Review

Was täten die Ermittler aus Krimiformaten wie den diversen „CSI“-Ablegern wohl ohne die ihnen zur Verfügung stehenden Mittel und Techniken? Vermutlich genau das, was „Der junge Inspektor Morse“ tun muss: sich auf seinen Instinkt und die gegebenen Fakten konzentrieren und dabei viel Fuß- und Handarbeit an den Tag legen. Denn in den 60er Jahren waren die Möglichkeiten der Kriminalistik einfach noch sehr beschränkt.

In diese Zeit entführt die neue Serie „Der junge Inspektor Morse“ die Zuschauer allerdings und startet mit vorliegender Veröffentlichung das Prequel zur erfolgreichen britischen Krimireihe „Inspektor Morse“.
Die vorrangige Zielgruppe liegt damit auf der Hand: Morse-, Lewis- und Nostalgie-Fans sollten sich angesprochen fühlen. Dass jedoch auch Krimi-Liebhaber mit einem Faible für Retro-Aspekte auf ihre Kosten kommen können, zeigt bereits der Pilotfilm „Ein Gedicht“. Jener wird die Zuschauer schnell ein Urteil über Ge- und Missfallen fällen lassen, denn die knapp 90 Minuten führen nicht nur in die neue Krimireihe ein, sondern vereinen bereits alle Zutaten, die es hier auch in den weiteren Episoden der ersten Staffel zu sehen gibt.

Die meiste Screentime räumen die Macher dabei natürlich dem Gesicht und Titelgeber der Serie ein: Dem jungen Inspektor Morse, gespielt von Shaun Evans. Dieser füllt seine Rolle gelungen aus und macht im 60er Jahre Look eine gute Figur.

Doch nicht nur die Besetzung betreffend erfüllt „Der junge Inspektor Morse“ der damaligen Zeit alle Erwartungen. Bis ins kleinste Detail wurde diesbezüglich auf eine authentische Darstellung geachtet; insbesondere dem Rauchen am Arbeitsplatz wird in allen Folgen ausgiebig gefrönt, während es zudem die Requisiten und „Kostüme“ den Zuschauern leicht machen, in die Vergangenheit zu reisen.

Das Team aus „Der junge Inspektor Morse“ (Copyright: Edel:Motion)

Entsprechend der von den Ermittlern abverlangten „Handarbeit“ gestalten sich die Fälle inhaltlich zwar für die hier gezeigten „damaligen“ Verhältnisse teilweise spektakulär, werden aber meist sehr gemächlich präsentiert. Die dadurch teils vorhandenen Längen wirken jedoch nicht zu zäh, sondern bieten beispielsweise durch die liebevoll arrangierten Kulissen ein intensiveres Abtauchen in die 60er.
Auch die Ermittlungsarbeit als solche wirkt frei von Hektik und erfordert das Kombinationsgeschick der Hauptfiguren. Dies unterstreicht insbesondere den intellektuellen Zug des Protagonisten und fordert zugleich ein durchdachtes Handlungskonstrukt. Das gelingt den Machern, sodass die Fälle logisch und nachvollziehbar bleiben.

Den 60er-Charme der Serie muss man natürlich mögen, denn ohne diese Grundvoraussetzung zu erfüllen, wird man mit „Der junge Inspektor Morse“ nicht viel anfangen können. Fern von Cyberkriminalität, bunter Action und moderner Technik weckt „Der junge Inspektor Morse“ gerne mal Erinnerungen an Krimi-Klassiker und wird trotz jungem Titelhelden auch eher deren Liebhaber ansprechen. Das Potenzial, sich einem breiteren Publikum zu öffnen, ist allerdings vorhanden; vielleicht schafft dies bereits die für November angekündigte zweite Staffel auf DVD.

Trailer

Handlung

Zum ersten Mal, seit Endeavour Morse sein Studium abgebrochen hat, kehrt er zurück nach Oxford, um einen Posten bei der örtlichen Kriminalpolizei anzunehmen. Auf der untersten Stufe der Karriereleiter mit Schreibarbeiten betraut, mischt sich der Neuling nach und nach immer mehr in die rätselhaften Kriminalfälle ein. Dank seiner Fähigkeit, scheinbar unwichtige Puzzlestücke zusammenzufügen, entziffert er auf eigene Faust die verschlüsselten Botschaften eines vermissten Schulmädchens, dessen Suche die Polizei nahezu aufgegeben hat. Durch seine unkonventionellen Methoden erlangt der neue Detective Constable schnell die Aufmerksamkeit des Kriminalinspektors Thursday, welcher ihn kurzerhand unter seine Fittiche nimmt, um den Fall weiter zu untersuchen.

Dunkle Familiengeheimnisse, ein diabolischer Serienkiller, ein königlicher Besuch in der ortsansässigen Munitionsfabrik und die Schatten der Londoner Gangs über Oxford, dies alles wird den jungen Morse an seine Grenzen bringen. Wird er es schaffen, über sich hinauszuwachsen?

(Quelle: Edel:Motion) 

Episoden

DVD 01
– Ein Gedicht – Pilot

DVD 02
– Mädchen
– Mord nach Noten

DVD 03
– Alte Liebe
– Leichte Beute

Details

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Deutsch
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 3
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Edel Germany GmbH
Erscheinungstermin: 02.10.2017
Produktionsjahr: 2013
Spieldauer: 449 Minuten

Copyright Cover: Edel:Motion



Über den Autor

Conny
Conny

„Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert.“ – Oscar Wilde