Review

Das Duo: Winner & Bronson

Erst neulich haben wir uns mit „Death Wish“ von Filmemacher Eli Roth das Remake von „Ein Mann sieht rot“ des britischen Filmregisseurs Michael Winner angeschaut. Jener Winner war verantwortlich für die ersten drei Teile der ursprünglichen „Death Wish“-Reihe. Der Protagonist jeweils: Charles Bronson („Die glorreichen Sieben“, „Spiel mir das Lied vom Tod“, „Kalter Hauch“, „Murphys Gesetz“). Insgesamt sechs gemeinsame Filme von dem Duo Michael Winner und Charles Bronson gibt es.

Der erste in dieser Riege war der vorliegende Rache-Western Chatos Land“, den capelight pictures allen Bronson-Anhängern hierzulande erstmals auf Blu-Ray und uncut präsentiert.

Inhalt

Das Apachen-Halbblut Chato (Charles Bronson) hält sich in einem Saloon in einem kleinen Westernstädtchen auf. Allein seine Anwesenheit ist jedoch ein Dorn im Auge des weißen und schießwütigen Sheriffs. Als Chato den  rassistischen Verweis des örtlichen Sheriffs missachtet, richtet dieser prompt die Waffe auf den „Indianer“. Chato kommt dem hinterlistigen Angriff auf sein Leben jedoch zuvor und erschießt den Gesetzeshüter zuerst. Danach verlässt die wortkarge „Rothaut“ fluchtartig die Stadt.

In kürzester Zeit gelingt es jedoch dem Kriegsveteranen Quincy Whitmore (Jack Palance), einen fremdenfeindlichen und aufgebrachten Mob um sich zu versammeln und Jagd auf den Feind der – vermeintlich – friedlichen und zivilisierten Gesellschaft zu machen. Schnell stellt sich jedoch sogar einigen unter den Verfolgern die Frage, wer hier der böse ist. Spätestens als die Gruppe der Cowboys Chatos Frau brutal vergewaltigt und seinen Bruder bei lebendigem Leibe verbrennt, findet hier endgültig ein Rollentausch statt: Die Jäger werden zu Gejagten. Und für Chato ist der Kampf in der rauen Berglandschaft ein nicht zu unterschätzender Heimvorteil.

Charles Bronson in seinem Element

In diesem Western ist der Actionstar Charles Bronson als Racheengel voll in seinem Element. Als wortkarge Ein-Mann-Armee gegen seine – deutlich in der Überzahl anreisenden – Gegner ist Bronson ideal besetzt. Dazu trägt nicht nur die beachtliche physische, athletische Präsenz des Schauspielers, sondern auch die stoische Ruhe, die er ausstrahlt, bei. Er wirkt wie eine glaubhafte Naturgewalt, der die Verfolger zu keiner Zeit gewachsen sind.

Für die Rolle des titelgebenden Chato gilt die Devise: „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“.

Und während sich die Verfolger mit ihren fremdenfeindlichen und rassistischen Äußerungen gegenüber indigenen Bevölkerungsgruppen größtenteils immer unzugänglicher machen, spricht Chato gefühlt den ganzen Film über kein Wort, um dann in aller Ruhe und zielgerichtet zurückzuschlagen.

Die Machart des Filmes

Unterstützt wird der Eindruck eines erbarmungslosen Kampfgeschehens durch die raue Landschaft. Gedreht wurde ausschließlich in Andalusien.

Die mitunter explizit dargestellten Gewalthandlungen des Films aus dem Jahr 1972 haben sicherlich nicht mehr die Wirkung, die sie seinerzeit auf das Publikum gehabt haben dürften. Insbesondere sind diese kein Vergleich zu aktuellen Genre-Verwandten wie beispielsweise „Brimstone“ des Regisseurs Martin Koolhoven.

Allerdings handelt es sich dessen ungeachtet um einen virtuos inszenierten Selbstjustizfilm, der vor allem mit Bronson sowie Jack Palance glänzend besetzt ist.

Die recht dünne Geschichte des Filmes hat doch etwas zu kämpfen, um die großzügig angesetzten knapp 100 Minuten Spieldauer abwechslungsreich zu füllen, da der Western bald nach einem recht einheitlichen Schema abläuft.

Interessant sind aber insbesondere die Aspekte und Motive des Anti-Western, die hier auftauchen.
So findet die allzu idealisierende und stereotype Darstellung der Besiedlung Amerikas hier ebenso wenig Platz, wie der klassische, heldenhafte und vor allem schneeweiße lonesome Cowboy. Vielmehr ist es hier die amerikanische Urbevölkerung, die als zivilisiert und überlegen dargestellt wird und der der Zuschauer – in Form des Helden Bronson als Halbindianer – seine Rache gegen den pöbelnden und vergewaltigenden Mob gönnt. Die harsche Vorgehensweise und Gesetzlosigkeit der „Rothaut“ ist schließlich nur die Antwort auf die Gesetzlosigkeit und Arroganz weißer Siedler.

Allegorie auf das Trauma Vietnam

Ob sich – wie vielerorts behauptet – hinter Chatos Land“ allerdings eine ausgefeilte Allegorie auf das amerikanische Trauma Vietnam verbirgt, muss jeder Zuschauer für sich selbst entscheiden.

Charles Bronson als Titelheld Chato in Michael Winners „Chatos Land“ (Copyright: capelight pictures)

Meines Erachtens überinterpretiert man den Film derart ein wenig beziehungsweise traut Winner eine allzu weitgehende künstlerische Voraussicht zu. Damit sollen die durchaus vorhandenen Parallelen des überforderten weißen Mannes im fremden Land, der von seinen – vermeintlich  – weit unterlegenen Feinden vorgeführt wird, gar nicht in Abrede gestellt werden – lediglich die Absicht der Macher.

Jedenfalls findet sich hier aber eine deutliche Kritik an der politischen und gesellschaftlichen Situation in den USA dereinst und damit auch schon ein beachtlicher Stilbruch zu vergleichbaren Rache-Western der 70er Jahre, wo die Indianer oft nur als blutrünstige Wilde und auf keinen Fall als Helden herhalten durften.

Fazit

Ein sehens- und empfehlenswerter Western mit Actionheld Charles Bronson, der nicht nur für Fans des schweigsamen Rächers taugt. Sicherlich auch ein Wegbereiter für Filme und Helden, die noch folgen sollten, wie zum Beispiel Sylvester Stallone mit seinem legendären Rambo“ aus dem Jahr 1982.

Für alle Sammler und Liebhaber bringt capelight „Chatos Land“ als wunderschön anzusehende „2-Disc Limited Collector’s Edition im Mediabook“, das sowohl die Blu-ray als auch die DVD enthält.

Trailer

Inhalt

Das Apachen-Halbblut Chato (Charles Bronson) wird aufgrund seiner Abstammung im kleinen Westernstädtchen Arillo verspottet, diskriminiert und bedroht. Als ihn schließlich sogar der schießwütige Sheriff angreift, tötet Chato ihn aus Notwehr. Er kann fliehen. Doch ein aufgebrachter Mob ist ihm bereits dicht auf den Fersen, angeführt vom skrupellosen Kriegsveteranen Quincey Whitmore (Jack Palance), der das Halbblut um jeden Preis hängen sehen will. Um ihn aus seinem Versteck zu locken, vergehen sich die Männer brutal an Chatos Frau und verbrennen seinen Bruder bei lebendigem Leibe. Chato schwört bittere Rache und lockt seine Verfolger in die raue Berglandschaft New Mexicos, die er wie seine Westentasche kennt – und macht die Jäger zu Gejagten …

(Quelle: capelight pictures)

Details

Format: Digital Sound, Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (PCM 2.0 Mono), Englisch (PCM 2.0 Mono)
Untertitel: Deutsch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 2
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: capelight pictures
Erscheinungstermin: 31.08.2018
Produktionsjahr: 1972
Spieldauer: 100 Minuten

Copyright Cover: capelight pictures



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)