Review

Anlässlich des ersten DC Rebirth-Bandes zu Wonder Woman ‑ „Wonder Woman – Die Lügen“ ‑ könnte man sich nun lang und breit über Sinn und Unsinn von Neustarts in laufenden Comic-Storylines auslassen. Fakt ist, es gab in den letzten zehn Jahren einige „Nullpunkte“. Doch statt (mal wieder) alle Brücken hinter sich abzureißen und damit neuen Lesern einen soften Einstieg in die Multidimensionalität seines Lieblingshelden zu ermöglichen, macht es Rebirth nun etwas offensiver. Hier werden einfach alle ganz unterschiedlichen, historisch gewachsenen Elemente in die neue Story aufgenommen. Ob das im Fall der Amazonenkriegerin funktioniert?

Zuletzt hatten Brian Azzarello und Meredith Finch ihre Finger im Spiel. Wonder Woman durfte sich da nicht nur mit ihrer kriegerischen Seite als neue Göttin des Krieges auseinandersetzen, sondern musste die Beziehung zu ihrer Mutter, ihrem Freund und der Justice League überdenken (wenn man es mal so halbwegs spoilerfrei formulieren will). Während die Staffelübergabe zwischen den beiden Autoren noch recht nahtlos funktionierte, haben sich dennoch in ihrer gesamten Historie einige Ungereimtheiten angestaut. Und genau diese sich widersprechenden Erinnerungen plagen Diana nun in „Die Lügen“.

Getrieben und verunsichert von dem, was war oder auch nicht gewesen ist, weiß sie nun nicht mehr, wer sie eigentlich ist. Göttliches Kind? Aus Lehm geboren? Ist ihre Mutter noch am Leben? Nun, zumindest Kriegsgöttin ist sie nicht mehr und das Wonder Woman-Dress passt noch. Nicht viel, mit dem sie arbeiten kann. Dazu kommt, dass die Amazone nicht mehr wie früher ihren Weg nach Hause, auf die Amazoneninsel Themyscira findet. Aus lauter Verzweiflung bittet sie ihre alte Freundin Dr. Barbara Ann Minerva alias Cheetah um Hilfe. Doch auch hinter Cheetah scheint es ein ominöses Lügengebäude zu geben … So muss sich Diana zuerst um ihre Freundin kümmern, bevor sie ihr eigentliches Problem angehen kann. Und dann wäre da auch noch ihre alte Flamme Steve Trevor, der ebenfalls in dicken Schwierigkeiten steckt.

Kurz gesagt: Wonder Woman steckt hier ganz schön in der Klemme. Sie ist genauso unwissend wie der Leser ‑ egal ob er zum ersten Mal einen Wonder Woman-Comic aufschlägt oder schon ein paar kennt.

Leseprobe aus „Wonder Woman #1 – Die Lügen“ (Copyright: Panini Verlag)

Die Storys ganz ohne (oder besser: mit allen möglichen) Vorzeichen zu inszenieren, bietet viele Vorteile. Greg Rucka kann sich so die Rosinen herauspicken. Gleichzeitig besteht natürlich die Gefahr, die Story vollkommen zu überfrachten. Rucka erweist sich jedoch als guter Geschichtenerzähler und bindet viele Elemente geschickt mit wenigen Panels zu einer Flickendecke, die auch nur oberflächlich betrachtet noch Sinn ergibt. Wer dazu noch Hintergrundwissen mitbringt, gewinnt natürlich. Außerdem zeigt er mit Diana, Barbara Ann und den weiteren weiblichen Nebenfiguren ein starkes Frauenbild. Das dürfte dem aktuellen Fangeschmack gut entsprechen.

Eine Wonder Woman, die nicht ganz weiß, wer sie ist, kann sich auch optisch viele Freiheiten nehmen. So geschehen in der Darstellung der Zeichner Liam Sharp und Matthew Clark. Ob die teilweise starken Unterschiede und Kontraste in den Zeichnungen allerdings wirklich konzeptionell sind, bleibt am Ende offen. Es wirkt zumindest nicht immer harmonisch.

Dennoch bleibt Wonder Woman unterm Strich auch in der Rebirth-Variante die Amazonenkriegerin, die wir gerne lesen. Hoher Unterhaltungswert und absolute Offenheit, wie es jetzt mit Diana und Co. weitergehen soll, machen „Wonder Woman – Die Lügen“ zu einem Lesetipp sowohl für alte als auch für neue Fans.

Handlung

Die Amazone Diana ist Wonder Woman, die größte Heldin der Welt. Doch sie muss erkennen, dass jemand mit ihrem Leben und ihren Erinnerungen spielt. Als ihr sogar der Weg zur Paradiesinsel verwehrt wird, verbündet sie sich mit Cheetah, ihrer wildesten Feindin. Sie ahnt nicht, dass auch das Leben ihres Exgeliebten Steve Trevor in Gefahr ist …

(Quelle: Panini Verlag)

Autor

Greg Rucka
(*29. November 1969) ist ein US-amerikanischer Autor von Kriminalromanen und Comics.

(Quelle: Wikipedia)

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Details

Format: Softcover
Veröffentlichung: 25.04.2017
Seitenzahl: 164
Storys: Wonder Woman: Rebirth / Wonder Woman 1, 3, 5, 7, 9, 11
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Comics

Copyright Cover: Panini Comics



Über den Autor

Ivonne
Ivonne

„Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust.“ – Rosette Niederer