Review

Das Bild einer heilen Familie wird auch in Staffel 2 der Dramaserie „Blutsbande“ auf eine harte Probe gestellt.
Familiengeheimnisse, Identitätssuche, Schuldfragen und -zuweisungen erschweren auf ein Neues den Alltag der drei Geschwister Lasse, Oskar und Jonna Waldemar, die eigentlich ihr eigenes Leben führen wollen, während dieses Vorhaben immer wieder mit der Vergangenheit und der Verantwortung, das Familienunternehmen, eine Pension auf Åland, fortzuführen, kollidiert. Streit ist unter den grundverschiedenen Geschwistern somit vorprogrammiert, und dass die Serie in Deutschland auf ARTE ausgestrahlt wurde bzw. wird, lässt darauf schließen, dass mit der schwedisch-finnischen Produktion keine triviale Unterhaltung geboten wird.

Lernte man bereits die einzelnen Figuren und ihre Probleme in Staffel 1 ausreichend kennen, knüpft Staffel 2 nun nahtlos an die bisherigen Geschehnisse an. Die Handlung und Hintergründe werden hier konsequent weitergeführt, ohne nennenswerte Informationen darüber oder Rückblenden in ausreichendem Maße und an passender Stelle einzustreuen. Daher fällt es schwer, erst mit den vorliegenden neuen zehn Episoden in die Serie „Blutsbande“ einzusteigen.

Immerhin erfolgen innerhalb der aktuellen zweiten Staffel jedoch knappe inhaltliche Zusammenfassungen zu Beginn einer jeden neuen Folge über die jeweils vorausgegangene, sodass der Zuschauer zu keinem Zeitpunkt Gefahr läuft, den Faden zu verlieren.

Gerne bleibt man aber auch durch die im Mittelpunkt stehende Atmosphäre der Serie am Ball.
Eine entschleunigte Handlung und Kameraführung sowie ein hoher Sprechanteil der Charaktere sorgen dafür, dass sich „Blutsbande – Staffel 2“ inhaltlich zwar erst gemächlich aufbaut und in Fahrt kommt, dann aber mit zunehmend bedrückender Stimmung in stets kühlen Bildern aufwartet. Gleichzeitig ist nicht ausgeschlossen, dass der Zuschauer gerade zu Beginn auf langatmige und langweilige Passagen stößt. Dran bleiben lohnt sich aber, denn subtil wird hier Spannung erzeugt und schließlich bis zum Ende der Staffel aufrechterhalten.

Die Atmosphäre betreffend ist zudem immer noch – wie bereits in Staffel 1 – die Titelmelodie zur Serie herausragend, die in ihrer ruhigen und melancholischen Stimmung wie die Faust aufs Auge zur atmosphärischen Kulisse und entschleunigten Herangehensweise der Produktion passt. Die schwedische Band Fläskkvartetten (engl. Fleshquartet) und die Gesangsstimme von Elsa Larsson bilden in diesem Introsong eine harmonische Einheit und beschwören eine derartige Stimmung herauf, dass man geneigt ist, diesen Part der Serie in Dauerrotation laufen zu lassen.

In „Blutsbande – Staffel 2“ ist Weihnachten nicht immer ein Fest der Liebe. (Copyright: Edel:Motion)

Neben der tiefgründigen Geschichte rund um die Familie Waldemar, dem stimmungsvollen Titelsong und der vorherrschenden gelungenen Atmosphäre tragen die nordischen Landschaftsaufnahmen zum Gelingen der Serie bei. Die in den Settings mitschwingende Weite und Kühle spiegelt das Innenleben der Charaktere passend wider und beschwört Gefühle der Einsamkeit und Melancholie herauf. Dies verstärkt die Wirkung von „Blutsbande“ auf den Zuschauer und schürt die Dramatik und Tragik, die die Serie bietet.

Obwohl es Quereinsteigern mit vorliegender Staffel nicht leicht gemacht wird, Anschluss an den Plot zu finden, lohnt es sich, „Blutsbande“ einmal anzusehen und dabei auch auf die erste Staffel zurückzugreifen, denn mit den vorliegenden Episoden gewinnt die Serie noch mehr an Tiefe und kann einen empfehlenswerten Beginn übertrumpfen. Eine Vorliebe für die Langsamkeit in einer Produktion sollte man jedoch mitbringen. Belohnt wird man letztlich auch mit großartigen Charakterdarstellern, die für einen Hauch Authentizität sorgen.

Trailer

Handlung

Es ist Winter und seit dem Ende der Saison sind zwei Monate vergangen. Die drei Geschwister Waldemar sind nun gleichberechtigte Eigentümer der Pension und des Anwesens, das ihre Mutter hinterlassen hat. Doch momentan sind die Geschwister in alle Winde verstreut und nur Oskar ist im Gästehaus geblieben. Als Lasse aus Stockholm zurückkehrt, findet er Oskar, nur noch als ein Schatten seiner selbst, ganz alleine und unglücklich vor. Nichts ist vorbereitet für die bevorstehende Weihnachtssaison und Liv ist auch noch nicht aus dem Ausland zurückgekehrt. Oskar ist sich nicht einmal sicher, ob sie jemals wiederkommt. Lasse versucht unterdessen zusammen mit Jonna, die aus London angereist ist, Oskar und das Gästehaus wieder in Form zu bringen, aber Konflikte lassen nicht lange auf sich warten. Wie stark ist das Band der Verwandtschaft, wenn unerwartete Ereignisse plötzlich die Familie bedrohen und die Zukunft der Pension gefährden?

Die zweite Staffel befasst sich mit Identitätsfragen und Schuld in einer Familie, die versucht alte Wunden zu heilen. Werden die Geschwister letztlich zum Wohle ihrer Lieben Verantwortung übernehmen und Opfer bringen? Ist Blut tatsächlich dicker als Wasser?

(Quelle: Edel:Motion)

Details

Sprache: Schwedisch (Dolby Digital 2.0), Deutsch (Dolby Digital 2.0)
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 3
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Edel Germany GmbH
Erscheinungstermin: 03.02.2017
Produktionsjahr: 2016
Spieldauer: 450 Minuten
Extras: DVD-Highlights

Copyright Cover: Edel:Motion



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde