Review

So unterschiedlich die Menschen sind, eins haben sie am Ende ihres Lebens gemein: die Unausweichlichkeit des eigenen Todes. Die Auseinandersetzung mit dem Tod ist für viele heutzutage jedoch immer noch ein Tabu oder zumindest ein schwieriges Thema. Mitunter zeigt sich dies auch in kontroversen Diskussionen über die aktive Sterbehilfe. So ist Holland beispielsweise das erste Land der Welt, in dem die aktive Sterbehilfe 2002 legalisiert wurde.

Zum Sterben nach Holland

Grund genug für die sterbenskranke Figur Arthur (gespielt von Josef Hader), nach Amsterdam aufzubrechen und seinem Leben mit fachmännischer Unterstützung ein Ende zu setzen. An seinem letzten Abend trifft er auf die junge Frau Claire (besetzt durch Hannah Hoekstra) – und überrascht sie bei einem Suizidversuch. Es folgt eine Nacht, die die Hauptfiguren, welche beide bereits auf ihre Weise mit dem Leben abgeschlossen haben, zu einer unerwarteten Schicksalsgemeinschaft zusammenschweißt. Währenddessen versuchen sie, die todbringenden Pläne des jeweils anderen zu durchkreuzen. Erkenntnisse über Dinge, die das Leben ausmachen, der Mut, sich diesem Leben zu stellen und es bis zum letzten Augenblick auszukosten sind die Folgen. Den Weg dorthin verfolgt der Zuschauer in der Tragikomödie „Arthur & Claire“ von Regisseur Miguel Alexandre.

Die unerwartete Schicksalsgemeinschaft: Arthur & Claire

„Arthur & Claire“ basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück von Stefan Vögel – und das merkt man dem Film teilweise an. Fokussiert auf die Interaktionen des hier zusammengefundenen Paares verschwindet die Relevanz etwaiger Nebenrollen in den Hintergrund und auch die Schauplätze bleiben ihre Anzahl betreffend sehr übersichtlich.

Ein herausragender Josef Hader

Die schauspielerische Leistung der Protagonisten muss somit brillant ausfallen, um die Spielzeit von 99 Minuten überzeugend und unterhaltsam auszufüllen, zumal die Handlung und Dramaturgie als solche – gemäß der Ernsthaftigkeit des Themas – sehr entschleunigt und gemächlich präsentiert werden. Dies gelingt den Schauspielern Hader und Hoekstra allerdings hervorragend.

Humor durch Verständigungsprobleme

So ganz in die Tiefe, wie es möglich gewesen wäre, geht der Film jedoch nicht. Das ernste Thema inklusive all seiner Tragik wird vielmehr mit Humor kombiniert. Dieser fällt mal makaber, mal österreichisch-morbide aus, oft bieten aber auch die Dialekte der beiden Figuren (Niederländisch und Österreichisch) ein Stilmittel für Situationskomik. Woraus der Humor auch immer resultiert, am Ende durchbricht er immer wieder die ernsten Momente des Films, was diesem und den Zuschauern durchaus guttut.

Ende gut, alles gut?

Claire (Hannah Hoekstra) und Arthur (Josef Hader) streifen durch die Amsterdamer Nacht. (Copyright: Tivoli Film – Wolfgang Amslgruber)

Jener zeigt sich am Ende von „Arthur & Claire“ über den Ausgang des Films nicht gerade überrascht.

Zusätzlich wirkt die Inszenierung des „Finales“ zu lang inszeniert. Dabei bleiben auch typische Filmübertreibungen nicht aus, die erstmals an der Authentizität des sonst glaubwürdigen Inhalts kratzen.

Das Ende ist somit nicht ganz so gut, wie der Rest des Films. Nichtsdestotrotz überzeugen hier Schwarzhumorigkeit, Thematik und Schauspiel. Indem „Arthur & Claire“ außerdem zum Nachdenken anregt, bleibt die Inszenierung nachhaltig im Gedächtnis. An emotionalen Momenten mangelt es natürlich ebenfalls nicht.

Alles in allem eine großartige Tragikomödie.

Trailer

Handlung

Ein Mann, eine Frau und eine Nacht, in der es um alles oder nichts geht. In einem Hotel in Amsterdam begegnen sich zwei Menschen, von denen jeder für sich bereits mit dem Leben abgeschlossen hatte. Doch dann vereitelt Arthur (Josef Hader), der eigentlich nur ein letztes stilvolles und vor allem einsames Dinner im Sinn hatte, durch Zufall den Suizidversuch der jungen Claire (Hannah Hoekstra). Die beiden Lebensmüden bilden von nun an eine unerwartete Schicksalsgemeinschaft. Gemeinsam brechen sie in die Amsterdamer Nacht auf und beginnen zwischen Grachten, Coffee Shops, bestem Whiskey und einer sich vorsichtig anbahnenden Freundschaft, die Pläne des jeweils anderen zu durchkreuzen. In klugen, witzigen Dialogen kreisen Arthur und Claire um die Dinge, die das Leben wirklich ausmachen, und beschließen, sich diesem Leben zu stellen und es bis zum letzten Augenblick auszukosten.

(Quelle: Universum Film)

Arthur & Claire – Homepage
Arthur & Claire – Facebook

Details

Format: Widescreen
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 2.35:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Universum Film GmbH
Erscheinungstermin: 14.09.2018
Produktionsjahr: 2017
Spieldauer: 99 Minuten
Extras: Hörfilmfassung / Interviews mit Cast & Crew

Copyright Cover: Universum Film



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde