Review

Sicherlich stellt man sich sein Leben und welche Richtungen es einschlägt anders vor, als es sich Shadow Moon, Protagonist der Serie „American Gods“, je zu träumen gewagt hätte. Von dem selbsternannten Mr Wednesday (Ian McShane) als Bodyguard engagiert, versinkt Shadow (Ricky Whittle) immer weiter in eine Welt, in der göttliche Fügungen immer realer erscheinen. Gleichzeitig gerät er aber zwischen die Fronten eines Kriegs der alten und neuen Götter.

Doch nicht nur die Hauptfigur, auch die Zuschauer werden vollkommen unvorbereitet in die fantastische Welt von „American Gods“ buchstäblich hineingeworfen. Der Plot zögert keine Sekunde, bereits den Beginn der Serie mit vielen surrealen Informationen zu füllen. Erst etwa ab der Mitte der ersten Staffel wird ein grobes Gerüst des Ganzen ersichtlich. Doch je mehr Fragen beantwortet werden, desto mehr Fragen scheinen im Endeffekt wieder aufzukommen. Da hilft es wenig, dass die Serie auch vor Zeitsprüngen keinerlei halt macht.

„American Gods“ basiert auf dem gleichnamigen Roman von Neil Gaiman und beschreibt inhaltlich einen starken Kontrast zwischen Religion bzw. Glauben und modernen Technologien wie die Globalisierung. An der Spitze jeder Seite stehen entsprechende Götter, die die Gunst einzelner Menschen oder sogar ganze Gesellschaften gewinnen wollen, um wahlweise neue Zeitalter einzuläuten oder einfach nur um zu verhindern, in Vergessenheit zu geraten.
Dabei baut die Serie vor allem auf Elementen der Fantasy auf, welche aber eher im modernen Kontext zueinanderstehen und mit einer ordentlichen Portion Drama abgerundet werden.

Hinzu kommt, dass „American Gods“ die eigenen Grenzen und die des Zuschauers in fast jeder Folge austestet. Was am Ende wohl dazu führen kann, dass sich ein Teil des potenziellen Publikums von dem Titel abwenden wird. Auf der anderen Seite wiederum wird es jene geben, die nicht genug von dieser bizarren Welt kriegen können.
Während in den ersten Szenen bereits eine vermeintlich blutige Hommage an den Film „300“ gezeigt wird, wird man ab diesem Zeitpunkt für sich selbst feststellen können, ob man „American Gods“ weiterverfolgen will oder eben nicht.

Doch die Serie hat noch viel mehr zu bieten als surreale Szenarien oder Gewalt. „American Gods“ spielt viel mit Symboliken und das sogar absichtlich offensichtlich. Dabei spielen sowohl kulturelle als auch moralische Aspekte eine große Rolle. Würde man noch tiefer gehen, könnte man sogar eine Spur soziale Kritik wiederfinden. Dabei wird an sich ein recht moderner Erzählstil gefahren, welcher den Folgen sehr viel Dynamik verleiht.

Tatsächlich gibt es in dieser Staffel nur wenige Stellen, die man als „Filler“ bezeichnen könnte. Zum größten Teil gestaltet sich das Ganze so abgefahren, dass es man vor lauter Unterhaltung bis zur nächsten Folge gar nicht mehr aushalten kann.

Mit einem stets präsenten grauen Filter überzogen ergeben sich neue Richtungen in der Story und neue Zusammenschlüsse unterschiedlichster Charaktere, deren Chemie im weiteren Verlauf immer besser zu funktionieren scheint.

Auch an CGI-Effekten wurde nicht gespart. Das merkt man den Szenen zwar sofort an, aber aufgrund des sowieso schon absurden Grundgedankens macht dies dann auch keinen Unterschied mehr; auch wenn man sich mit den Slow-Motion-Aufnahmen echt hat gehenlassen und dabei scheinbar nie genug davon bekommt, Blut mit Regen oder anderen Arten von Wasser zu vermischen.

Zwischendurch wirkt der Aufbau der einzelnen Folgen etwas gewöhnungsbedürftig. So werden Szenen, die wirken, als wären sie beendet, immer noch weiter laufen gelassen.

Untermalt werden Szenen oder Übergänge dafür immer mit entsprechend passender Musik. Am Anfang kristallisiert sich noch ein Hang zum Folk oder Country heraus, während sich dieser Sound immer weiter verändert und auch zeitgenössischer klingt.

Mr Wednesday (Ian McShane) und Shadow (Ricky Whittle) in „American Gods – Staffel 1“ | Copyright: Studiocanal

Abseits davon funktionieren die Charaktere in „American Gods“ deshalb so gut, da jeder auf seinen persönlichen Nullpunkt gekommen zu sein scheint, was ungemein dabei hilft, einen gewissen Bezug zu diesen Figuren zu finden.
Gleiches gilt für die einzelnen Götter, deren Rollen in der Welt man oft nicht direkt auf Anhieb erkennt, welche sich aber durch den darauf folgenden Kontext in der Regel immer erschließen.

„American Gods“ ist eine Serie, die polarisiert und bei der so mancher an die Grenzen des eigenen guten Geschmacks kommen wird. Daher wird es Zuschauer geben, denen die Produktion nicht gefallen wird und die die Serie deshalb auch nicht schauen werden. Vielleicht auch deswegen, weil es wenig Möglichkeiten zur Identifikationen gibt, die vielleicht Serien wie „Breaking Bad“ viel stärker in sich vereinen. Jene Zuschauer aber, die Gefallen an „American Gods“ gefunden haben und sich auf die Story einlassen können, werden mit dieser Serie ihr persönliches Highlight finden.

Vielleicht nicht immer innovativ, aber im Kern etwas völlig anderes und vor allem eine Serie, bei der man die einzelnen Folgen nacheinander verschlingt.

Trailer

Inhalt

Gerade aus dem Gefängnis entlassen, trifft Shadow Moon (Ricky Whittle) auf den mysteriösen Mr. Wednesday (Ian McShane). Eine schicksalhafte Begegnung, die sein Leben für immer verändern wird…
Tief verletzt vom tragischen Tod seiner Frau Laura (Emily Browning) wird Shadow unterwartet als Bodyguard von Mr. Wednesday engagiert und findet sich schnell in einer Welt wieder, die er nicht versteht. Eine geheime Welt, in der Magie real ist und die alten Götter sowohl ihre Bedeutungslosigkeit, als auch die durch Technologie und Medien zunehmende Macht der neuen Götter fürchten. Mr. Wednesday versucht, die alten Götter zusammenzubringen, um mit einer Armee ihr Dasein in diesem neuen Amerika zu verteidigen und den Einfluss, den sie in früheren Zeiten genossen haben, wiederzuerlangen. Shadow hingegen fällt es auf dem Roadtrip durchs Land schwer, diese neue Realität und seinen Platz in ihr zu akzeptieren.

(Quelle: Studiocanal)

Details

Format: DVD
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 4
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Studiocanal
Erscheinungstermin: 27.07.2017
Produktionsjahr: 2017
Spieldauer: 480 Minuten

Copyright Cover: Studiocanal



Über den Autor

Christopher