Review

Mickey Rourke war nicht immer ein ausgefranster Typ

2005 feierte Mickey Rourke in Sin City“ von Robert Rodriguez und Frank Miller sein Comeback in der großen Schauspielwelt und war seitdem wieder in einigen Blockbustern wie „Iron Man 2“ oder auch „The Expendables“ zu sehen. Besonders hervorzuheben ist seine Galavorstellung in The Wrestler“ (unbedingt anschauen!) von 2008 unter der Regie von Darren Aronofsky, mit der er seine Karriere veredelt hat. Und bei allem Respekt für Sean Penn und die Mitnominierten: Bei der Oscarverleihung 2009 hätte kein Weg an Mickey vorbeiführen dürfen.

Was den oben genannten Rollen gemeinsam ist, ist, dass Mickey stets den schrägen Typen mit Ecken und Kanten gibt, der ziemlich verwittert und abgehalftert daherkommt. Die meisten werden sich nicht mehr erinnern können, aber Rourke hat eine Vergangenheit als Sexsymbol der 80er Jahre – der Kerl sah unverschämt gut aus.

So gut, dass er 1986 in dem Erotikfilm „9½ Wochen“ von Regisseur Adrian Lyne („Untreu“) neben Kim Basinger („L.A. Confidential“, „Batman“) die zweite Hauptrolle spielte. Ein echtes Traumpaar der 80er-Jahre. Der Film spielte weltweit 100 Millionen US-Dollar ein und basiert auf dem gleichnamigen Bestseller-Roman von Ingeborg Day, der 1978 unter dem Pseudonym Elizabeth McNeill veröffentlicht wurde.

Handlung

Der reiche, gut aussehende Börsenmakler John (Mickey Rourke) lernt eines Tages in der Mittagspause im Viertel China Town zufällig die attraktive Kunstgaleristin Elizabeth (Kim Basinger) kennen. Auf den ersten Blick besteht eine große Anziehung zwischen den beiden Großstädtern. Prompt geben sie sich einem sinnlichen, leidenschaftlichen Liebesabenteuer hin. Allerdings merkt Elizabeth bald, dass ihr neuer Liebhaber eine besondere Vorliebe für ungewöhnliche erotische Spiele hat, deren Bestandteile Machtspielchen, Demütigung und Unterordnung sind. Trotz immer öfteren Unbehagens kann sich Elizabeth dem aufregenden Mann zunächst nicht entziehen …

Wegbereiter für >Fifty Shades of Grey<

„9½ Wochen“ kann man ohne Weiteres als einen der Wegbereiter für die „Fifty Shades of Grey“-Reihe betrachten. Das zeigen allein die Zutaten: Reicher, aufregender Mann mit besonderen Vorlieben verführt eine attraktive, naive Frau, die – zumindest eine Weile – sexuelle Erregung aus Gehorsam und Erniedrigung entgegen der eigenen Wohlfühlzone verspürt. Dies sind dann auch die zentralen Aspekte des Films: sexuelle Verführbarkeit und bedrohte Selbstkontrolle

Dabei passt die Chemie zwischen den Hauptdarstellern ausgezeichnet und deren Schauspiel unterstreicht die Persönlichkeiten der Figuren authentisch. Allerdings herrscht hier auch eine äußerst archaische Rollenverteilung vor, die nicht viel Platz für große Überraschungen lässt.

Brave Erotik

Kim Basinger und Mickey Rourke in den Hauptrollen von „9½ Wochen“ (Copyright: Filmconfect Home Entertainment)

Abgesehen davon ist die Handlung von „9½ Wochen“ ausgesprochen dünn. Im Zentrum steht die Beziehung zwischen den beiden Hauptfiguren und daneben gibt es nicht viel.

Leider wirkt der Erotikfilm auch in seinem Kernmetier, den Erotikszenen, mitunter leicht verstaubt, hier und da gar etwas lächerlich oder auch befremdlich. Auch ist der Film sicherlich nicht mehr so frech und frivol, wie er sich vermutlich in den 80ern angefühlt hat. Lediglich minimal angedeutete BDSM-Spielchen, nicht vorhandene härtere Sex-Szenen und ein ziemlich cleaner Look lassen den Film eher brav denn verrucht wirken.

Alles in allem enthält der Film einige vielfach zitierte Szenen, fühlt sich aber – aus heutiger Sicht – nicht wie ein Must-see-Klassiker an.

Video

Inhalt

John (Mickey Rourke) und Elizabeth (Kim Basinger) lernen sich in New York kennen. Beide geben sich einem erotischen Spiel hin, das ebenso ungewöhnlich wie aufregend und gefährlich ist. Beherrschen und gehorchen, Demütigung und willenlose Unterordnung heißen die Regeln dieses Spiels. John und Elizabeth fallen in einen Strudel psycho-erotischer Extravaganzen und erleben eine Leidenschaft, die kein Tabu kennt.

(Quelle: FilmConfect Home Entertainment)

Details

Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: FilmConfect Home Entertainment GmbH
Erscheinungstermin: 21.09.2018
Produktionsjahr: 1986
Spieldauer: 117 Minuten
Extras: Original Kinoplakat

Copyright Cover: FilmConfect Home Entertainment GmbH



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)