Review

Das Märchen „Das kalte Herz“ von Wilhelm Hauff, erstmals erschienen 1827 in Hauffs „Märchenalmanach auf das Jahr 1828“, bot sich schon seit 1924 immer wieder für eine Verfilmung an. Auch im Jahr 2016 sollte die Handlung über Peter Munk und den Holländermichel viele Besucher in die deutschen Kinos locken, denn Regisseur Johannes Naber nahm sich dem Märchenstoff an und interpretierte ihn in einer modernen, aber dem Kontext angemessen umgesetzten Inszenierung neu. Nun gibt es „Das kalte Herz“ auch auf DVD, Blu-ray und digital.

Als „spektakuläres Fantasy-Epos mit deutscher Starbesetzung fürs Heimkino“ kündigt die Pressemitteilung diese Veröffentlichung an – und von schauspielerischer Seite sind es tatsächlich große Namen wie Frederick Lau, Milan Peschel, Moritz Bleibtreu und Henriette Confurius, die den Zuschauern ein Anschauen des Films reizvoll machen.
Hinter den damit einhergehenden hohen Erwartungen bleibt „Das kalte Herz“ allerdings zurück, denn die Chance auf „großes Kino“ wurde vertan.

Dass es sich um eine deutsche Verfilmung handelt, ist in diesem Falle nur bedingt ein Gütesiegel.
Nicht nur die trotz moderner Ansätze stets etwas bieder wirkende Inszenierung, sondern auch der Umstand, dass die deutsche Sprache scheinbar eine schwere Sprache zu sein scheint, was sich immer mal wieder in einer eher nuscheligen und noch dazu (im Vergleich zu Soundeffekten und Filmmusik) leisen Sprachausgabe insbesondere der männlichen Schauspieler des deutschen Entertainmentbereichs (angefangen bei Til Schweiger bis hin zum hier zu sehenden Frederick Lau) manifestiert, untermauern diesen Eindruck. Einzig Moritz Bleibtreu sticht in diesem Zusammenhang ausnahmslos positiv hervor und fällt besonders durch seine deutliche und gewandte Artikulation auf, die schon fast ein wenig Theater-esk anmutet.

Insgesamt wird das Potenzial des Märchens in seiner tragisch-traurigen, dunkel-düsteren Art nur unzureichend ausgeschöpft. Diesbezüglich hätte vor allem die emotionale Ebene der Handlung weitaus intensiver verdeutlicht werden können. Stattdessen besteht eine Distanz zwischen SchauspielerInnen und Publikum, die auch während der gesamten Spielzeit von 114 Minuten inklusive ihrer tragischen und dramatischen Höhepunkte nicht überwunden wird.

Frederick Lau als Peter Munk in „Das kalte Herz“. (Copyright: Weltkino Filmverleih)

Die modernen Ansätze der vorliegenden Neuverfilmung, die zwar einen wie erwähnt biederen Eindruck nicht ausschließen können, kommen dafür aber immerhin partiell auch im Kostümdesign zum Vorschein. Dadurch wirkt „Das kalte Herz“ – mit wenigen Ausrutschern in eine eher absurde Kostümwahl – insgesamt optisch in sich stimmig und unterstreicht somit das Märchen-Feeling auf visuelle Weise.

Alles in allem ist „Das kalte Herz“ damit zwar durchaus empfehlenswert für Liebhaber klassischer Märchen im Filmformat, leider bleibt die Veröffentlichung aber im deutschen Durchschnittsfilmgeschäft stecken, sodass die Bezeichnung „Fantasy-Epos“ ein wenig hochgegriffen erscheint.

Trailer

Handlung

Das Fantasyabenteur mit Moritz Bleitreu, Frederick Lau, Henriette Confurius und Milan Peschel

Der mittellose Peter sucht aus Liebe zu der schönen Lisbeth, die aus gutem Hause stammt, einen Weg um reich zu werden. In seiner Verzweiflung lässt er sich auf einen Pakt mit dem teuflischen Holländer-Michel ein, der ihm anstelle seines Herzens einen Stein in die Brust setzt. Befreit von jeglichem Mitgefühl gelangt Peter schnell zu Reichtum und Ansehen. Doch Lisbeth erkennt ihren einst so gutmütigen Peter in dem skrupellosen Geschäftsmann nicht mehr wieder und stellt sich gegen ihn. Um Lisbeth zurückzugewinnen, muss Peter um sein Herz kämpfen.

„Das kalte Herz“ entführt in eine archaische Welt, in der die Menschen noch an Geister glauben. In der kraftvollen Geschichte um den jungen Peter, der aus Liebe zu der schönen Lisbeth sein Herz verkauft, glänzt ein hochkarätiger Cast von Jungstars wie Frederick Lau („Victoria“), Henriette Confurius („Die geliebten Schwestern“) und David Schütter („Wir sind jung. Wir sind stark.“) neben Leinwandgrößen wie Moritz Bleibtreu („Soul Kitchen“) und Milan Peschel („Der Nanny“). Die bildgewaltige Neuverfilmung der beliebten Hauffschen Erzählung entstand vor grandiosen Kulissen im Schwarzwald sowie an aufwendigen Sets im traditionsreichen Studio Babelsberg.

(Quelle: Weltkino Filmverleih)

Das kalte Herz – Homepage
Das kalte Herz – Facebook

Details

Format: Dolby, PAL, Widescreen
Sprache: German (Dolby Digital 5.1), German (DD Stereo)
Bildseitenformat: 16:9 – 2.35:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Weltkino Filmverleih GmbH / Universum Film
Erscheinungstermin: 31.03.2017
Produktionsjahr: 2016
Spieldauer: 114 Minuten
Extras: Unveröffentlichte und erweiterte Szenen / Entstehung der visuellen Effekte / Interviews mit Schauspielern und Regisseur / Hinter den Kulissen / Schulmaterial als PDF / Musikvideo mit Philipp Poisel / Trailer / Trailershow / Wendecover

Copyright Cover: Weltkino Filmverleih



Über den Autor

Conny
Conny

„Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert.“ – Oscar Wilde