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Interviews

2. Februar 2016

Interview: 10 Jahre Splitter – wie alles begann (mit Sven Jachmann)

Interview: Splitter-Verlag

Anlässlich des 10-jährigen Bestehens des Splitter-Verlags, das wir nicht nur zum Verlagsgeburtstag dieses Jahr im Oktober, sondern volle 12 Monate feiern, wollen wir zunächst einen Blick zurückwerfen. Wie war das damals, als „Splitter“ zum zweiten Mal geboren werden sollte?

Zum Verlagsleben gewährt Sven Jachmann, seit 2012 Redakteur, Lektor und Letterer bei Splitter, Einblicke in die (Neu)Gründung im Jahr 2006, beschreibt, wie neue Titel ins Verlagsprogramm kommen und erklärt, warum „Toonfish“ die verrückte kleine Schwester von „Splitter“ ist.

Ivonne: Hallo Sven. Lass uns direkt loslegen. Welche Beweggründe steckten dahinter, wieder den Namen „Splitter“ zu verwenden?

Der Name wurde gleichzeitig als Hommage und als Fortführung dieser Tradition gewählt.

Sven: Der alte Splitter Verlag stand ebenfalls für frankobelgische Comics mit Phantastik-Schwerpunkt. Außerdem hat Dirk Schulz, einer der drei Verlagsgründer, beim alten Splitter Verlag in den frühen 90ern seine erste Comicserie „Indigo“ veröffentlicht. Der Name wurde also gleichzeitig als Hommage und als Fortführung dieser Tradition gewählt.

Ivonne: Da die Namenssuche ja quasi wegfiel, gab es sonst besondere Herausforderungen?

Sven: Da Dirk Schulz, Delia Wüllner-Schulz und Horst Gotta ja bereits über 20 Jahre professionell im Comicbereich arbeiteten, war der Verlag in gewisser Weise eine Fortführung dieser Praxis mit anderen Mitteln. Die größte Herausforderung war sicherlich, mit den Debüttiteln herauszufinden, ob das, was uns gefiel, von einem großen Publikum ebenfalls geteilt wurde. Abgesehen von den großen Klassikern galten ja das frankobelgische Comicalben-Segment und Genre-Erzählungen bereits als absolut randständig. Das hat sich zum Glück nicht bewahrheitet.

Ivonne: Nach welchen Kriterien wurden die ersten zwei Veröffentlichungen, „Die Schiffbrüchigen von Ythaq“ und „Das verlorene Paradies„, ausgewählt?

Sven: Das waren einfach zwei Spitzenserien, für die sich erstaunlicherweise kein weiterer hiesiger Verlag interessierte. Modern, originell, klar in der Science Fiction verankert und deshalb für den Auftakt prädestiniert. „Ythaq“ ist ja mittlerweile bei Band 13 angelangt und das Interesse daran ist nicht abgeebbt.

Der Mann hinter den Antworten: Sven Jachmann vom Splitter-Verlag. (Copyright: Sven Jachmann)

Der Mann hinter den Antworten: Sven Jachmann vom Splitter-Verlag. (Copyright: Sven Jachmann)

Ivonne: Stehen diese zwei Serien immer noch stellvertretend für die zwei Hauptgenres des Verlages?

Sven: Phantastik bildet ganz klar den Schwerpunkt bei unserer Arbeit, auch wenn sich Splitter über die Jahre zum Themenverlag entwickelt hat und jedes Genre und mannigfaltige Erzählformen berücksichtigt. SF, Fantasy und auch Horror sind und bleiben aber tragende Säulen.

Ivonne: Spielen – neben der grundsätzlichen Ausrichtung – auch persönliche Vorlieben eurer MitarbeiterInnen bei der Auswahl neuer Veröffentlichungen eine Rolle?

Sven: Fast immer, vielleicht 5% des Programms bilden Titel, die von uns unter künstlerischen Aspekten nur bedingt geschätzt sind, bei denen man sich mit Blick auf die Verkäuflichkeit jedoch relativ sicher sein kann, dass sie ihren Weg machen werden; die restlichen 95% verdanken sich ohnehin den jeweiligen Vorlieben. Da ist in manchen Fällen auch im Vorfeld klar, dass der Verkauf sehr schwierig wird. Solche Werke werden dann von den Sellern praktisch querfinanziert. Auch die große Backlist ist hierfür sehr wichtig.

Ivonne: Und darüber hinaus: Wie relevant sind Trends für die Ausrichtung des Programms? Ich denke da zum Beispiel an den großen Vampir-Hype nach „Twillight“.

Sven: Trends sind hin und wieder wichtig, gerade bei den amerikanischen Titeln registriert man mit großer Freude, dass reihenweise Verfilmungen angekündigt werden. Die Qualität bleibt aber bei der Wahl das wichtigste Kriterium, und der Comic muss sich gut ins restliche Programm einfügen. Wir achten sehr darauf, das eigene Profil nicht zu verwässern und zugleich genügend Raum für Überraschungen zu wahren.
Natürlich macht es niemanden glücklich, wenn man völlig am Markt vorbei produziert, und wenn beispielsweise rund um „Walking Dead“ ein unvorhersehbarer Zombie-Hype entsteht, der auch unsere „Zombies„-Serie beflügelt: recht so!

Im Prinzip ist jede Veröffentlichung ein Abenteuer

Umgekehrt muss man ohne Hype aber eben darauf bauen, dass Qualität ihre LeserInnen finden wird. Da gibt es keinen Königsweg, und sobald man glaubt, doch einem auf der Spur zu sein, folgt die Überraschung, manchmal im Guten, manchmal im Schlechten.
Manche Titel brauchen viel Berichterstattung, andere überhaupt nicht; manche schießen im Erstverkauf extrem in die Höhe und flachen nach wenigen Monaten rasant ab, andere sind schon längst als Flop verbucht und entwickeln sich nach einem Jahr auf einmal zu konstanten Bestsellern, obwohl weit und breit kein Hype existiert, mit dessen Hilfe man sich das erklären könnte.
Im Prinzip ist jede Veröffentlichung ein Abenteuer, auch wenn sich mit der Zeit die Auflagenhöhe relativ sicher kalkulieren lässt.

Ivonne: Wenn ihr auf eine thematisch passende Veröffentlichung aufmerksam werdet, wie ist dann das weitere Vorgehen?

Sven: Zunächst schauen wir natürlich, ob der Titel nicht bereits veröffentlicht oder anderweitig lizenziert wurde. Dann folgt der Kontakt zum Lizenzgeber, ein Leseexemplar oder Pdf wird ggf. angefordert. Wenn es gefällt und gut zum Verlag passt, wird ein Vertrag ausgehandelt. Das funktioniert meist recht schnell und umkompliziert, manchmal legen wir aber auch sehr langwierig bedachte und ausgearbeitete Veröffentlichungs- und Marketingkonzepte vor. Bei Erstkontakten und großen Prestige-Titeln ist das keine Seltenheit. Ist der Vertrag fix und unterschrieben, erhält man die entsprechenden Daten für die Bearbeitung und dann kann, nachdem man sich für einen Programmplatz entschieden hat, eigentlich auch schon die Produktionsphase beginnen.

Ivonne: Herrscht bei dem Bearbeitungsprozess noch enger Kontakt zu den Urhebern?

Sven: Abgesehen vom obligatorischen Approval ist das nicht oft der Fall. Manchmal kontaktiert ein Lektor oder eine Übersetzerin bei groben Irritationen die AutorInnen, aber das geschieht sehr selten. Bei Eigenproduktionen hingegen ist der Austausch weitaus intensiver.

Ivonne: Seit 2010 gibt es neben „Splitter“ auch den Toonfish-Verlag. Warum „Toonfish“?

Sven: Weil Kalauer es einfach drauf haben! 🙂

Ivonne: Aus welchem Grund wurde damals nicht „Splitter“ selbst um eine solche Sparte erweitert?

Logo des Toonfish-Verlags

Logo des Toonfish-Verlags

Sven: Zum einen wollten wir das Programm nicht zu sehr mit den erwachsenen Themen vermischen. Das Gros bei Toonfish besteht ja aus Comics für Kinder und Jugendliche und selbige direkt neben Gewaltexzesse wie „Arawn“ oder „Legende der scharlachroten Wolken“ zu platzieren, schien uns etwas zu kühn.
Zum anderen ist Toonfish auch ein Feld für Experimente. Bei Splitter sind wir in der Regel an die festen Alben- und Book-Formate gebunden; Toonfish-Bücher können auch schon mal quadratisch sein.

Außerdem wollten wir uns, anders als bei Splitter, die Freiheit nicht nehmen lassen, schlecht laufende Reihen vorzeitig zu beenden. Cartoons werden meist nicht ähnlich intensiv gesammelt wie Comics und in Serie erreichen sie schnell den mittleren zweistelligen Bereich. Letztlich mussten wir aber nur einzig mit den „Blondinen“ so verfahren, denen ich persönlich auch keine Träne nachweine. Mit den „Schlümpfen“ hat sich aber das Toonfish-Profil klar konsolidiert.

Ivonne: Über die Zukunftsmusik werden wir uns am Ende dieses Jahres noch einmal unterhalten. Wie wäre es bis dahin noch mit einem kleinen Fazit?

Sven: Sobald Splitter volljährig wird, gibts auch Alkohol-Comics. 😉

Nun kommen unsere Keywords. Man stelle sich vor, wir würden Dir Wörter an den Kopf werfen, die uns spontan eingefallen sind, als wir über dieses Interview nachgedacht haben. Bitte schreibe kurz unter jedes Wort, was Dir dazu einfällt:

Comics

finden dich!

Cosplay

kann gelegentlich recht bizarr sein.

Bücherregal

Immer bedrohlich klein!

Frankreich

weiß gute Kunst zu schätzen!

Batman

vs. Dirty Harry!

Lesezeichen

sollten wir mal wieder machen! 🙂

Bielefeld

ein Paradoxon! 🙂

e-Formate

haben noch einen weiten Weg vor sich.

Conventions

Für Aussteller immer ein Adrenalinkick!

Konkurrenz

ist im Comicbetrieb oft mit gegenseitigem Respekt verbunden.

Wir bedanken uns für das Interview!

Über Sven Jachmann

Sven Jachmann, Autor, Journalist, Redakteur, geboren 1978, wacht und schläft in Bielefeld.

(Quelle: Privatblog, Sven Jachmann)



Über den Autor

Ivonne
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"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer




 
 

 
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