Review

Kaum droht den Kinosälen ein neuer Hit am Himmel der Comicverfilmungen, werden alle Rechte zusammengeklaubt und Comicfans eine Wand aus Veröffentlichungen und Merchandise entgegengehauen. Dieses Spiel kennen wir ‑ und ehrlicherweise spielen wir es auch gerne mit. Da dieses Jahr noch Wonder Woman in die Kinos kommen wird, hat auch dieser Charakter einen regen Zulauf an Veröffentlichungen zu verzeichnen. Ob man „Wonder Woman ‑ Die Götter von Gotham“ unbedingt lesen sollte, klären wir jetzt!

Zunächst: Diese Story, geschrieben von J. M. DeMatteis und Phil Jimenez, stammt aus dem Jahr 2001. Die Diana aus dieser Zeit ist natürlich auch eine Amazone und Prinzessin von Themyscira, bringt aber ein paar andere Vorzeichen mit in die Handlung. Hier war noch kein Azzarello und keine Finchs am Werk. Im Klartext heißt das insbesondere, dass diese Diana einmal für kurze Zeit tot war und ihrer Mutter das Feld als Wonder Woman überlassen musste. Dementsprechend gut ist die Stimmung zwischen den beiden. Genauso geht es übrigens auch den Nebencharakteren ‑ aber hier helfen Vorwort und Charakterguide, um sich in der Story zurechtzufinden.

Diese ist recht schnell skizziert: Die drei göttlichen Kinder von Kriegsgott Ares haben sich (teilweise aus der Hölle) erhoben und einige Erdlinge beseelt, um aus Gotham das neue Hauptquartier für ihren Vater zu machen. Hierfür akquirieren sie Gläubige, um Hass, Missgunst und Gewalt zu mehren. Da Gotham vor allem das Jagdrevier von Batman ist, macht dieser sich an die Arbeit, zumal auch der Joker als Lieblingserzfeind mit dabei ist. Mit Göttern sollte man allerdings lieber nicht spaßen, von daher macht sich neben einigen anderen Nebendarstellern auch Wonder Woman auf den Weg. Da Gewalt die Macht der Besessenen allerdings nur mehrt, wird dieses ungleiche Team wohl eine andere Lösung für das Problem finden müssen.

Leseprobe aus „Wonder Woman – Die Götter von Gotham“ (Copyright: Panini Verlag)

Ein durchaus interessanter Ansatz, den das Autorenduo hier wählt. Trotzdem fällt der Unterhaltungswert eher mittelprächtig aus. Denn was actionreich oder dramatisch klingt, wird durch langatmige Diskussionen ausgebremst. Außerdem stehen sich die Charaktere ständig gegenseitig im Weg, sodass Konflikte vor allem hier ausgetragen werden. Der mythologische Ansatz verkommt dabei zum reinen Schmuckwerk.

Außerdem fehlt es der Protagonistin Diana ‑ zumindest in dieser Story ‑ vor allem an einem: Vielschichtigkeit. Obwohl der Plot der Geschichte von inneren Werten lebt, zeichnet sich die Kriegerin hier nicht besonders aus. „Liebe“ ist halt nicht immer die Antwort auf alle Konflikte. Aber ehrlicherweise ergeht es beispielsweise Batman auch nicht viel besser. Der ist hier nämlich ein von sich derart eingenommener Typ, dass er am Ende über seine eigenen Füße fallen muss …

Und so tröpfelt die Geschichte dann vor sich hin, da helfen auch die actionreichen Zeichnungen von Phil Jimenez himself nicht mehr viel. Der setzt neben ausgedehnten Sprechblasen vor allem auf viele kleine Panels, die auch noch mit vielen detailreichen Zeichnungen garniert werden. Da fällt die Orientierung manchmal schon etwas schwer.

Unterm Strich? Ja, „Wonder Woman ‑ Die Götter von Gotham“ birgt insgesamt eine runde Story, die ein bisschen weniger Pathos und etwas mehr Drive vertragen hätte. Kann man lesen, muss man aber nicht.

Handlung

Joker und andere Schurken werden zu mächtigen Göttern.

Mit Batman, Nightwing und vielen mehr – neue Übersetzung; erstmals als Sammelband.

(Quelle: Panini Comics)

Autor

Phil Jimenez
(*12. Juli 1970 in Los Angeles, Kalifornien) ist ein US-amerikanischer Comiczeichner und -autor.

(Quelle: Wikipedia)

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Details

Format: Softcover
Veröffentlichung: 14.03.2017
Seitenzahl: 100
Storys: Wonder Woman 164-167
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Comics

Copyright Cover: Panini Comics



Über den Autor

Ivonne
Ivonne

„Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust.“ – Rosette Niederer