Review

Travis Conrad (Ethan Hawke) ist ein ehemaliger Auftragskiller und Elitesoldat im Ruhestand. Nachdem seine Frau und sein kleiner Sohn aus dem Leben geschieden sind, vertreibt sich Travis die Zeit lieber mit seinem Schwiegervater Frank (Rutger Hauer) und betrinkt sich. Das Töten überlässt er anderen. Als dann aber sein alter Wegbegleiter Jim Morrow (Paul Anderson), mit dem er für das private Militärunternehmen Red Mountain gearbeitet hat, in seiner Stammkneipe mit einem unwiderstehlichen Angebot auftaucht, nimmt Travis einen allerletzten Auftrag an. Auftraggeber ist dabei, wie schon in der Vergangenheit, der skrupellose Wetzler (Liam Cunningham). Travis soll einen Zeugen ausschalten, der Red Mountain in größte Schwierigkeiten bringen könnte. Besagter Zeuge genießt jedoch den Schutz der Interpol Agentin Lin Bisset (Xu Qing), mit der Travis zunächst anbändelt, um an sein Opfer zu gelangen. Der Plan geht jedoch nach hinten los, denn Lin entlarvt den Hitman und befördert ihn kurzerhand ins Jenseits – jedenfalls vorübergehend. Travis wacht auf einem Operationstisch auf und muss feststellen, dass Red Mountain ihn mit einem mysteriösen medizinischen Verfahren ins Leben zurückgeholt hat. Allerdings bleibt Travis nur noch kurze Zeit zu leben, 24 Stunden um genau zu sein. Praktischerweise wird ihm seine verbleibende Lebenszeit auf einer implantierten Uhr auf dem Unterarm als Countdown angezeigt („In Time – Deine Zeit läuft ab“ lässt grüßen!). Nachdem Wetzler und sein – vermeintlicher – Kumpel Jim ihn gefesselt im Operationssaal zum Sterben zurücklassen, kann sich der ehemalige Elitesoldat befreien und sinnt nun auf Rache, bevor seine Zeit abläuft.

Mit „24 Hours to Live“ legt Brian Smrz erst seine zweite Regiearbeit vor. Zuvor hat sich der Action-Profi bei großen Hollywood-Produktionen („Stirb langsam 4.0“, „Mission: Impossible II“, „Iron Man 3“ u.v.m.) vor allem als Stunt-Koordinator und Second Unit Director einen Namen gemacht. Für seinen Rache-Actioner konnte der Regisseur dennoch einen (recht) namhaften Cast zusammentrommeln.

Die Hauptrolle übernimmt der vielseitige und in jüngerer Vergangenheit immer mal wieder in kleineren beziehungsweise Straight-to-DVD-Produktionen anzutreffende Ethan Hawke („Gattaca“, „Training Day“, „Daybreakers“, „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“), der seine Sache hier auch ordentlich macht und sichtlich bemüht ist, seiner Figur eine gewisse Tiefe zu verleihen.

In Nebenrollen sehen wir außerdem noch Rutger Hauer („Blade Runner“, „Batman Begins“), Xu Qing („Looper“), Paul Anderson (“ The Revenant – Der Rückkehrer“) und den insbesondere aus „Game of Thrones“ bekannten Liam Cunningham (dort als Ser Davos Seewert). Allerdings bleiben die Nebencharaktere allesamt ziemlich blass und substanzlos. Ihre Figuren haben kaum nennenswerte Tiefe und können das Interesse des Zuschauers nicht wecken. Insbesondere ein Schauspieler wie Rutger Hauer bekommt so gut wie nichts zu tun und kann lediglich zu Beginn des Films in einer äußerst kurzen Sequenz glänzen. Liam Cunningham gibt den Abziehbild-Bösewicht, ohne nennenswerte Persönlichkeit. Ethan Hawke bekommt als Protagonist zwar mehr Zeit, seine Rolle anzulegen, aber ob der Inszenierung will auch das nicht recht gelingen. Allzu oft sehen wir Flashbacks oder Halluzinationen mit seinem verstorbenen Sohn, die ihn zum geläuterten Helden machen sollen. Das wirkt in einem – handlungsarmen – Action-Film oft überstrapaziert und die Emotionalität bemüht.

Ethan Hawke als Travis Conrad in „24 Hours to Live“ (Copyright: Universum Film / Coco Van Oppens)

Dass die Handlung recht klischeehaft und generisch daher kommt, muss man all jenen, die die Inhaltsangabe gelesen haben nicht erzählen. Hier werden verschiedenste Versatzstücke aus anderen Genre-Vorbildern recycelt: Die Idee des vom Töten ermüdeten ehemaligen Auftragskillers kennen wir aus jüngerer Vergangenheit nur allzu gut aus „John Wick“ beziehungsweise der Fortsetzung „John Wick: Kapitel 2“. Die Parallele bezüglich der etwas anderen „Armbanduhr“ aus „In Time – Deine Zeit läuft ab“ haben wir bereits erwähnt. Außerdem sind Gemeinsamkeiten mit „Crank“ und „Crank 2: High Voltage“ unverkennbar, in denen Jason Statham – womöglich in seiner besten Rolle – als Chev Chelios auch nur noch kurze Zeit zu leben hat und mit aberwitzigen Methoden versucht, seine Lebenszeit zu verlängern – bloß, dass derlei bizarre lebenserhaltende Maßnahmen hier keinen Platz finden.

Macht ja nichts, könnte man jetzt sagen. Hauptsache die Inszenierung und die Action stimmt. Leider ist dem aber nicht so. Der Film fokussiert sich allzu oft auf die – vermeintlich interessante – Psychologie seiner Hauptfigur, statt sich auf brachiale Action und Intensität zu konzentrieren. Insbesondere dadurch mangelt es dem Film, im Gegensatz zu seinen Vorbildern, an einer gewissen Geradlinigkeit. Es soll gar nicht in Abrede gestellt werden, dass einige der Action- und Gewaltszenen durchaus gelungen inszeniert sind; allein sie kommen zu selten und zu selten packend. Richtige Spannung will in den knapp 90 Minuten nicht aufkommen und so fällt der Vorhang auch – passend – mit einem recht mäßigen und vorhersehbaren Showdown.

Trailer

Inhalt

Der ehemalige Elitesoldat Travis Conrad ist nach dem Verlust seiner Familie am Boden zerstört und hängt seinen Job als Söldner an den Nagel. Als jedoch sein alter Freund Jim Morrow, mit dem er für das private Militärunternehmen Red Mountain gearbeitet hat, mit einem unwiderstehlichen Angebot auftaucht, nimmt Travis diesen allerletzten Auftrag an. Doch die Mission missglückt: Bevor Travis die Zielperson töten kann, entlarvt ihn die Interpol Agentin Lin Bisset und eliminiert ihn kurzerhand. Doch Travis erwacht in einem Operationssaal wieder zum Leben – an ihm wurde ein von Red Mountain entwickeltes, höchst experimentelles medizinisches Verfahren getestet, das ihn für weitere 24 Stunden am Leben hält – damit er Jim den geheimen Aufenthaltsort der Zielperson nennen kann. Von seinem alten Freund betrogen, hat Travis nur noch ein letztes Ziel: Red Mountain zu zerstören, bevor seine Zeit abläuft …

(Quelle: Universum Film)

Details

Format: Widescreen
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 2.40:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Universum Film GmbH
Erscheinungstermin: 11.05.2018
Produktionsjahr: 2017
Spieldauer: 93 Minuten

Copyright Cover: Universum Film



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)