Review

Für Leser, die sich zwischen historischen Romanen und fantastischer Literatur nicht entscheiden können, liefert Selfpublisher-Autor Werner Karl mit seiner „Spiegelkrieger“-Trilogie einen willkommenen Kompromiss und eine unterhaltsame Alternative, denn geschickt kombiniert er die geschichtlich nachvollziehbare Besetzung Britanniens durch die Römer mit Fantasy-Elementen, die Tote zum Leben erwecken und von dunkler Magie künden.

Der erste Band namens „Druide der Spiegelkrieger“ stellt den pseudohistorischen Fantasyauftakt dar und schon nach wenigen Kapiteln wird deutlich, dass sich Werner Karl in beiden miteinander verknüpften Genres zuhause fühlt. Während der History-Komplex sehr gut recherchiert und damit authentisch dargestellt wird, fügt sich der Fantasyanteil sehr homogen in das geschichtliche Setting ein.

Grundlegend ist seine damit zusammenhängende Idee einer „Armee wandelnder Toter“ natürlich innerhalb der zahlreichen fantastischen Veröffentlichungen keine nennenswerte Innovation mehr, dennoch punktet dieses Motiv durch seine Schlichtheit und seine wie selbstverständlich wirkende Integration in die geschichtsträchtigen Rahmenbedingungen. Noch dazu verpasst es dem Roman einen zusätzlichen Horror-Anstrich, der jedoch ebenso unaufdringlich und dezent wahrgenommen wird, wie die fantastische Breitseite des Romans.

Prinzipiell wird man nämlich feststellen, dass sich alles in „Druide der Spiegelkrieger“ dem geschichtlichen Kontext beugt und unterordnet, denn den Fokus legt Werner Karl immer wieder auf die Historie, in die das Geschehen gebettet ist.
Entsprechend detailreich fallen zum Beispiel die Ausführungen über Heeraufstellungen, Waffen und Kriegsführung aus. Dies kann zuweilen ein wenig trocken, lehrreich, repetitiv oder sogar sachbuchartig wirken, allerdings schadet es auch nicht, sich auf diese Weise weiterzubilden. Denn dass Werner Karl in all seiner Fiktion zahlreiche Fakten unterbringt, ist nicht erst im ausführlichen Anhang, bestehend aus einem umfangreichen Glossar sowie Quellennachweisen, die auf ein Neues des Autors Rechercheakribie widerspiegeln und dem einen oder anderen Leser selbst als vertiefende Geschichtslektüre dienen könnten, zu bemerken.

Ebenfalls im Anhang anzutreffen ist ein Personenregister, das den Leser vor, während und nach der Lektüre von „Druide der Spielgelkrieger“ den Überblick über die wichtigsten Figuren des Romans bewahren lässt.
Doch auch ohne diese Nachschlageoption macht es Werner Karl seinen Lesern leicht, sich in der Handlung stets zurechtzufinden, und das, obwohl er kapitelweise Rückblicke, kombiniert mit Zeitwechsel präsentiert. Was anfangs vielleicht etwas verwirren könnte, entpuppt sich schon bald als cleverer Schachzug des Autors, der auf diese Art zunehmend, aber häppchenweise den Hintergrund einzelner Figuren und der Geschichte offenbart. Damit bleibt die Spannung in „Druide der Spiegelkrieger“ lange Zeit erhalten, während zusätzliche, geschickt integrierte vermeintliche Nebenhandlungen (wie beispielsweise eine Romanze) das Buch außerdem auflockern.

Diese sind es auch, die dem Leser zu späteren Zeitpunkten, zusammen mit weiteren perfekten überraschenden Wendungen, noch mehr brisante Momente bescheren werden. Darunter auch einige sehr emotionale, da Werner Karl wenig Skrupel hat, dem Leser detailreich nähergebrachte und somit lieb gewonnene Figuren unerwartet und brutal zu entreißen.

Werner Karl (Copyright: Werner Karl)

Werner Karl (Copyright: Thomas Heuchling, Coburger Tagblatt)

Insgesamt geht der Autor mit seinen Charakteren – ob Haupt- oder Nebenfigur – nicht gerade zimperlich um; erkennbar ist dies vor allem an den teils äußerst blutigen und brutalen Kampfszenen, an denen es in „Druide der Spiegelkrieger“ nicht mangelt.
Sind die oben erwähnten „trockeneren“ Details wie Kampfformationen und Angriffsstrategien erst einmal erklärt, konzentriert sich Werner Karl auf eine temporeiche Schilderung der Schlachten, die so formuliert und beschrieben werden, dass man meint, das Blut riechen, die sich kreuzenden Klingen hören und den bitteren Geschmack von Tod, Verlust und Angst auf der Zunge wahrnehmen zu können. Durch die plastische Darstellungsweise dieser Szenen wird der Leser direkt in das Geschehen katapultiert, für das man partiell gute Nerven mitbringen sollte, denn von romantisierenden Kämpfen kann in „Druide der Spiegelkrieger“ keine Rede sein. Das ist aber auch gut so, denn umso gebannter verfolgt man den Roman, der mit seinem spannenden Cliffhanger die Neugier auf den Folgeband weckt.

Angesichts der vielen positiven Aspekte von „Druide der Spiegelkrieger“ ist es fast verwunderlich, dass bisher noch kein Verlag auf Karls History-Fantasy aufmerksam geworden ist. Eine derartige Entwicklung wäre dem Autor zu wünschen, der mit dem Auftakt zu einer vielversprechenden Trilogie unter Beweis stellt, dass dort draußen das eine oder andere Talent schlummert und nur darauf wartet, von einer größeren Leserschaft entdeckt zu werden.
Von der „Spiegelkrieger“-Reihe angesprochen fühlen sollten sich daher sowohl die eingangs erwähnten Unentschlossenen, die zwischen historischen Romanen und Fantastik pendeln, aber auch jene, die sich explizit für History-Fantasy begeistern können.

Trailer

Inhalt

Ein Druide der Picten gegen eine römische Legion.
Ein ungleicher Kampf.
Römer … mir graut vor eurem Schicksal.

Britannien ist von römischen Legionen besetzt. Doch ein junger Druide der Picten findet ein Mittel für seine Rache und beginnt den Sturm auf den Hadrianswall. Und er findet die Liebe seines Lebens: die Tochter seines größten Feindes …

(Quelle: Werner Karl)

Autor

Werner Karl ist Selfpublisher-Autor mehrerer Romane und Erzählungen aus den Bereichen Fantasy und Science-Fiction.

Werner Karl – Homepage
Werner Karl – Facebook

Trilogie

Spiegelkrieger-Trilogie:
01 Druide der Spiegelkrieger
02 Königin der Spiegelkrieger
03 Dämon der Spiegelkrieger

Deatils

Format: Taschenbuch
Vö-Datum: 13.08.2014
Seitenzahl: 488
ISBN: 978-1505296495
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Selfpublisher

Copyright Cover: Designstudio Daniela Roith / Werner Karl



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde