Review

Wortwitz, Charme und einen leichten Hang zur sprachlichen Ausschweifung lieben Fans an Wortgroßmeister Walter Moers. Als Herr der Buchlinge und Zamonischübersetzer fand er viele Fans. Nun endlich erscheint mit „Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr“ ein weiterer Zamonienroman.

Prinzessin Insomnia heißt eigentlich Dylia, von Berufswegen ist sie allerdings tatsächlich eine Prinzessin. Eine kranke allerdings, denn trotz Ärzten, Quacksalbern, Besserwissern, Ratgebern, Hausmitteln und den absonderlichsten Absonderlichkeiten konnte sie noch niemand von ihrer Krankheit befreien: Sie schläft nicht. Oder besser: Nur selten, nicht erholsam. Oft wandelt sie wach durch die Gänge ihres Schlosses, sinnierend über Sinn und Unsinn.

Gerade Letzteres gehört dabei gewissermaßen zu Beruf und Berufung der Prinzessin. Wer viel Zeit zum Grübeln hat, hat vielleicht auch im zarten Alter schon vieles durchgekaut und muss sich neuen Dingen widmen. So auch Dylia, die bereits auf den ersten Seiten von ihren mannigfaltigen Hobbys berichtet: Farblehre, Wortschöpfungen, Forschung. Dylia findet im eigenen Geist bereits einen Reichtum an denkenswerten Gedanken.

Ungefiltert lässt Moers diese auf den Leser los, sodass man sich zunächst durch einen Wust an Sprachspaß kämpfen muss, bis Dylia unzählige Türme und Treppen zu ihrem Gemach erklommen hat. Wer wie Dylia dann mit dem Schlaf kämpfen muss ‑ ja, die Schlaflose steht kurz vor einem seltenen Nickerchen! ‑, wird noch mal kurz die Augen aufreißen als Opal, ein Nachtmahr plötzlich erscheint. Der Alptraumbringer hat eine besonders schwere Aufgabe: Wie soll man jemandem ohne Schlaf Alpträume bereiten? Beide einigen sich: Sie werden sich auf eine Reise begeben, hinein in die tiefsten Tiefen des Prinzessinnenhirns.

An Ideen mangelt es Moers mal wieder nicht. Allerdings treibt er es dieses Mal einfach eine Spur zu weit. Seite um Seite, Zeile um Zeile, Wort um Wort verliert er sich in spaßigen Späßen und irren Ideen, sodass die eigentliche Handlung vollkommen in den Hintergrund tritt. Wer andere Zamonienromane bereits grenzwertig findet, sollte „Prinzessin Insomnia“ direkt wieder zur Seite legen. Liest man aber über diese Zeilen hinweg, dann bleibt nicht mehr viel übrig.

Am Ende schildert Moers, dass die Idee zu Dylia und ihrem Leiden aus dem Kontakt zu Lydia Rode geboren wurde und eigentlich als eine Kurzgeschichte geplant war. Vielleicht hätte die Geschichte in diesem Stadium bleiben sollen?

Lydia Rode spielt allerdings nicht nur als Muse eine Rolle. Die Frau, die selbst an einer schlafassoziierten Krankheit leidet, schuf auch die Illustrationen. Wie, ein Moers ohne seine Zeichnungen? Ja, das funktioniert ganz gut. Rode zeigt die Moers’schen Figuren anders, aber dennoch effektvoll und stimmungsvoll. Den verrückten Ideen von Dylia absolut angemessen.

Tja, und da stehen die Moers-Fans nun. Alle warten auf den nächsten „Träumende Bücher“-Roman und bekommen stattdessen die Prinzessin Insomnia. Die hard-Moers-Fans lesen hier natürlich rein, und sollte unter ihnen jemand mit Schlafproblemen sein, wird das Buch vielleicht sogar richtig nützlich. Wer allerdings kein Fan von Ausschweifungen und mittelschweren Umständlichkeiten ist, lässt lieber die Finger von „Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr“.

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Inhalt

Prinzessin Dylia, die sich selbst „Prinzessin Insomnia“ nennt, ist die schlafloseste Prinzessin von ganz Zamonien. Eines Nachts erhält sie Besuch von einem alptraumfarbenen Nachtmahr. Havarius Opal, wie sich der ebenso beängstigende wie sympathische Gnom vorstellt, kündigt an, die Prinzessin in den Wahnsinn treiben zu wollen. Vorher nimmt er die Prinzessin aber noch mit auf eine abenteuerliche Reise durch die Welt des Denkens und Träumens, die für beide immer neue und überraschende Wendungen bereit hält, bis sie schließlich zum dunklen Herz der Nacht gelangen.

Walter Moers erzählt dieses Märchen aus der zamonischen Spätromantik voller skurriler Charaktere mit der ihm eigenen Komik: spannend und anrührend zugleich.

(Quelle: Knaus Verlag)

Autor

Walter Moers
ist der Schöpfer vieler erfolgreicher Welten und Charaktere. Von ihm stammen unter anderem die Comicwelten um „Das kleine Arschloch“ und dem „Alten Sack“, „Adolf, die Nazisau“ und die Figur des Käpt`n Blaubär. Seit fast 20 Jahren schreibt er fantastische Romane, die auf dem Kontinent Zamonien spielen. Dazu gehören unter anderem die internationalen Bestseller „Die 13 ½ Leben des Käpt`n Blaubär“, „Die Stadt der Träumenden Bücher“ und zuletzt „Das Labyrinth der Träumenden Bücher“. „Prinzessin Insomnia“ ist der siebte Zamonienroman.

(Quelle: Knaus Verlag)

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Details

Format: Gebundenes Buch (Pappband mit Schutzumschlag)
Vö-Datum: 28.08.2017
Seitenzahl: 344
ISBN: 978-3-8135-0785-0
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Knaus Verlag

Copyright Cover: Knaus Verlag



Über den Autor

Ivonne
Ivonne

„Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust.“ – Rosette Niederer