allem um den jungen und erfolgreichen Geschäftsmann Adrián Doria (Mario Casas), der sich in einer äußerst misslichen Lage wiederfindet. Der erst kürzlich zum Mann des Jahres ernannte Doria wird von der Polizei in einem Hotelzimmer verhaftet, nachdem er dort neben der Leiche seiner Liebesaffäre Laura (Bárbara Lennie) aufgefunden wurde. Alle Indizien sprechen dabei gegen den erfolgreichen Geschäftsmann, denn die Tür war von innen versperrt, die Fenster unversehrt und es gibt (vorerst) keine anderen Verdächtigen. Infolgedessen wird der dringend Tatverdächtige von seiner Ehefrau samt Tochter verlassen.
Seine Hoffnungen ruhen daher auf der Star-Anwältin Virginia Goodman (Ana Wagener). Diese hat zwar vor kurzem ihre erfolgreiche juristische Laufbahn beendet, doch sie möchte mit diesem letzten großen Fall abschließen. Zu Beginn des Filmes klopft Anwältin Goodman mit einer neuen Verteidigungsstrategie im Gepäck an Dorias Tür. Als Gegenleistung fordert sie von ihrem Mandanten aber die schonungslose Wahrheit…

Mehr wird zum Inhalt an dieser Stelle nicht verraten, denn „Der unsichtbare Gast“ kann seine Wirkung auf den Zuschauer am besten entfalten, wenn dieser so wenig wie möglich über den Film weiß.

Stilistisch vermag der Thriller vor allem durch ständige unerwartete Wendungen und Story-Twists zu überzeugen, wodurch es ihm gelingt, den Zuschauer von Anfang an bis zum Ende in seinen Bann zu ziehen. Dies liegt insbesondere daran, dass der Film sich zahlreicher Flashbacks bedient. Diese sind allerdings von der subjektiven Erzählung des Protagonisten geprägt. Der Zuschauer wird daher oft mit unerwarteten Wendungen konfrontiert, die gerade auch auf der Technik des unzuverlässigen Erzählens basieren (weitere ausgezeichnete Filme, die sich des Stilmittels des unzuverlässigen Erzählens bedienen, sind etwa: „Fight Club“, „Die üblichen Verdächtigen“, „Memento“, „Shutter Island“ oder auch „Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger“; allesamt sehenswert und unbedingt zu empfehlen). Der Film regt das Publikum derart dazu an, durchgehend mitzudenken und zu tüfteln. Ebenso wie Star-Anwältin Virginia Goodman versucht der Zuschauer aus Doria schlau zu werden und grübelt, ob dieser nun eine stichhaltige Geschichte oder „zusammenhanglosen Mist“ berichtet. An einer Stelle weist die Anwältin ihren Mandanten auf ihr „Konzept des Querdenkens“ hin, welches darin bestehe, die Perspektive zu verändern, aus der man gewisse Ereignisse analysiere. Dieser Tipp ist sicherlich auch für das Publikum hilfreich.

Das international noch unbekannte Gesicht Mario Casas kann als Hauptfigur Adrián Doria auf ganzer Linie überzeugen. Man nimmt ihm sowohl das bemitleidenswerte Opfer unglücklicher Umstände als auch den eiskalten und berechnenden Geschäftsmann ab; oder frei nach Verteidigerin Goodman: auch das miese arrogante Arschloch.
Allein Ana Wagener in ihrer Rolle als gänzlich abgeklärte und versierte Juristin Virginia Goodman stiehlt ihrem jungen Gegenüber noch etwas die Show; immer wieder spielt sie intensiv und emotional groß auf und trägt zur Intensität des Thrillers maßgeblich bei. Auch Bárbara Lennie glänzt in jeder Hinsicht in ihrer Rolle der (vielschichtigen) Laura. Positiv hervorzuheben ist auch, dass alle Nebendarsteller hier durchweg gut aufgelegt sind; durchaus keine Selbstverständlichkeit.

Geschäftsmann Adrián Doria (Mario Casas r.) in „Der unsichtbare Gast“ (Copyright: Koch Media)

Weiterhin ist hier die hervorragende musikalische Untermalung zu loben, denn der Soundtrack unterstützt durchgehend die packende Handlung und ruft beim Zuschauer eine beunruhigende und unheilvolle Stimmung hervor.

Einige Twists in „Der unsichtbare Gast“ wirken sicher etwas künstlich und wurden nur um des Verwirrspiels willen eingeflochten, dennoch handelt es sich bei diesem packenden Thriller um eine kleine unscheinbare Perle auf dem großen Filmmarkt. Man kann nur hoffen, dass sich das auch unter Cineasten noch ein wenig herumspricht, damit der Film die internationale Anerkennung erhält, die er verdient und mehr wird als nur ein Geheimtipp, denn es ist wahrlich ein Jammer, dass es ein solcher Film bei uns nicht (mehr) in die Lichtspielhäuser schafft.

Trailer

Inhalt

Ein verschlossener Raum, eine Leiche und ein dringend Tatverdächtiger: Dem erfolgreichen Geschäftsmann Adrián Doria läuft die Zeit unerbittlich davon, als er im Verdacht steht, seine Geliebte umgebracht zu haben und er alles zu verlieren droht …

(Quelle: Koch Media)

Details

Sprache: Deutsch (DTS-HD 5.1), Spanisch (DTS-HD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Koch Media GmbH – DVD
Erscheinungstermin: 23.02.2017
Produktionsjahr: 2016
Spieldauer: 106 Minuten
Extras: Kinotrailer

Copyright Cover: Koch Media



Über den Autor

Fabian
Fabian
Warum denn so ernst?