Review

Bereits in seiner allerersten Szene gibt der selbsternannte Gangster-Cop „Big Nick“ O’Brien (Gerard Butler; „300“, „Rock N Rolla“, „Olympus Has Fallen – Die Welt in Gefahr“) den Tonfall und die Richtung des restlichen Films „Criminal Squad“ (Originaltitel: Den of Thieves) von Christian Gudegast vor:

Der Macho kommt noch versoffen und in Katerstimmung zum Tatort, begrüßt salopp den Rest seiner Kleiderschrank-Mannschaft des Los Angeles County Sheriff’s Departments, wobei er sein Kaugummi freilich mit offenem Mund kaut. Als ein echter Kerl (fr-)isst er selbstverständlich auch im Übrigen stets mit offenem Mund oder schmatzt mit viel Verve. So nimmt er etwa einen Donut direkt aus einer Schachtel vom Tatort, schmeißt diesen später auch angefressen wieder dorthin und macht danach kurzerhand noch den „Tennis spielenden Öko-Fuzzi“ von der Bundespolizei zur Schnecke. Was kümmert einen echten Mann schon Professionalität?

Die Gangster-Cops um „Big Nick“ leben und arbeiten in der weltweiten Hauptstadt der Banküberfälle: Los Angeles. Bevor die Cops an besagtem Tatort aufgetaucht sind, hatte eine versierte Gruppe von Bankräubern mit militärischem Hintergrund einen Geldtransporter überfallen. Die gesetzlose Gang von L.A., in der sich u.a. der knallharte Levi (Curtis „50 Cent“ Jackson; „Southpaw“, „Escape Plan“), der stoische Bosco (Evan Jones; „8 Mile“, „Jarhead – Willkommen im Dreck“) oder auch der undurchsichtige Donnie (der Sohn des Rappers Ice Cube O’Shea Jackson Jr.; „Straight Outta Compton“) um ihren Anführer Ray Merrimen (Pablo Schreiber; „American Gods“) versammeln, ist ebenso tough wie die Cops. Vor Fragen stellt das Sheriff’s Department jedoch vor allem die Tatsache, dass die Kriminellen einen leeren Geldtransporter gestohlen haben. Dies hängt indes mit einem großen Coup zusammen, den die Verbrecher geplant haben. Sie wollen die – vermeintlich nicht knackbare Federal Reserve Bank in Los Angeles ausrauben. Natürlich haben Nick und seine Haudegen was dagegen und zucken schon mit den üppigen Muskeln …

Wer die (überschaubare) Handlung von Gudegasts Regiedebüt (zuvor war er etwa am Drehbuch von „London Has Fallen“ beteiligt; in der Hauptrolle auch dort schon Gerard Butler) „Criminal Squad“ durchliest, mag sich verwundert die Augen reiben, wenn er feststellt, dass der Actionfilm satte 124 Minuten beziehungsweise in der hier zugrunde gelegten US-Kinofassung gar 140 Minuten auf die Waage bringt. Das ist ein Wort!

Doch manchmal ist weniger eben mehr. Denn „Criminal Squad“ ist die Sorte Actionfilm, die man getrost als Testosteronkino in Reinform bezeichnen kann. Ein selbstironisches Augenzwinkern sucht man (überwiegend) vergeblich. Stattdessen will Gudegast seine harten Typen hier durchgehend – bemüht – möglichst „cool“ in Szene setzen, was Mal um Mal hochnotpeinlich endet.

Wie bereits angedeutet, hält vor allem Gerard Butlers Rolle des Protagonisten „Big Nick“ den Fremdschämfaktor konstant hoch, wenn dieser etwa bei fragwürdigen Ermittlungsmethoden die Tätowierung auf seinem Arm präsentiert, die den Schriftzug „Regulators“ und einen Totenkopf zeigt, oder wenn er seinen einzigen Informanten grundlos in einem Restaurant outet oder sich mit den Gangstern in die gleiche Schießhalle begibt, um sich einem wortlosen Schwanzvergleich hinzugeben. Das ist im Prinzip das Hauptmotiv des testosterongeladenen Reißers mit seinen „echten Männern“: Wer hat die dicksten Cojones?

Gerard Butler als tougher Cop „Big Nick“ in Christian Gudegasts Actionfilm „Criminal Squad“ (Copyright: Concorde Home Entertainment)

Selbst diejenigen unter den Zuschauern, die – berechtigterweise – auch gerne einfach mal den „Kopf abschalten“ wollen, um sich einem wortkargen martialischen Actionreißer und einem brachialen Kampfgetöse hinzugeben, seien darauf hingewiesen, dass die Actionszenen hier auch nur sparsam gesät sind. Der große Heist, auf den der Film zusteuert, bietet zwar einige Schwierigkeiten, die überwunden werden wollen, ist aber insgesamt auch recht unspektakulär und kann den Gesamteindruck nicht zum Positiven hin verändern. Zumindest der Auftakt und das Ende können aber mit gelungen inszenierten, rasanten Actionszenen aufwarten.

Meines Erachtens kann das einen viel zu langen Film, der mit einem nicht wirklich überraschenden „Twist“ am Ende und seinen harten Typen, die sich hauptsächlich „bedeutungsschwanger“ schweigend gegenübertreten oder wild anpöbeln, nicht viel zu bieten hat, nicht vor der Belanglosigkeit retten – sehr enttäuschend.

Trailer

Inhalt

Action pur: Garantiert knallharte Gangster, coole Cops und jede Menge Heists!

Die Federal Reserve Bank in der Innenstadt von Los Angeles gilt als unbezwingbar. Und gerade deshalb gerät sie ins Visier einer Gruppe Bankräuber, die den zweifelhaften Ruf als erfolgreichste gesetzlose Gang von L.A. genießt. Um den ausgefuchsten Kriminellen das Handwerk zu legen, bedarf es somit einer besonderen Art von Cops und die finden sich im Team von Nick Flanagan, der sich selbst als Gangster-Cop bezeichnet. Werden nun die furchtlosen Gangster oder die rücksichtslosen Cops siegreich aus dem Konflikt hervorgehen, der bald zwischen den zwei Lagern entbrennt?

(Quelle: Concorde Home Entertainment)

Criminal Squad – Homepage
Criminal Squad – Facebook

Details

Format: Widescreen
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0)
Region: Alle Regionen
Bildseitenformat: 16:9 – 2.40:1
Anzahl Disks: 2
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Concorde Home Entertainment
Erscheinungstermin: 07.06.2018
Produktionsjahr: 2017
Spieldauer: 124 Minuten
Extras: Alternatives Ende / Making-Of / Audiokommentar mit Regisseur Christian Gudegast & Produzent Tucker Tooley / Featurette „Der Alameda Korridor“ / Featurette „Alpha Männer“ / Originaltrailer (kurz und lang) / Deutscher Trailer (kurz und lang) / Wendecover

Copyright Cover: Concorde Home Entertainment



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)