Review

Mit dem Animationsfilm „Deep“ von Regisseur Julio Soto Gurpide taucht der Zuschauer hinab in die Tiefen des Ozeans. Der Ort des Geschehens: eine Tiefsee-Höhle, bewohnt von allerlei buntem Meeresgetier. Darunter auch wahre „kleine Helden der Tiefsee“, wie der Untertitel verheißt.

Darum geht es

Ganz so heldenhaft wirken diese „Helden der Tiefsee“ allerdings gar nicht. Denn die kleine Hauptfigur, Krake Thommie, versäumt es nicht, vor lauter Übermut und durch eine ausgeprägte Abenteuerlust in das eine oder andere Fettnäpfchen zu treten. Während die Erde bereits durch die Menschen verwüstet wurde, bringt nun auch eine von ihm ausgelöste Katastrophe den Lebensraum der Tiefsee-Höhlenbewohner in Gefahr. Hilfe soll durch den Wal Nathan erfolgen, doch dieser muss erst einmal aufgespürt werden. Und so nimmt das Abenteuer rund um Thommie und seine Freunde in „Deep – Kleine Helden der Tiefsee“ seinen Lauf.

Bekannte Vorbilder

Schon bald stellt der Zuschauer fest, dass in den 92 Minuten des Films nicht nur häufig Disney-esk gesungen wird, sondern sich auch an den Gags von „Findet Nemo“ oder „Große Haie – Kleine Fische“ versucht wird. Das Ergebnis ist alles in allem jedoch nur ein magerer Kompromiss dieser beiden Erfolgsfilme. Weder an den einen noch an den anderen kommt „Deep“ heran und auch die hohen Erwartungen, die die Ankündigung „Vom Macher von Madagascar“ auf dem Cover der DVD weckt, können nicht erfüllt werden. Mehr noch: mit voranschreitender Laufzeit wird die Handlung zuweilen sogar sehr abstrus.

Zombie-Fische, Vampir-Oktopus und die Titanic

Denn um scheinbar die Parallelen zu besagten großen Vorbildern nicht ganz so offensichtlich werden zu lassen, nimmt „Deep“ im weiteren Verlauf absurde Züge an, die die Tiefsee-Helden kurzzeitig zu Science-Fiction-Statisten mutieren lassen. Ein Handlungsverlauf, der für ein wenig Kopfschütteln sorgt und all jene enttäuschen wird, die sich ein animiertes „klassisches“ Unterwasserabenteuer mit exotischen Figuren erhofften.

Die Figuren wiederum sind ganz ansehnlich. Hier und da mit Kindchenschema versehen, überbieten sich einige Meeresbewohner an Niedlichkeit, während auch liebenswürdige Bösewichte optisch nett in Szene gesetzt werden.
Weshalb „Deep“ jedoch auf Sidekicks in Form von Zombie-Fischen und Vampir-Oktopus setzt, erschließt sich dem Zuschauer nicht. Zudem dürfte die Einbindung der gesunkenen Titanic (inklusive der Anspielungen auf den entsprechenden Kinofilm) nur von erwachsenen Zuschauern verstanden werden.

Ein eigener Humor

Dies mag dem ganz eigenen Humor des Films geschuldet sein, der nicht immer überzeugt. Überwiegend auf Kleinkind-Niveau finden die eher rar gesäten Gags statt. Teils bedient man sich dabei an bekannten Running Gags (wie „Fische sind Freunde, kein Futter“). Selten ergeben sich auch situationskomische Momente, die dann allerdings ihre Pointe verpassen.

Durch die Art von Humor und oftmals unlogischen Handlungsstränge wirkt auch Protagonist Thommie zunehmend nervig. Das eigentlich sympathische, schnell aber eher dümmlich wirkende Kraken-Kerlchen wird seiner Heldenrolle nicht gerecht. Das führt letztlich dazu, dass die anderen Figuren beim Zuschauer weitaus mehr in den Fokus rücken.

Und die Moral von der Geschichte

Eine vielfältige Tierwelt wartet in „Deep – Kleine Helden der Tiefsee“ auf die Zuschauer. (Copyright: Ascot Elite)

Ebenfalls in den Fokus rücken immer mal wieder sehr markant die moralischen Züge des Films. Typische Themen wie Freundschaft, Teamgeist, Zusammenhalt und Hilfsbereitschaft finden übertrieben betont ihren Platz. Das ist zwar nicht neu, wurde hier aber leider auch nicht gut integriert. Vielmehr wirkt das Ganze ebenso krampfhaft in den Film gezwungen wie der unpassende Vampir-Oktopus und die Zombie-Fische. In „Deep“ wollte man somit viel unterbringen, ohne auf harmonische Integration und Sinnhaftigkeit zu achten.

Ausnahmslos gut gelungen ist dafür die Synchronisation aller tierischen Akteure.

Fazit

Mit den großen bekannten und beliebten Animationsfilmen für die ganze Familie kann „Deep – Kleine Helden der Tiefsee“ nicht mithalten. Darüber hinaus kann sich dieser Animationsfilm nicht entscheiden, ob er Kinder oder Erwachsene unterhalten will; beide Zuschauergruppen kommen dadurch schließlich nicht auf ihre Kosten. So bleibt am Ende ein Film, den sich vor allem jene zulegen werden, die auf keine Veröffentlichung des Genres in ihrer Sammlung verzichten wollen. Diese sollten dann jedoch zur Blu-ray greifen, die szenenweise mit 3D-Ausschnitten die Unterwasserwelt noch ein wenig spektakulärer erscheinen lässt.

Trailer

Handlung

Eine bunte Kolonie von Meerestieren hat sich in eine Tiefsee-Höhle zurückgezogen, nachdem die Menschen die Erde verwüstet haben. Hier können sie geschützt leben. Wenn nur der vorwitzige kleine Krake Thommi nicht wäre! Bei einer verbotenen Erkundungstour löst er eine Katastrophe aus, die alle in höchste Gefahr bringt. Nur der starke Wal Nathan kann jetzt noch helfen, doch der lebt weit entfernt. Thommi und seine Freunde begeben sich auf eine abenteuerliche Suche.

(Quelle: Ascot Elite)

Details

Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ohne Altersbeschränkung
Studio: Studio: Ascot Elite
Erscheinungstermin: 26.10.2018
Produktionsjahr: 2017
Spieldauer: 92 Minuten
Extras: Bonusclips / Originaltrailer / Trailershow

Copyright Cover: Ascot Elite



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde