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27. Dezember 2016

Interview: 10 Jahre Splitter – Dezember, Feierlichkeiten und Zukunftsgedanken (mit Sven Jachmann)

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Verfasst von: Ivonne
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Volle zwölf Monate haben wir gemeinsam mit dem Splitter Verlag die erste Dekade Verlagstreiben exemplarisch Revue passieren lassen.

Highlights und Entwicklungen, Trends und Vorstöße, Kuchen und virtuelles Konfetti gab es zu bestaunen und natürlich jede Menge zu gewinnen.

Zum Abschluss der Feierlichkeiten suchen wir noch einmal das Gespräch mit Sven Jachmann, seit 2012 Redakteur, Lektor und Letterer bei Splitter.

Ivonne: Euer Geburtstagsjahr neigt sich dem Ende zu. Wir hoffen, ihr habt schön gefeiert. Was waren die schönsten Momente in diesem Jubiläumsjahr?

Irgendwann sind wir nur noch knallrot und glückselig durch die Hallen geschwebt

Sven: Eindeutig der Comic Salon Erlangen. Die dortige Stimmung ist sowieso immer special, aber diesmal waren so viele Fans und Leser darunter, die einfach mal Glückwünsche verteilten oder unsere Arbeit loben wollten – irgendwann sind wir nur noch knallrot und glückselig durch die Hallen geschwebt. Einfach grandios!

Ivonne: Unter so vielen tollen Veröffentlichungen einen Lieblingscomic auszuwählen, ist sicherlich unmöglich.
Aber gibt es Favoriten unter den zehn Sondereditionen?

Sven: Für mich sind das eindeutig „Malcolm Max“.

Malcolm Max – Cover der Sonderedition (Copyright: Splitter Verlag)

Eigenproduktionen genießen natürlich ohnehin einen Sonderstatus. Man ist stärker am Entstehungsprozess beteiligt und hat weitaus engeren Kontakt zu den Künstlern.
Wenn sie dann noch so sympathisch deluxe und nicht zuletzt geradezu unverschämt talentiert wie Ingo und Peter sind, ist die Zusammenarbeit für mich ein großes Privileg.

Die beiden haben mit „Malcolm Max“ einen der besten hiesigen Genre-Comics geschaffen. Da war so ein editorisches Denkmal noch das fehlende Sahnehäubchen.

Ivonne: Welche Rückmeldungen gab es denn überhaupt zu euren Sondereditionen?

Sven: Durchweg positive. Manche Bände, wie das Don-Lawrence-Skizzenbuch, waren schon nach einem Monat ausverkauft.

Wir haben viele Rückmeldungen von Lesern und Händlern bekommen, teilweise sogar von einigen französischen Künstlern, die sofort zum Telefon griffen, als sie ihre Belegexemplare erhielten.

Ivonne: Abgesehen von den Feierlichkeiten habt ihr in diesem Jahr mit Minisplitt ja noch einen ganz besonderen Leckerbissen für eure Leser vorbereitet. Wie kam es dazu, vom typischen Splitter-Großformat abzuweichen?

Sven: Minisplitt ist ein Testballon für den Buchhandel. Die Bücher sollen möglichst günstig sein, und das Format wurde für Titel erdacht, denen man einerseits ein großes Publikum zutraut, das man andererseits aber auch erst einmal erreichen muss.

Für Titel erdacht, denen man einerseits ein großes Publikum zutraut, das man andererseits aber auch erst einmal erreichen muss

Noelle Stevenson und ihr Werk „Nimona“ waren in Deutschland bislang praktisch unbekannt. Wäre das Buch als reguläres überformatiges Hardcover-Book erschienen, hätten wir den Preis um zehn Euro erhöhen müssen, damit es sich im besten Fall auch nur annähernd rentiert. Also Risikominimierung.

„Nimona“ ist das Paradebeispiel eines rundum genialen Frühwerks, also wollten wir gute Voraussetzungen schaffen, dass dies auch möglichst viele bemerken. Und weil uns der Gedanke so gefiel, haben wir Zeps „Le Monde“-Kompendium „What a Wonderful World“ spontan als zweites Minisplitt parallel veröffentlicht. Das hat dessen ursprünglichen Preis sogar um 15 Euro reduziert.

Ivonne: Ich persönlich bin ja nicht nur von „Nimona“, sondern auch vom neuen Format mehr als angetan. Welches Feedback habt ihr im Übrigen schon von euren Lesern bekommen?

Der Mann hinter den Antworten: Sven Jachmann vom Splitter-Verlag. (Copyright: Sven Jachmann)

Sven: Auch hier: viel Lob und Zuspruch, weil dies für Splitter ganz einfach eine weitere neue Editionsvariante darstellt. Und die sollte natürlich genauso hochwertig sein wie bei den Hardcover-Büchern, das war oberstes Kriterium.

Ich habe aber den Eindruck, dass die anfängliche Begeisterung über diesen Versuch mittlerweile auf „Nimona“ selbst umgeschwenkt ist. Und warum auch nicht? Die Güte einer Comicerzählung ist ja an ihre künstlerische Programmatik gebunden, nicht ans Format, finde ich.

Ivonne: In eurer Online-Vorschau sind bisher keine weiteren Minisplitts auszumachen. Könnt ihr schon verraten, in welche Richtung die nächste Veröffentlichung gehen wird?

Sven: Im nächsten Halbjahreskatalog wird kein Minisplitt dabei sein. Aber bloß aus ganz pragmatischen Gründen: Es gab für diesen Zeitraum keinen geeigneten Kandidaten und wir wollten nicht krampfhaft eine Veröffentlichung reindrücken. Mal sehen, wie es im darauffolgenden Katalog ausschaut.

Ivonne: Apropos andere Veröffentlichungswege. Wie schaut es bei euch im E-Book-Bereich aus?

Als Markt ist dieser Zweig, zumindest bislang, eigentlich nicht der Rede wert.

Sven: Die Zahl an Splitter-e-Comics dürfte mittlerweile im dreistelligen Bereich sein, Schlümpfe, Benni Bärenstark, Blau ist eine warme Farbe, der Großteil der amerikanischen Comics: James Bond, Fight Club 2, Lazarus, Black Science, Descender. Aber im Gegensatz zum gedruckten Buch scheint im Comicbereich der Verlust der Haptik, von der comicspezifischen Kompositionsästhetik gar nicht erst zu reden, noch ein gültiges Lektürekriterium zu sein. Als Markt ist dieser Zweig, zumindest bislang, eigentlich nicht der Rede wert.

Nun kommen unsere Keywords. Man stelle sich vor, wir würden Dir Wörter an den Kopf werfen, die uns spontan eingefallen sind, als wir über dieses Interview nachgedacht haben. Bitte schreibe kurz unter jedes Wort, was Dir dazu einfällt:

Zehn

Zwanzig 🙂

Konfetti

Wer macht’s weg?

Goldprägung

Ich streichel oft „Murena“ 🙂

Facebook

Gigantischer Monopolist, der ohne Skrupel Nazis eine Propagandaplattform schenkt.

Fantasy

braucht progressive Impulse!

Verfilmung

Yin und Yang: Bringen Neuleser und indizieren zugleich die Kreativflaute Hollywoods.

Kaffee

Tee!

Kritik

Sollte leider unter Artenschutz gestellt werden.

Motivation

Mehr Tee!!

Vision

Ohne AfD ins Bett.

Wir bedanken uns für das Interview!

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Ivonne
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"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer




 
 

 

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