Review

Ab 1979 eroberte „Der kleine Vampir“ die Herzen der kleinen und großen Fantasy-Fans. Die Begeisterung für die unter diesem Titel veröffentlichte Buchreihe von Angela Sommer-Bodenburg manifestierte sich Mitte der 80er Jahre schließlich in einer TV-Serienadaption und auch 2018 ist der Hype um Rüdiger und Anton scheinbar nicht gebrochen. So nehmen sich in dem vorliegenden „Abenteuer mit Biss“ die Regisseure Karsten Kiilerich und Richard Claus der Freundschaft zwischen dem kleinen sympathischen Vampirjungen und dem Menschenkind an.

Herausgekommen ist dabei ein action- und temporeiches Vampir-Animationsspektakel vor allem für Kinder, das darüber hinaus aber auch „erwachsenentauglich“ ist. Oder wie es Synchronsprecher Wigald Boning in seinem im Bonusmaterial vorzufindenden Interview ausdrückt: Hier ist „ein rasanter, Action forcierter Sehgenuss unausweichlich“.
Dem mag man eingeschränkt zustimmen, denn an einigen Stellen zeigt sich noch Luft nach oben.

Im Kino lief „Der kleine Vampir“ schon im Oktober 2017 an und flog dort in 3D effektvoll über die Leinwand. Betrachtet man nun die Heimkinofassung, muss man eingestehen, dass ohne 3D-Effekte einiges an Sehvergnügen verloren geht.

Inhaltlich dichten die Macher hingegen Elemente und ganze Figuren (wie z.B. Manni; gesprochen von Wigald Boning) der Basis der Originalvorlage hinzu. Dies und die Adaption des Stoffes an die heutige Zeit und somit die Anpassung an die Lebenswelt der zuschauenden Kinder peppen den Klassiker auf und verleihen ihm einen modernen Anstrich.
Zudem bieten die Abweichungen zu den Romanen und der TV-Serie gerade eingefleischten Fans einen Anreiz, sich den „kleinen Vampir“ nun auch in diesem Filmformat anzuschauen.

Wie bei Animationsfilmen nicht untypisch, ist die Synchronisation nicht immer auf den Punkt. Auch im „kleinen Vampir“ wird man feststellen, dass die Sprecher diesbezüglich einige Freiheiten genossen haben. Derartige Ungenauigkeiten nimmt man bei diesen Formaten stets in Kauf, in diesem Fall wirkt an einigen Stellen jedoch die Gestik und (eher grobschlächtig ausgefallene) Mimik nicht immer zur Synchronisation passend. Durch die wenig differenzierte Mimik sind zudem Emotionen selten ables- und erkennbar.

Einige „Verständigungsprobleme“ könnte man auch mit den „Gastgebern“ der Familie Bohnsack während ihres Urlaubs im Schwarzwald haben. Zwar sind die beiden Figuren und ihre Szenen lustige Ideen, aber selbst für erwachsene und des Alemannischen mächtige Zuschauer sind die beiden Rollen oft nur schlecht verständlich.

Gut herausgearbeitet und betont werden in „Der kleine Vampir“ allerdings die bereits in den Romanen und der TV-Serien ausschlaggebenden Themen Freundschaft und Akzeptanz der Andersartigkeit. Die damit verbundenen moralischen Botschaften kommen definitiv an, ohne den Zeigefinger zu erheben.
Mit der Logik sollte man es hier hingegen natürlich nicht immer so genau nehmen, denn im Nu wird zwischen Deutschland und Transsilvanien hin- und hergeflogen, als gäbe es keinerlei geografische Distanzen.

Anton Bohnsack im Kreise der Familie von Schlotterstein in „Der kleine Vampir“ (Copyright: Universum Film)

Doch apropos Transsilvanien: Vampire, Animationen und ein Menschenjunge in der Welt der vermeintlichen Blutsauger? Da kommt einem natürlich die Reihe „Hotel Transsilvanien“ in den Sinn. Im direkten Vergleich punktet diese Animationsfilmreihe aber vor allem mit einer schnelleren Gagfolge. Nicht, dass „Der kleine Vampir“ nicht auch lustige Szenen besitzen würde. Im Gegenteil. Doch vermehrt richtet sich der Humor eher an das jüngere Publikum und so unterhaltsam ein Running Gag – wie in diesem Fall die fliegende Kuh – auch sein mag, ihr kommt eindeutig zu viel Screen Time zu, was den Witz schnell ausreizt.

Von diesen kleinen Kritikpunkten abgesehen ist „Der kleine Vampir“ aber eine schöne Unterhaltungsmöglichkeit für zwischendurch, die besonders bei Kindern gut ankommen dürfte.

Trailer

Inhalt

Alterslos sein – was für Unsereins verlockend klingt, ist für Rüdiger von Schlotterstein kein Grund zur Freude. Als Vampir wird er einfach nicht älter und feiert seinen 13. Geburtstag nun schon zum 300. Mal! Auch wenn er selbst nicht in Stimmung ist, planen seine Eltern in der heimischen Gruft in Transsilvanien ein Fest mit der gesamten Verwandtschaft. Kurz bevor die Geburtstagsfeier steigen kann, rebelliert Rüdigers älterer Bruder Lumpi mal wieder gegen die strengen elterlichen Regeln und begeht eine Dummheit, die Vampirjäger Geiermeier und dessen Assistenten Manni auf die Spur der Familie führt. Als die beiden Schurken die gesamte Gruft abriegeln, können sich nur Rüdiger, seine kleine Schwester Anna und die Eltern in Sicherheit bringen und zu Verwandten in den Schwarzwald fliehen. Hier verbringt gerade der 13-jährige Anton Bohnsack die Ferien mit seinen Eltern. Als Fan von Gruselgeschichten freut er sich riesig, endlich mal einen waschechten Vampir kennenzulernen! Nach anfänglichen Schwierigkeiten schließen die beiden ungleichen Jungen Freundschaft und versuchen gemeinsam, Geiermeier und Manni endgültig das Handwerk zu legen und den Vampirclan aus der Gruft zu befreien …

Basiert auf der gleichnamigen Kinderbuchreihe DER KLEINE VAMPIR von Angela Sommer-Bodenburg, deren Bände weltweit mehr als zwölf Millionen Mal verkauft und in über 30 Sprachen übersetzt wurden.

(Quelle: Universum Film)

Der kleine Vampir – Homepage zum Film

Details

Format: Dolby, PAL, Widescreen
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 – 2.40:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ohne Altersbeschränkung
Studio: Universum Film GmbH
Erscheinungstermin: 30.03.2018
Produktionsjahr: 2017
Spieldauer: 77 Minuten
Extras: Audiodeskription für Blinde und Sehbehinderte / Interviews mit Richard Claus und Wigald Boning

Copyright Cover: Universum Film GmbH



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde