Review

„Cabin of the Dead“, „Cabin in the Woods“ und „The Damned“ gibt es schon, fehlt noch eine Kombination aus diesen scheinbar allzu beliebten Horror-Titeln. Regisseur Daniel Armstrong hatte zwar nicht unbedingt das Budget, dafür aber die Lösung parat und so komplettiert seine Independent Horror-Komödie „Cabin of the Damned“ diese illustre Filmtitel-Reihe.

Diese nimmt sich dabei selbst nicht so ernst, dafür aber das Genre und die gängigen Horror-Klassiker ein wenig auf die Schippe. Der Hybrid aus Horror, Gore und Komödie fällt entsprechend überspitzt aus, sodass man logische Handlungsverläufe erst recht nicht suchen sollte.

Darauf deuten bereits das Cover, die typische, den 80ern entsprungene Horror-Schriftart sowie der Untertitel „Die Dämonen sind los“ hin. Alles Argumente, die für die einen ein Anschauen von vornherein ausschließen, für die anderen jedoch „Hirn aus, Film ab“ bedeuten. Es steht somit bereits vor dem Filmstart fest: „Cabin of the Damned“ wird polarisieren und – fern des Mainstream-Kinos respektive -Horrors – definitiv nicht jedermann gefallen.

Hilfreich sind da auch nicht die skurrilen Figuren, die Armstrong in seinen „verlassene-Hütte-im-Wald“-Streifen integriert. Ob ein Boxhandschuhe tragender Känguru-Zombie, ein Dämonen-Einhorn oder das was-auch-immer-der-Kopf-mit-vier-Füßen darstellen soll – seiner absurden Fantasie setzt der Regisseur hier keine Grenzen. Ganz zum Vergnügen der Zuschauer, die mitunter zwar das eine oder andere große Fragezeichen im Kopf aufleuchten sehen, zu mehr als einem resignierenden „Hä?“ letztlich jedoch nicht imstande sind, denn rasant schreitet die Handlung voran.

Jene als solche zu bezeichnen ist zugegeben schon ein wenig übertrieben, aber immerhin füllt der Inhalt von „Cabin of the Damned“ eine Spielzeit von 83 Minuten ganz unterhaltsam aus. Zu verdanken ist dies jedoch allem anderen, nur nicht der Geschichte, die es an Klischees nicht mangeln lässt und mit dem Klappentext bereits vollständig erzählt ist.

Die junge Blondine Oscar (Daisy Masterman) steht dabei im Mittelpunkt. Als gefeuerte Rocksängerin einer mittelprächtigen Band, wird sie schließlich auch noch von ihrem Freund verlassen und findet sich zur Ablenkung mit ihrer Mitbewohnerin Rain (Danae Swinburne), deren Verlobten Bo (Joshua Diaz) und dessen Cousin Wilmer (Blake Waldron) für ein Wochenende in einer einsamen Waldhütte wieder.
Grausame Dämonen, finstere Mächte, besessene Freunde, satanische Rituale mit menschlichem Blut sowie der Teufel höchstpersönlich sind weitere Eckpunkte, um „Cabin of the Damned“ zu dem zu machen, was es ist, ein trashiges Sammelsurium an Horror-Absurditäten mit lustigen handgemachten Spezialeffekten, die reichlich Blut vergießen.

Wie bei einem Engagement als „Bachelorette“-Kandidat laufen die männlichen Darsteller mindestens oben ohne durch Hütte und Wald und sorgen nicht zuletzt damit für die ersten Momente des bald schon beständigen Kopfschüttelns. Insgesamt entspricht die schauspielerische Leistung den Erwartungen, die vorab allerdings auch nicht sehr hoch gesteckt sind.

Gleichsam kann man dem Regisseur einen gewissen künstlerischen Anspruch an sein Machwerk „Cabin of the Damned“ nicht absprechen. Dieser zeigt sich allen voran in bunten, überdrehten und billigen Settings sowie in der CGI-fernen Herangehensweise. Es bedarf schon eines kreativen Freigeistes, um sich eine solche geballte Verrücktheit auszudenken, ohne nicht auch nette Anspielungen an Genre-Klassiker zu berücksichtigen und einige interessante filmische Kniffe anzuwenden wie etwa die Einblendungen von kommentierenden Schriftzügen oder diverse Musical-artige Einlagen.

Oscar (Daisy Masterman) vs. Känguru-Zombie mit Boxhandschuhen – so etwas gibt es nur in Daniel Armstrongs „Cabin of the Damned“ (Copyright: Donau Film)

Musik ist außerdem ein gutes Stichwort, denn während die Hauptfigur schon einer Rockband entspringt, sorgen auch im gesamten Film einige gut gewählte, aber sehr vordergründig platzierte Songs für Extras.
Vor allem dürfte das innovative Rap-Battle zwischen Protagonistin Oscar und dem Teufel höchstselbst für eine positive Überraschung und Lacher sorgen.

Wer nach dem Film sein Hirn wieder aktiviert, der würde wohl eine Wertung von maximal 2,5 Sternen vornehmen, doch die bedeutet bei uns „durchschnittlich“. Diese Bezeichnung wird „Cabin of the Damned“ jedoch in keiner Weise gerecht. Ob der Film letztendlich aber überdurchschnittlich gut oder schlecht empfunden wird, liegt im Ermessen des jeweiligen Zuschauers. Während die einen das Horrorwerk mit Kult-Potenzial definitiv unter die Top Ten ihrer SchleFaZ-Liste setzen werden, feiern die anderen die bizarre Absurdität, die Daniel Armstrong hiermit auf die Menschheit losgelassen hat.

Trailer (engl.)

Inhalt

Die Rocksängerin Oscar hat es nicht einfach: Zuerst wird sie aus der Band geworfen und dann verlässt sie auch noch ihr Freund. Um auf andere Gedanken zu kommen lässt sie sich von ihrer besten Freundin zu einem Wochenende mit Freunden in einer einsamen Waldhütte überreden.
Aber dummerweise werden die Wälder von grausamen Dämonen heimgesucht, die menschliches Blut für ein satanisches Ritual benötigen, bei dem der Teufel höchstpersönlich wieder erweckt werden soll.
Als ihre Freunde von den finsteren Mächten besessen werden, muss Oscar einen Kampf auf Leben und Tod mit der teuflischen Brut führen. Eisern kämpft sie gegen sämtliche Ausgeburten der Hölle, darunter auch ein dämonischen Einhorn, bis sie schließlich dem Herrn der Finsternis persönlich gegenüber steht …

(Quelle: Donau Film)

Details

Untertitel: Deutsch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Donau Film
Erscheinungstermin: 29.06.2018
Produktionsjahr: 2017
Spieldauer: 83 Minuten
Extras: Making Of Featurette / Behind the Scenes / Originaltrailer

Copyright Cover: Donau Film



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde