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1855 wird mit der Eisenbahn von London aus regelmäßig eine enorme Menge Goldbarren in den Hafen von Folkestone als Sold für die Soldaten im Krimkrieg transportiert. Diese Ladung Gold ist mit zahlreichen Sicherheitsvorkehrungen vor Banditen und Halunken geschützt. Viele halten dies jedoch für verschwendete Liebesmüh – Wer raubt schon einen fahrenden Zug aus?

Doch der Londoner Gentleman-Ganove Edward Pierce (Sean Connery) plant genau das – vermeintlich – Unmögliche. Gemeinsam mit seiner attraktiven Gespielin und Komplizin Miriam (Lesley-Anne Down) und seinem langjährigen Kumpan, dem findigen Schlossknacker Robert Agar (Donald Sutherland) will er den mit vier Schlössern gesicherten Tresor in dem fahrenden Zug knacken und sich mit den Goldbarren aus dem Staub machen. Das Augenmerk der Ganoven liegt daher vor allem darauf, in den Besitz der vier verschiedenen Tresorschlüssel zu gelangen. Freilich wollen dazu einige Schwierigkeiten mit verbrecherischer List und Tricks überwunden werden.

Mit „Der große Eisenbahnraub“ erscheint bei Koch Media wieder einmal ein Filmklassiker in neuer Veröffentlichung. Michael Crichtons (als Autor: „Jurassic Park“, „Vergessene Welt“) Film aus dem Jahr 1979 ist ein archetypisches Heist- oder Caper-Movie mit allen zugehörigen Wesensmerkmalen, gespickt mit Elementen eines Ausstattungsfilms. Crichton erweist sich hierbei als kreativer Tausendsassa, schließlich handelt es sich um eine Verfilmung seines eigenen Romans, bei der er selbst auf dem Regiestuhl Platz nahm und auch noch das Drehbuch verfasste.

Den Protagonisten des Films mimt Oscar-Preisträger Sean Connery („James Bond“, „Mord im Orient-Express“, „Die Unbestechlichen“) in unnachahmlich smarter und geschmeidiger Manier. Ihm gelingt es spielerisch, Ganove und Charmeur in einer Person zu verkörpern und als Gauner den Sympathieträger zu geben. Donald Sutherland („Die Tribute von Panem“-Reihe) und Lesley-Anne Down („Dallas“) können in ihren Rollen ebenfalls glänzen.

Die Stimmung und das Setting sind ebenfalls passend gelungen. Hier gibt es tolle Kostüme und die Ausstattung erweckt das Viktorianische Zeitalter zum Leben.

Mitunter ist der Film unerwartet pikant und schlüpfrig für sein Alter„, was gelegentliche Schmunzler hervorruft, hier und da aber gar etwas bemüht wirkt, so als wollte man ein paar Grenzen austesten.

Weniger unerwartet kommt es, dass es hier teilweise chauvinistisch und machomäßig zugeht. Das spiegelt sich auch in dem gezeigten Frauenbild wider, denn Lesley-Anne Downs Rolle rechtfertigt ihre Beteiligung bei dem großen Ganovenstreich primär durch den üppigen Einsatz ihrer weiblichen Reize, zieht permanent die Blicke der lüsternen Männer auf sich und kann nicht eben mit Einfallsreichtum oder artistischem Geschick glänzen, wie ihre männlichen Gefährten. Das soll hier aber nicht als sonderlich abträglich eingestuft werden.

Gentleman-Ganove Edward Pierce (Sean Connery) in Michael Crichtons „Der große Eisenbahnraub“ (Copyright: Koch Media)

Anzumerken ist allerdings, dass „Der große Eisenbahnraub“ für einen Heist – jedenfalls aus heutiger Sicht – nicht allzu spektakulär, trickreich oder überraschend daherkommt. Die einzelnen Coups, um an die vier verschiedenen Tresorschlüssel zu gelangen, sind gefällig, ohne den Zuschauer (ansatzweise) umzuhauen. Kaum eine der Szenen kann für eine handfeste Überraschung sorgen. Interessierte sollten also nicht gerade die „Ocean’s Eleven“-Art eines Überfalls erwarten.

Doch Ehre, wem Ehre gebührt: Gegen Ende des Films musste Sean Connery auf dem Dach eines Zuges vom Gepäckwagen nach vorne laufen, wobei der Zug mit knapp 90 km/h unterwegs war, und Connery führte den Stunt selbst aus. Das würde heutzutage – außer Tom Cruise – wohl kaum noch jemand nachmachen.

Crichtons Mix aus elegantem Ausstattungsfilm & Heist ist in seinen besten Momenten jedenfalls humoristisch und unterhaltsam. Dabei ist er durchgehend charmant, ohne letztendlich der ganz große Wurf zu sein. Kann man sich auf jeden Fall mal anschauen.

Trailer

Inhalt

Kein Tresor ist vor ihm sicher: Der Londoner Gentleman-Ganove Edward Pierce (Sean Connery) plant das scheinbar Unmögliche. Als erster Gauner überhaupt will er Mitte des 19. Jahrhunderts einen fahrenden Zug um eine Ladung Goldbarren erleichtern. Zusammen mit seinem langjährigen Partner Robert Agar (Donald Sutherland) und seiner Geliebten Miriam (Lesley-Anne Down) macht er sich daran, seinen waghalsigen Plan in die Tat umzusetzen.

Mit diesem opulenten und eleganten Ausstattungsfilm erfüllte sich Kult-Autor Michael Crichton („Jurassic Park“) den Traum, bei der Verfilmung seines eigenen Romans selbst auf dem Regiestuhl Platz zu nehmen. In einer mit vielen temporeichen Szenen gespickten Produktion durfte er dabei auf ein unvergleichliches Starensemble um Sean Connery, Donald Sutherland und Lesley-Anne Down vertrauen, das „Der große Eisenbahnraub“ zum Hochgenuss für Freunde aufwändig inszenierter Thrillerkomödien werden lässt.

(Quelle: Koch Media)

Details

Sprache: Deutsch (PCM2 .0), Englisch (PCM2 .0)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Koch Media GmbH
Erscheinungstermin: 24.05.2018
Produktionsjahr: 1979
Spieldauer: 106 Minuten
Extras: Trailer, Audiokommentar von Michael Crichton, Bildergalerie

Copyright Cover: Koch Media



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)