Review

„Wenn du deinen größten Gegner verlierst,

verlierst du auch einen Teil deiner selbst.“

John McEnroe

Björn Borg und John McEnroe – zwei Persönlichkeiten, die gegensätzlicher nicht sein könnten.

Bereits im Alter von 15 Jahren gewann die schwedische Tennis-Legende Björn Borg ihr erstes Davis-Cup-Match für Schweden und konnte sich fortan einer großen medialen Aufmerksamkeit nicht mehr entziehen. In seiner verhältnismäßig kurzen Tennis-Karriere hat es der Schwede anschließend geschafft, zu einer der größten Ikonen dieses Sports zu werden. Er war einer der dominierenden Spieler der zweiten Hälfte der 70er und frühen 80er Jahre und wird zu den besten Spielern der Tennisgeschichte gezählt. Er konnte insgesamt 64 Einzeltitel, darunter 11 Grand-Slam-Titel, erringen und beendete die Jahre 1979 und 1980 an der Spitze der Weltrangliste. Außerdem revolutionierte er das Tennisspiel, indem er eine grundlegend neue Griff- und Schlagtechnik, vor allem seine beidhändige Rückhand, perfektionierte. Seine Partien diktierte er grundsätzlich von der Grundlinie. Borg galt nicht nur als Star, sondern aufgrund seines tadellosen, coolen, beinahe emotionslosen Verhaltens auf dem Court („Ice-Borg“) auch als Gentleman, prägendes Vorbild und Lichtgestalt.

Deutlich kontroverser ist die Wahrnehmung von John McEnroe. Zwar war der US-amerikanische Tennisspieler auch eine der prägenden Persönlichkeiten dieses Sports und womöglich zu Beginn der 80er Jahre der beste Spieler der Welt. Dies zeigt sich auch daran, dass er ebenfalls hochdekoriert ist: Er gewann in seiner Karriere sieben Grand-Slam-Turniere im Einzel und neun Grand-Slam-Titel im Doppel, beendete gar viermal in Folge eine Saison an der Spitze der Weltrangliste und gewann in seiner Karriere insgesamt 77 Einzel- und 72 Doppeltitel. Indes wurde der Rüpel McEnroe ob seiner Wutausbrüche und – mitunter komischen – Ausraster geächtet und gefürchtet (aufgegriffen in der Komödie „Die Wutprobe“ mit Adam Sandler und Jack Nicholson). So pöbelte „Superbrat“ Johnny Mac nicht nur die Schiedsrichter an, sondern gelegentlich auch das pikierte Tennis-Publikum, das sein Verhalten im Gegenzug oft mit Buhrufen quittierte. Seine Spielweise unterschied sich ebenfalls erheblich von der des Schweden: Er war ein klassischer Angriffsspieler, dessen gesamtes Spiel darauf ausgerichtet war, möglichst schnell die Netzposition zu erreichen und den Angriff mit einem Volley abzuschließen. 

Trotz dieser gewaltigen Unterschiede verbindet die beiden Tennis-Asse bis heute eine enge Freundschaft Borg war sogar der Trauzeuge von McEnroe.

Diese facettenreiche Rivalität der beiden legendären Tennisspieler nimmt sich der Regisseur Janus Metz in seiner Filmbiografie „Borg vs. McEnroe“ zur Brust. Im Zentrum des Films steht dabei das Wimbledon-Finale 1980 zwischen diesen beiden Akteuren.
Der beste Tennisspieler der Welt Borg (Sverrir Guðnason) hat bis dahin bereits viermal in Folge in Wimbledon gewonnen und gilt als der haushohe Favorit. Die Öffentlichkeit erlebt dabei nicht, was nur sein Trainer Lennart Bergelin (Stellan Skarsgård) und seine damalige Freundin Mariana Simionescu (Tuva Novotny) Tag für Tag mit ansehen: Der schwedische Superstar kann dem Druck kaum noch standhalten. Borg wirkt ausgebrannt, und obwohl Tennisstars im Allgemeinen gerne ihre Rituale und ihren Aberglauben pflegen, sieht das bei Björn Borg eher nach einer Zwangsstörung aus.

Im Gegensatz dazu sehen wir einen hoch motivierten und aufstrebenden John McEnroe (Shia LaBeouf), der akribisch das Turnier im Kopf durchplant und sich ausmalt, wann er auf die Nummer Eins der Welt treffen könnte. Auf seinem Weg ins Finale pöbelt, provoziert und flucht sich Johnny Mac durch den Turnierbaum. 

Von dieser spannenden Prämisse lebt der Film bis zum Ende: Borg pflegt bereits einen luxuriösen Lebensstil, ist äußerst erfolgreich und noch dazu ein gefragter Mann in den Medien. Gleichzeitig spielt sich der Newcomer McEnroe unaufhaltsam in die Position des Herausforderers, der hungrig auf den Erfolg ist.

Janus Metz unterfüttert seinen Film dabei durchgehend mit Rückblenden in die Vergangenheit der beiden Spieler und verleiht seinen Figuren damit eine angemessene Tiefe und nachvollziehbare Motivation. Ferner profitiert sein Film von einem hervorragenden Casting. Der schwedische Schauspieler Sverrir Guðnason verleiht seinem Borg nicht nur die passende Zurückhaltung, Coolness und Tiefe, sondern sieht auch noch – gerade, wenn man im Abspann noch Originalaufnahmen sieht – aus wie das exakte Ebenbild der Tennis-Legende.

Björn Borg (Sverrir Guðnason) & John McEnroe (Shia LaBeouf) in „Borg vs. McEnroe“ (Copyright: Ascot Elite Home Entertainment / Julie Vrabelova)

Doch nicht nur das untermalt die Authentizität des Films. Die Filmemacher haben auch penibel und detailbesessen auf ein zeitgemäßes Setting und eine akkurate Darstellung des Tennisspiels an sich geachtet. Hier ist alles bis ins letzte Detail durchgestylt, weshalb man sagen können wird: So gut wie in „Borg vs. McEnroe“ haben wir Tennis noch nie verfilmt gesehen. Da der Film aber auch sonst sehenswert und fesselnd inszeniert ist, soll er gerade nicht nur Tennis-Enthusiasten, sondern Sport-Film-Freunden im Generellen empfohlen werden.

Ein besonderes Lob verdient jedoch auch der ehemalige „Transformers“-Star Shia LaBeouf („Disturbia“, „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“, „Eagle Eye – Außer Kontrolle“). Dieser ist womöglich nicht wie sein Gegenüber die optisch naheliegendste Wahl für die Verkörperung von McEnroe. Was jedoch viel wichtiger ist, ist das Arsenal seiner schauspielerischen Fähigkeiten. Mit leidenschaftlicher Hingabe interpretiert er seine Rolle. So gut hat man Shia LaBeouf schon länger nicht mehr gesehen. Damit ist seine Darstellung zugleich Lichtblick und Wermutstropfen, denn der Film ist mehr Borg als McEnroe, da nicht beide Spieler die gleiche Aufmerksamkeit bekommen. Da hätte man sich als Zuschauer am Ende durchaus eine ausgeglichenere Verteilung gewünscht.

Trailer

Inhalt

1980: Die Wimbledon Championships, das traditionsreichste Tennisturnier der Welt, stehen vor der Tür. Für Björn Borg, den besten Tennisspieler der Welt, sollen sie ein Triumphzug werden: Er kann zum fünften Mal den Titel holen. Jedoch hat seine lange, schon im Kindesalter begonnene Karriere Spuren hinterlassen. Obwohl er erst 24 Jahre alt ist, fühlt Borg sich erschöpft und ausgebrannt, leidet unter Ängsten. Davon ist John McEnroe noch weit entfernt. Der 20-jährige aufstrebende Tennis-Star will Borg vom Thron stürzen und ist fest entschlossen, Wimbledon zu gewinnen. Doch ebenso wie Borg fühlt er sich mehr und mehr wie in einem Käfig gefangen. In der Öffentlichkeit sorgt McEnroes aufbrausendes Temperament immer wieder für Schlagzeilen und die Medien stilisieren den Zweikampf – der coole Borg gegen den verzogenen McEnroe – gezielt hoch. Nach und nach erkennen die beiden, dass ausgerechnet der größte Rivale der einzige sein könnte, der versteht, was der andere durchmacht …

(Quelle: Ascot Elite Home Entertainment)

Details

Format: Widescreen
Untertitel: Deutsch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 2.39:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ohne Altersbeschränkung
Studio: Ascot Elite Home Entertainment
Erscheinungstermin: 23.02.2018
Produktionsjahr: 2017
Spieldauer: 108 Minuten
Extras: Featurette / Interview Zurich Film Festival 2017 / Trailershow / Deutscher Trailer

Copyright Cover: Ascot Elite Home Entertainment



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)