Review

In „Colossal“ präsentiert uns der Filmemacher Nacho Vigalondo einen recht ungewöhnlichen Genre-Mix.

Der Spanier, der bisher insbesondere für seine Kurzfilme bekannt ist, was ihm 2005 bereits eine Oscar-Nominierung in der Kategorie „Bester Kurzfilm“ einbrachte, fungiert hier als Regisseur und Drehbuchautor. Für seinen englischsprachigen Langfilm konnte er die vielseitige und facettenreiche Anne Hathaway („Der Teufel trägt Prada“, „The Dark Knight Rises“, „Interstellar“) gewinnen, ihres Zeichens sogar Oscar-Preisträgerin (für ihre Darbietung in „Les Misérables“).

Hier mimt Hathaway die verpeilte, verpennte, arbeitslose und dem Trunke holde Gloria. Nach einer weiteren durchzechten Nacht hat ihr dauerhaft herumnörgelnder Freund Tim (Dan Stevens) genug von dem unberechenbaren Partygirl und setzt sie kurzerhand vor die Tür ihres Apartments in New York City. Um ihr Leben wieder auf die Reihe zu bekommen, begibt sich Gloria zurück in ihr Heimatkaff in New Hampshire, wo sie prompt auf ihren Freund Oscar (Jason Sudeikis) aus Kindestagen trifft, der das Provinznest nie verlassen hat und inzwischen die Bar seines verstorbenen Vaters führt. Dieser bietet ihr an, sie könne in seiner Bar kellnern, was zur Folge hat, dass Gloria zunächst in alte Muster zurückfällt und mit Oscar und seinen Freunden, Joel (Austin Stowell) und Garth (Tim Blake Nelson), die Nächte durchmacht.
Ihr Leben soll sich jedoch ändern, als eines Tages in Seoul ein gigantisches Monster auftaucht, die Stadt verwüstet und wieder verschwindet. Gloria hat da so eine Marotte, sich – wie soll man sagen – „affenmäßig“ am Kopf zu kratzen und muss bei einer Videoübertragung in den Nachrichten feststellen, dass das Monster diese Neigung teilt (schön auf dem Cover zu sehen).
Nach und nach muss Gloria bemerken, dass sie das Monster steuert und dieses ihre Bewegungen übernimmt, wenn sie sich zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort aufhält.
Kurz darauf findet auch Oscar heraus, dass er einen riesigen Roboter in Seoul erscheinen lassen kann.
Ab hier nimmt der Film von Vigalondo einige unerwartete Wendungen …

„Colossal“ ist durchaus ein skurriler, kauziger und ungewöhnlicher Film. Man kommt zuweilen nicht umhin, sich zu fragen: Was habe ich mir da gerade angesehen?

Nach Ansicht des Trailers erwartet man ehrlicherweise eine etwas abgedrehte, leichte Komödie. Wer nicht bereit ist, seine Erwartungshaltung in dieser Hinsicht anzupassen, wird allein deshalb enttäuscht sein. Denn zu Beginn stellt sich der Film eher als eine Art Kleinstadt-Dramedy rund um die Themen Alkoholismus, Midlife-Crisis und Orientierungslosigkeit gepaart mit gelegentlichen humorvollen Momenten dar.
Im weiteren Verlauf überwiegt dann aber die Ernsthaftigkeit und immer mehr fantastische Elemente gesellen sich dazu, die vor allem als eine weitere Deutungsebene für die sozialkritischen Themen dienen.
Ferner hält der Film einen radikalen
Plot Twist in Bezug auf einen der Charaktere bereit, der nicht so recht funktionieren will und daher unglaubhaft wirkt. Mehr kann und soll dazu aber nicht verraten werden.

Gloria (Anne Hathaway) und Oscar (Jason Sudeikis) in „Colossal“ (Copyright: Universum Film GmbH)

Lobend hervorzuheben ist vor allem das Skript, das äußerst ungewöhnlich ist, und auch die Prämisse ist sehr faszinierend.

Anne Hathaway vermag hier abermals spielerisch zu überzeugen und gibt die arbeitslose Schriftstellerin sympathisch und mit einiger Hingabe. Auch Jason Sudeikis, den man überwiegend aus Komödien wie „Kill the Boss 1 & 2“ oder auch „Wir sind die Millers“ kennt, kann mit seinem abwechslungsreichen Spiel durchaus positiv überraschen – bestand hier doch die realistische Gefahr, neben Hathaway unterzugehen.

Allein die Verknüpfung der Deutungsebenen will hier nicht so recht gelingen, weshalb die Botschaft vage bleibt und das ambitionierte Projekt eher unausgegoren, nicht gänzlich ausgereift wirkt.

Trotz durchaus verheißungsvoller Zutaten und künstlerischer Grundvoraussetzungen kann hier daher keine Empfehlung erfolgen – schade.

Trailer

Inhalt

Katastrophenalarm in Seoul: Ein gigantisches Monster taucht plötzlich nachts aus dem Nichts auf, verwüstet die Stadt und verschwindet wieder in der Dunkelheit. Als die rätselhaften Angriffe sich wiederholen, stellen sich alle die Frage, welchen Ursprung die Attacken haben könnten.
Zur gleichen Zeit in den USA: Das Partygirl Gloria hat ihren Job verloren und wird von ihrem Freund Tim vor die Tür gesetzt. Gloria kehrt kurzerhand dem New Yorker Stadtleben den Rücken und zieht zurück in ihr Heimatstädtchen, um sich dort darüber klar zu werden, ob sie weiterhin ihre Zeit in schäbigen Bars verschwenden oder ihr Leben endlich verändern will. Die Entscheidung wird ihr abgenommen, als sie entsetzt feststellt, dass es eine Verbindung zwischen ihr und den Vorfällen in Seoul gibt: Das Ungeheuer reagiert auf Glorias Bewegungen!

(Quelle: Universum Film)

Details

Format: Dolby, PAL, Widescreen
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 – 2.40:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Universum Film GmbH
Erscheinungstermin: 01.12.2017
Produktionsjahr: 2016
Spieldauer: 109 Minuten

Copyright Cover: Universum Film



Über den Autor

Fabian
Fabian

Warum denn so ernst?