Review

Vielfilmer und Kultregisseur Takashi Miike („Audition – Special Edition“) hat es wieder getan. Der ungemein produktive, aber auch kontroverse japanische Filmemacher liefert mit „Blade of the Immortal“ seinen mittlerweile 100. Film ab. Wer es nicht fassen kann, sollte einfach einen Blick auf dessen Filmografie (etwa bei Wikipedia oder der IMDb) werfen. Sein aktuelles Werk ist eine Adaption der gleichnamigen Seinen-Manga-Serie des japanischen Mangakas Hiroaki Samura, die historische Elemente, Action und Mythologie beinhaltet und auch bereits als Anime umgesetzt worden ist.

Der Inhalt des Filmes lässt sich in Kürze wie folgt zusammenfassen:
Protagonist Manji (Takuya Kimura) ist ein Rōnin, ein herrenloser Samurai. Seine kleine Schwester Machi (Hana Sugisaki) hat aufgrund eines tragischen Ereignisses ihren Verstand verloren, weshalb Manji für sie sorgt. Bis zu dem Tag, an dem sich die beiden Hunderten von gefährlichen Assassinen gegenübersehen. Diese töten Machi skrupellos und treiben Manji in eine wilde Raserei, die ihn befähigt, die übermächtige Horde zu massakrieren – stylish und beachtenswert in Schwarz-weiß aufgenommen. Der Härte sowie drastischen und expliziten Gewaltdarstellung der Eröffnungssequenz tut das indes keinen Abbruch; hier fliegen ohne Unterlass Gliedmaßen durch die Gegend und das Blut fließt in Strömen. 

Manji wird in diesem Gemetzel allerdings ebenfalls schwer verletzt und glaubt, er muss den Löffel abgeben. Doch dann erscheint ihm eine mysteriöse Hexe, die ihm sogenannte Blutwürmer einpflanzt. Diese bewirken fortan, dass sich sein Körper immer wieder regeneriert, sodass er selbst tödliche Verwundungen überleben kann. Voller Reue, dass er die kleine Machi nicht beschützen konnte, zieht sich der Samurai in die Abgeschiedenheit zurück; nicht nur des Kampfes, sondern auch des Lebens müde.

Erst als die junge Rin (Hana Sugisaki) in sein Leben tritt, erwachen seine Lebensgeister aufs Neue. Diese scheint ihn an seine verstorbene Schwester zu erinnern – den Zuschauer wundert das weniger, handelt es sich doch um dieselbe Darstellerin, nämlich Hana Sugisaki. Die junge Frau ist völlig verzweifelt, da der begnadete Schwertkämpfer Kagehisa Anotsu (Sôta Fukushi), der sich in den Kopf gesetzt hat, alle japanischen Schwertkunst-Schulen gleichzuschalten, ihre Eltern ermordet hat. Rin schwört diesem daraufhin Rache und Manji willigt ein, ihr Leibwächter auf diesem beschwerlichen Weg zu sein. Gemeinsam begibt sich das ungleiche Paar auf einen blutigen Rachefeldzug.

Dieser beschwerliche Weg bzw. Rachefeldzug soll für den Zuschauer ein außerordentliches Gemetzel und Blutbad bereithalten – die Vorlage scheint wie gemacht für den Kultregisseur Miike, der sich hier mal wieder richtig austobt. Die harten Kampf- und Actionszenen sind gelungen choreografiert und abwechslungsreich gestaltet. Dabei gibt es sowohl Duelle zwischen Manji und einzelnen Kontrahenten als auch Schlachten gegen ganze Horden von Gegnern. Die Zahl der Toten und abgeschlagenen Gliedmaßen dürfte dabei selbst einen solchen Kampf wie Kiddo gegen die „Verrückten 88“ (die Rede ist natürlich von „Kill Bill – Volume 1“) in den Schatten stellen. Wer also ein imposantes Schwertkampf-Gemetzel zu schätzen weiß, ist hier absolut an der richtigen Adresse.

Kehrseite der Medaille ist: Wer sich deutlich mehr von „Blade of the Immortal“ erhofft, könnte potenziell enttäuscht werden. Zwar besitzt der Film auch andere Themen als das Hauptmotiv Rache und auch die Figuren sollen teils vielschichtig sein, aber das alles kratzt doch ein wenig an der Oberfläche, da sich der Löwenanteil des Filmes nun einmal ausgiebigen Schlachten widmet. Die Tiefe einer Story, wie beispielsweise in dem grandiosen Logan – The Wolverine“ mit Hugh Jackman, wird hier trotz einer jedenfalls thematisch nahen Handlung (junges Mädchen haucht altem Haudegen wieder Leben ein) und einer überlangen Laufzeit von 151 Minuten nicht (annähernd) erreicht.

Wer imposante Schwertkampf-Gemetzel zu schätzen weiß, ist bei „Blade of the Immortal“ an der richtigen Adresse. (Copyright: Ascot Elite Home Entertainment)

Auch gegenüber dem äußerst gelungenen Samuraifilm „13 Assassins“ von Takashi Miike selbst aus dem Jahr 2010 muss der hiesige, trotz vergleichbarer Zutaten, den Kürzeren ziehen, da jener zwar auch euphorisch Schwertkampf-Szenen abfeiert, aber daneben mit runderen Charakteren aufwarten kann. Mitunter geraten die Gefechte in „Blade of the Immortal“ auch redundant und formelhaft, insbesondere wenn Manji wieder mal Gliedmaßen anwachsen lassen muss.

Dessen ungeachtet werden Liebhaber von Samuraifilmen hier ganz sicher auf ihre Kosten kommen. Schließlich ist Takashi Miike insofern ein Meister seines Fachs und sein Film sieht jederzeit hochwertig und aufwendig produziert aus. Im Übrigen weiß auch der Cast im Großen und Ganzen zu überzeugen.

Für das Heimkino erscheint „Blade of the Immortal“ am 12. Januar 2018 und dürfte dem einen oder anderen einen kurzweiligen Abend bereiten.

Trailer

Inhalt

Manji ist Samurai und er kann nicht sterben. Sein Körper regeneriert sich immer wieder, selbst abgetrennte Gliedmaßen wachsen wieder an. Dabei würde Manji gerne seiner ermordeten kleinen Schwester Machi in den Tod folgen. Er ist voller Reue, weil er sie nicht beschützen konnte. 50 Jahre später bittet ihn das Mädchen Rin um Hilfe. Der Schwertkämpfer Anotsu hat ihre Eltern getötet und Rin brennt vor Rachedurst. Doch Anotsu hat eine mächtige Gefolgschaft und ist ein fast unbesiegbar guter Krieger. Rin lässt die Erinnerung an Machi wieder lebendig werden und so willigt Manji ein, ihr Leibwächter zu sein. Das ungleiche Duo zieht in einen sehr blutigen Kampf …

(Quelle: Ascot Elite Home Entertainment)

Details

Format: Widescreen
Untertitel: Deutsch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 2.40:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Ascot Elite Home Entertainment
Erscheinungstermin: 12.01.2018
Produktionsjahr: 2017
Spieldauer: 141 Minuten
Extras: Trailershow, Deutscher Trailer

Copyright Cover: Ascot Elite Home Entertainment



Über den Autor

Fabian
Fabian

Warum denn so ernst?