Review

Seit Erscheinen der ersten Staffel der Krimi-Dramedy „Candice Renoir“ wächst die Fangemeinde der blonden, titelgebenden Ermittlerin auch außerhalb des Produktionslandes Frankreich kontinuierlich.

Chick-Crime: Mehr Chic als Crime

Und das, obwohl (oder gerade weil?) die Serie über die folgenden Staffeln 2, 3 und 4 immer mehr an ihrem eigentlichen Profil, einem Chick-Crime Ansatz, und den damit verbundenen Alleinstellungsmerkmalen verlor. Mehr noch drifteten auch die Kriminalfälle zusehends in den Hintergrund, während Nebenhandlungen rund um das Privatleben der Figuren an Relevanz gewannen.

Auch in „Candice Renoir – Staffel 5“, die seit November 2018 auf DVD erschienen ist, setzt sich diese „Tradition“ weiter fort.

Telenovela oder Krimiserie?

Abermals dominieren in den zehn neuen Fällen somit die „privaten“ Handlungsstränge, während die – eigentlich abwechslungsreich angelegten – Kriminalfälle weit in den Hintergrund rutschen.

Statt Mörderjagd steht daher für Zuschauer und Charaktere ein turbulentes Liebes- und Familienleben auf dem Plan – und dieses wird ausgiebig und facettenreich behandelt. Derart, dass man meinen könnte, eine Telenovela statt eine Krimiserie zu sehen. Zielgruppe sind – angelehnt an die Probleme und Alltagssituationen der Protagonistin – zunehmend Frauen in den Vierzigern, während Krimi-Fans mehr und mehr auf der Strecke bleiben. Ein bisschen „Chic und Charme“ tat der Serie bisher zwar gut und hob sie auf erfrischende Art von anderen Crime-Produktionen ab, doch zu viel Bridget Jones-Flair engt die Zuschauerschaft langfristig dann doch sehr ein.

Nimmt man diese Entwicklung und Ausrichtung allerdings als gegeben hin, stellt sich die Frage, ob „Candice Renoir“ damit zumindest punkten kann. Die Antwort darauf fällt für Staffel 5 ernüchternd aus. Denn zum einen wird vieles innerhalb dieser einstigen Neben- und nun Haupthandlungsstränge nicht auserzählt und bleibt zu wenig abgeschlossen, zum anderen sind dadurch manch Charakterentwicklungen nicht nachvollziehbar oder erfolgen zu abrupt.

Klischees: Mehr Vorurteil denn Stilmittel

Antoine Dumas (Raphaël Lenglet) als frisch gebackener Vater in „Candice Renoir – Staffel 5“ (Copyright: Edel:Motion)

Nimmt man beispielsweise die Verhaltensweisen von Candice Renoir-Sohn Jules, der hier kurzfristig (und nicht ohne gängige Klischees zu bedienen) zum Goth mutiert, am Ende der Staffel jedoch ohne plausible Erklärungen wieder zu seinem „alten Ich“ zurückfindet, so wird man feststellen müssen, dass sich diese Idee für die Handlung als komplett überflüssig entpuppt.

Apropos Klischees: Neben den bereits bekannten und bisher auch nicht nennenswert überreizten Klischees, von denen die Serie mitunter gar lebt, fügt man – wie im Falle der Figur Jules bereits erwähnt – neue hinzu. Diese schüren allerdings eher Vorurteile als für Unterhaltung zu sorgen oder als gelungenes Stilmittel zu fungieren.

Gewöhnungsbedürftiger Ausflug in die 70er

Das ist ebenso gewöhnungsbedürftig, wie die Doppelfolge als Staffelfinale, welche die Hauptfigur mittels „Zeitreise“ in die 70er Jahre verschlägt. Da solch ein filmischer Kniff erstmals Eingang in die Serie findet, und noch dazu zur rosaroten Renoir-Welt nicht wirklich passend erscheint, wirkt der Abschluss von „Candice Renoir – Staffel 5“ zuweilen gar befremdlich.

Man darf gespannt sein, in welche Richtung es mit Staffel 6 gehen wird. Insbesondere Krimi-Fans ist es aber zu wünschen, dass die Kriminalfälle und ihre Aufklärung wieder einen höheren Stellenwert einnehmen werden.

Trailer

Handlung

Die sympathische und sehr feminine Hauptkommissarin Candice Renoir löst mit Charme, Humor und originellen Ermittlungsmethoden Kriminalfälle im sonnigen Süden Frankreichs.

Eine Polizistin, geschieden, vier Kinder – aber vor allem: eine blonde Powerfrau

Die zuckersüße Candice ermittelt wieder: Weibliche Intuition gepaart mit umfangreichem Allgemeinwissen und ihrer guten Kombinationsgabe sind das Erfolgsrezept der charmanten Hauptkommissarin Candice Renoir. Doch nach dem tragischen Tod ihres Lebensgefährten scheint sie das Auge für die Details am Tatort verloren zu haben. Die Spannungen mit ihrem Kollegen Antoine tragen nicht unbedingt dazu bei, ihr den Wiedereinstieg ins Berufsleben zu erleichtern.

Auch zu Hause läuft es alles andere als rund. Die Zwillinge werden allmählich erwachsen, Emma hat selbst Beziehungsprobleme und Jules steckt mitten in der Pubertät …

(Quelle: Edel:Motion)

Episoden

DVD 01:
01 Gebeichtet ist halb vergeben
02 Zwei Welten
03 Jugend hat keine Tugend
04 Geld stinkt nicht

DVD 02:
05 Große Übel bedürfen starker Heilmittel
06 Besser spät als nie
07 Die Neugier ist ein Makel
08 Bei Nacht sind alle Katzen grau

DVD 03:
09 Was Frau will – Teil 1
10 Was Frau will – Teil 2

Details

Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch, Französisch
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.78:1
Anzahl Disks: 3
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Edel Germany GmbH
Erscheinungstermin: 09.11.2018
Spieldauer: 520 Minuten
Extras: Heimkino-Highlights

Copyright Cover: Edel:Motion



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde